23. Mai 2018, 19:52 Uhr

Klanglich und technisch anspruchsvoll

23. Mai 2018, 19:52 Uhr
Kantor Frank Scheffler spielt einige Orgelvorspiele am Cembalo und bringt damit klangliche Varianten Bach’scher Musik ins Spiel. (Foto: hms)

Mit dem zweiten Teil des Bachzyklus’ hat Frank Scheffler am Pfingstsamstag eine gute Wegstrecke seiner geplanten Bachgesamteinspielung für Orgel bewältigt und ein langes Konzert einstudiert. Da die 2014 renovierte Simon/Hardt-Orgel in der Johanneskirche ein für Bach bestens geeignetes klangschönes Instrument ist, brachte das Konzert nicht nur dem Publikum, sondern auch dem Organisten Ergötzung.

Bach hat viele seiner Stücke mit S.D.G., Soli Deo Gloria, gezeichnet. So steht es auch unter den Choralvorspielen, die Scheffler in drei Blöcken den Einzelstücken gegenüberstellte. Das Programm blätterte einen Variantenreichtum auf, wie man ihn von Bach zwar kennt, der aber in dieser frühlingshaften Zusammenstellung von italienisch bewegt über ernsthaft klassisch bis zur kunstvollen Verwendung der Zahlensymbolik etwas Besonderes war.

Den Anfang machte »Il Grosso Mogul«, ein von Antonio Vivaldi komponiertes weltliches Stück, das Bach dreisätzig für Orgel bearbeitete und das in seinen majestätischen Ausdrucksformen durchaus der an diesem Tag stattgefundenen royalen Hochzeit hätte gelten können. In der den italienischen Komponisten abgelauschten Triosonate – Bach war nie in Italien – umschlossen die bewegten sonnigen Ecksätzen ein ausgedehntes von Chromatik durchsetztes Largo. Den typischen Bach hörte man aus Präludium und Fuge C-Dur heraus, geschrieben in der frühen Weimarer Zeit. Das heutige Standardwerk galt nachfolgenden Generationen als zeitlos-beispielhaft. Hierbei wurde deutlich, wie viel Klangfarben und Intensität die kleine Orgel offenbart. Eine Menge Symbolik ist in der Fuge Es-Dur, dem Schluss des dritten Teils der Clavierübung zu finden: Es beinhaltet die Töne Es-D-G (Soli Deo Gloria) und die Zahl drei für die Trinität Gottes, passend zum Pfingstfest. Aus verschiedenen Zahlenkombinationen, zum Beispiel vier- und fünfstimmig, ergibt sich eine Verbindung zwischen Heiligem Geist und Bach als dessen Diener. Die Zahlensymbolik bei Bach wird der Gießener Professor Albrecht Beutelspacher in den nächsten zwei Bachzyklen erläutern.

Da im Barock häufig nur »Clavier in C« notiert gewesen sei, nahm man das Tasteninstrument, was gerade verfügbar war, erklärte Scheffler. Daher wählte er zur Abwechslung das Cembalo für einige Choralvorspiele. Mit den klanglich und technisch anspruchsvollen und besonders kunstvoll komponierten letzten drei Vorspielen konzertierte er wieder an der Orgel. Die Nähe zum Organisten in dem intimen Kirchenraum, der im Gegensatz zur Dankeskirche nichts verzeiht, ließ diese Werke zum besonderen Genuss werden. Ungewöhnliche Figuren und zahlreiche Triller erinnerten an Vogelstimmen, die mit ihrem Gezwitscher »Allein Gott in der Höh« ehrten. Einem dieser Werke hatte Bach die Anmerkung zugeordnet: »Den Liebhabern und Kennern zur Gemütsergötzung«.

Die Bachzyklen III und IV finden am 24. November und 15. Dezember in der Dankeskirche statt. Alle Konzerte in dieser Reihe sind Benefizkonzerte für die Große Orgel Dankeskirche.

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