25. Juni 2019, 20:07 Uhr

Kita-Ausbildung vor Ort

25. Juni 2019, 20:07 Uhr
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Von Jürgen Wagner
Im Mai haben Erzieherinnen und Erzieher in Düsseldorf für bessere Arbeitsbedingungen demonstriert. Auch in der Wetterau ist die Lage angespannt, fehlen Mitarbeiter. (Foto: dpa)

In den Städten und Gemeinden fehlen Erzieherinnen und Erzieher, einige Kommunen überbieten sich bereits mit Zusatzangeboten und besserer Bezahlung, machen sich gegenseitig Konkurrenz. Nach Auffassung der FDP-Fraktion in der Friedberger Stadtverordnetenversammlung sollten Friedberg und seine Nachbarstädte (vor allem Bad Nauheim) die Initiative ergreifen und eine duale dreijährige Ausbildung für diesen Berufszweig anbieten. Damit, so der FDP-Fraktionsvorsitzende Achim Güssgen-Ackva, könne man dem Mangel an Fachkräften in den Kitas begegnen.

Laut der FDP-Initiative soll der Friedberger Magistrat »beauftragt werden, in Kooperation mit den Beruflichen Schulen am Gradierwerk (BSG) Bad Nauheim ein Konzept für eine duale dreijährige Ausbildung zum Erzieher/zur Erzieherin bei der Stadt Friedberg zu erarbeiten.« Hier könnten die bereits bestehenden Konzepte in anderen hessischen Städten und Landkreisen genutzt werden. Die FDP verweist auf entsprechende Wege, die im Main-Kinzig-Kreis bereits beschritten würden. »Um das Zustandekommen einer Berufsschulklasse für Erzieher/-innen an der BSG zum baldmöglichen Zeitpunkt zu ermöglichen, soll es zu Kooperationen mit Nachbarkommunen kommen. Hier wäre die Stadt Bad Nauheim die natürliche Partnerin. Das wäre ein sinnvolles Projekt der interkommunalen Zusammenarbeit.«

Daher habe man in den Antrag auch hineingeschrieben, dass ein solches IKZ-Projekt federführend bei der Ersten Stadträtin Marion Götz (SPD) angesiedelt werden sollte. Es gelte auch, mögliche Förderprogramme einzubeziehen. Die Initiative sei mit der Bad Nauheimer FDP abgestimmt und von dieser ebenfalls als Antrag formuliert worden, teilt Güssgen-Ackva mit.

Vorteile der dualen Ausbildung

Der Fraktionsvorsitzende der Liberalen in der Stadtverordnetenversammlung weist darauf hin, dass der Mangel an Fachkräften gerade in den Kindergärten hinreichend bekannt sei. »Auch in Friedberg wird es immer schwieriger, qualifiziertes Personal zu gewinnen und gleichzeitig gute Fachkräfte zu halten. Wir bauen derzeit neue Einrichtungen und erweitern bestehende, können aber nicht sicher sein, dass wir am Ende auch ausreichend Personal haben«, schreibt Güssgen-Ackva. Es gebe einen starken Wettbewerb zwischen den Gemeinden im Wetteraukreis und in der Region. Auch Friedberg biete zahlreiche Extras, um Personal anzulocken. Das sei aber nicht genug und doktere nur an den Symptomen herum. »Seit langer Zeit wird darüber gesprochen, wie man die bislang fünfjährige Ausbildung der Erzieher so gestalten kann, damit junge Menschen sich frühzeitig für diesen Berufsweg entscheiden. Bislang müssen die jungen Menschen die Ausbildung selbst bezahlen, das ist für viele nicht machbar. Wir schlagen daher für unsere Region die Einrichtung des dreijährigen Ausbildungsganges vor.«

Die Vorteile liegen nach Ansicht der FDP-Fraktion auf der Hand. Es ergebe sich eine Steigerung der Attraktivität und Wertschätzung des Berufes für Frauen und Männer, statt des Schulgelds würden die jungen Leute ein Ausbildungsgehalt bekommen, und es gebe einen Einsatz in der Praxis vom ersten Ausbildungstag an. Praktische und theoretische Ausbildung an der Berufsschule würden parallel laufen. »Langfristig versprechen wir uns auch eine Verbesserung der Personalplanung und Personalsicherheit in den Kitas und eine bessere Qualitätssicherung.«

Auf die Stadt Friedberg kämen zunächst höhere Belastungen aufgrund der Ausbildungsgehälter und der Ausbildung in den Kindertagesstätten zu. »Aber das ist mittel- und langfristig sehr gut investiertes Geld«, sagt Achim Güssgen-Ackva. »Das wäre Neuland, aber Friedberg könnte sich an die Spitze der Bewegung stellen und zeigen, dass man hier innovativ denkt.«



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