14. Mai 2017, 13:00 Uhr

Jubiläum in Ockstadt

»Kleinkinderschule« feiert 125-Jähriges

Vor 125 Jahren wurde in Ockstadt eine »Kleinkinderschule« eröffnet. Grund genug für Kita-Leiterin Mechthild Kipp und ihr Team, das Jubiläum am 21. Mai zu feiern.
14. Mai 2017, 13:00 Uhr
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Von Harald Schuchardt
Lächeln Fehlanzeige: Im Jahre 1934 haben sich die Kinder anscheinend nicht allzu begeistert zum Gruppenfoto aufgestellt. (Foto: pv)

Eröffnet wurde die Kleinkinderschule in dem 1618 von Freiherr Philipp Christoph von Franckenstein erbauten Haus jedoch erst am 19. Dezember 1892, nachdem drei Wochen zuvor drei Schwestern der Kongregation der »Töchter von der göttlichen Vorsehung« in das Haus im Schlossgarten, das zuletzt als Gaststätte genutzt worden war, eingezogen waren.

Dem Wunsch des damaligen Ockstädter Pfarrers Rady hatte der Besitzer Hans Carl Freiherr von Franckenstein das Gebäude der katholischen Kirchengemeinde für die neue Einrichtung überlassen. Die drei Schwestern sollten in dem Filialkloster sowohl die Kinderbetreuung als auch die Krankenpflege übernehmen.

Womit niemand gerechnet hatte: Schon kurz nach der Eröffnung besuchten 90 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren die Kleinkinderschule, sodass schnell eine zweite Schulschwester angefordert wurde. Schwester Huberta nahm ihre Tätigkeit auf. Nach einem Frühgottesdienst wurden die Kinder bis 17 Uhr betreut. Das Essen brachten die Kinder in kleinen Tornistern mit und nahmen es gemeinsam ein. Nach dem Essen galt für alle Kinder Mittagsruhe. Die Eltern zahlten wöchentlich 20 Pfennige an eine im Jahre 1892 eigens gegründete Stiftung, die unter anderem die »Kinderbewahranstalt« unterstützte.

 

Geschenkt und wieder abgenommen

 

Viele Jahre änderte sich daran nichts. Während der Erbauung der Pfarrkirche in den Jahren 1909 und 1910 wurde in den Kindergartenräumen eine Notkirche eingerichtet, was zu einer räumlichen Einengung führte. Inzwischen hatten die Franckensteins per notariellem Schenkungsvertrag das gesamte Anwesen der Kirchengemeinde übereignet.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten übernahm am 20. Juli 1941 die nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) den Kindergarten, Schulschwester Edeltraud kehrte zurück ins Mutterhaus. Zuvor hatte Freiherr von Franckenstein in Zusammenarbeit mit Pfarrer Heinrich Kissel die Schenkung rückgängig gemacht. Der Baron machte geltend, dass die Schwestern in seinem Haus wohnten, und verbat sich jede Einmischung.

1949 wurde die Schenkung an die katholische Kirchengemeinde erneuert, nachdem die Ordensschwestern schon am 1. Mai 1945 wieder die Kindergartenleitung übernommen hatten. Bis zur Auflösung der Schwesternstation 1991 führten die Ordensschwestern den Kindergarten weiter, abgesehen von einer Unterbrechung von 1973 bis 1975.

Zusammen mit Pfarrer Dr. Horst Gebhard begannen 1974 Planungen für die Um- und Neugestaltung des Kindergartens, die 1976 abgeschlossen wurde. Seitdem werden in drei Gruppen Kinder von drei bis sechs Jahren betreut. 1991 übernahm Ingeborg Dienst die Kindergartenleitung. In jeder Gruppe arbeiteten zwei Erzieherinnen mit 25 bis 27 Kindern.

In den nächsten Jahren wurde mit Unterstützung der Eltern das Außengelände neu gestaltet. Unter anderem wurde ein Sinnesgarten eingerichtet. Im Jahre 2001 wurde aus dem Kindergarten eine Kindertagesstätte, in der zunächst 14 Kinder ganztags betreut wurden und eine warme Mahlzeit erhielten. Schnell wurde die Zahl der Ganztagsplätze auf 30 erhöht. 2003 wurde die Einrichtung durch die Aufnahme eines Kindes mit Behinderung zur integrativen Kindertagesstätte. 2012 übernahm Mechthild Kipp die Leitung der Kita, in der aktuell 51 Kinder von neun Erzieherinnen betreut werden, darunter sind zwei Kinder mit Behinderungen.

Ein Jahr später begann in Zusammenarbeit mit dem Geflügelzuchtverein die Hühnerzucht in der Kita. Die bisher letzte große Veränderung war die Einrichtung der U3-Betreuung im Jahre 2014. Zuvor waren der 1975 angebaute Teil des Kindergartens umgehend saniert und ein weiterer Anbau errichtet worden. Das ist nun das Reich der »Minis«. Mechthild Kipp sagt: »Sie sind für unsere Einrichtung eine echte Bereicherung.«

Unter dem Motto »Von der Kleinkinderschule zur Kindertagesstätte« wird am Sonntag, 21. Mai, das Jubiläum gefeiert. Die Feier beginnt um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst auf dem Außengelände. Nach dem Mittagessen sind die Gäste zur Vorführung der Kindergartenkinder eingeladen. Am Zaun des Sinnesgartens werden Fotografien von »alten Spielen« gezeigt. Die aktuellen Kindergartenkinder haben sie gespielt, wobei eine Reihe von Schwarz-Weiß-Fotos entstanden. Ferner werden alle noch vorhandenen Gruppenfotos gezeigt. Im »Museumsraum« werden Originalstücke aus Landwirtschaft, Haushalt und Spielsachen gezeigt. Zum Fest wurden alle ehemaligen Erzieherinnen eingeladen. Die »Zeitreise der Generationen« klingt am Nachmittag mit Kaffee und Kuchen aus.



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