18. Juni 2018, 21:22 Uhr

Klarinette gegen Fußball

18. Juni 2018, 21:22 Uhr
Die Kammerphilharmonie Bad Nauheim mit Uwe Krause am Pult erringt am Sonntag im Jugendstiltheater mit ihrem klassischen Programm einen klaren Punktsieg. (Fotos: hms)

Etliche Fußballfreunde waren am Sonntag zu Hause geblieben und haben ein großartiges Konzert verpasst. Die Kammerphilharmonie unter der Leitung von Uwe Krause und Solist Ulrich Mehlhart begeisterten vor allem mit Mozarts einzigem Klarinettenkonzert. Außerdem standen die Orchestersuite »Pelléas et Mélisande« von Gabriel Fauré, Beethovens Ouvertüre zu »Die Geschöpfe des Prometheus« und seine erste Sinfonie auf dem Programm.

»Zwischen dem Orchesterkonzert und einem Fußballspiel gibt es durchaus Gemeinsamkeiten«, erklärte Dieter Bauer, Vorstand des Fördervereins Sinfonische Musik Bad Nauheim, zu Beginn: »Das Spiel dauert bei beiden 90 Minuten, der Anpfiff erfolgt bei uns oft durch die Bläser und der Schiedsrichter ist der Dirigent, nur, dass dieser schon vorher jedes Falschspiel ahndet.« Uwe Krause hatte alles im Griff und steuerte das Orchester mit klarem Dirigat durch schnelle und langsame, dramatische und gefühlvolle Passagen.

Absoluter Höhepunkt war das Klarinettenkonzert, das Wolfgang Amadeus Mozart kurz vor seinem Tod 1791 vollendete und für den Klarinettisten Anton Stadler schrieb. Er hatte es ursprünglich für die von Stadler entwickelte Bassettklarinette komponiert. Das Originalmanuskript ist verschollen und so wird es heute in der Fassung von 1801 für die klassische Klarinette gespielt. Bei Mehlharts duftigem Spiel könnte man meinen, er habe sein Leben lang nichts anderes getan. Hat er auch nicht, denn er war bis zu seinem Ruhestand 2016 Soloklarinettist des HR-Sinfonieorchesters. Nach wie vor arbeitet er kammermusikalisch im »mutare ensemble« in Frankfurt und in alter Tradition mit der Bad Nauheimer Kammerphilharmonie zusammen. Faszinierend ist sein eleganter, schlanker Ton, virtuose Läufe nimmt er mit Leichtigkeit und sein Lippenansatz haucht den Ton unmerklich in das Klangbild des Orchesters, mit dem er feine Dialoge spinnt. Zu Recht hallten zahlreiche Bravo-Rufe in den nicht enden wollenden Applaus.

Düsteres Ende

Genau 100 Jahre nach diesem Klarinettenkonzert wurde 1901 die dreisätzige Orchestersuite Pelléas et Mélisande des Franzosen Gabriel Fauré uraufgeführt. Nachdem seine gleichnamige Oper, ein Liebesdrama zwischen zwei Brüdern und einem Mädchen, so erfolgreich war, erarbeitete er die Orchesterfassung. Die schillernd-mystische Abgründigkeit des Dramas vom melodiehaften beschwingten Beginn bis zum düsteren Ende war in der Orchesterinterpretation gut nachvollziehbar. Ein Werk das gerade in den Streichern und instrumentalen Solostellen voller Gefühle und Berührungen hervorragend gelang. Beginn und Abschluss bildeten zwei Werke von Ludwig van Beethoven. Die Ouvertüre zur Ballettmusik »Die Geschöpfe des Prometheus« op. 43 ist die erste dieser Art in Beethovens Gesamtschaffen und an den Kopfsatz der ersten Sinfonie angelehnt. Sie dienten in diesem Konzert quasi als Klammer. Die erfolgreiche Uraufführung seiner ersten Sinfonie op. 21 erfolgte in seiner ersten eigenen ›Akademie‹ am 2. April 1800 in Wien. Das Werk steht in C-Dur und damit für den Neubeginn: Beethoven lässt endgültig die barocke Vielfalt zurück und läutet die neue Zeitrechnung in der Gattung Sinfonie ein. Zunächst bediente er sich noch des Vorbildes von Mozart und Haydn, die in dieser Zeit sehr beliebt waren. Doch man spürt den neuen Weg: Revolutionär wirkt die Energie, die den ersten Satz vorantreibt, eigenwillig die sich steigernde Kraft.

Am Sonntag geriet dieser Ansatz jedoch etwas zu allgefällig. Bei makellosem Spiel blieb das Repertoirestück insgesamt ohne Glanz. Der Applaus war dennoch wohlverdient.

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