Eine Vergangenheit, die heute noch Gegenwart ist. Ein Schicksal, das viele Kinder in Ghana teilen und zeigt, wie wichtig Bildung ist. Agnes Yaa Tweneboah ist in einem Dorf in Ghana aufgewachsen, sie weiß, wie Familien ohne soziale Hilfen und mit geringem Einkommen ihre Kinder erziehen müssen. Als Scheidungskind wuchs sie bei ihrer Großmutter auf. Voller Dankbarkeit denkt sie noch heute täglich an ihre Oma, die hart gearbeitet hat, um ihr den Schulbesuch zu ermöglichen.

Ihre Erinnerungen hat die Nieder-Mörlerin in einem Buch festgehalten. »Ich mag sie sehr...meine Großmutter« beschreibt ihre Kindheit in Ghana – fernab von europäischen Sicherheiten.

Agnes Yaa Tweneboah wurde gemeinsam mit ihren zwei älteren Schwestern schon früh in die Obhut ihrer Großmutter gegeben. Die Mutter verließ die Familie, als Agnes acht Monate alt war. »Ich bin eigentlich jemand, der Gottes Segen hat«, beginnt sie in ihrem Buch zu erzählen. »Ich habe das aber nicht erkannt und mein Leben nie so geführt, wie ich es hätte tun sollen, vor allem deshalb, weil ich keine Eltern hatte.« Man müsste eigentlich auf seine Eltern hören, um im Leben voranzukommen. »Aber ich wusste immer, dass meine Großeltern und Verwandten es gut mit mir meinten und versucht haben, mich zu erziehen. « Schon nach den ersten Zeilen des Buches wird klar, dass in dem Kind Agnes Yaa Tweneboah ein aufgewecktes und neugieriges Wesen gesteckt hat. Schnell wurden ihr Unterschiede zwischen Dorf- und Stadtleben bewusst. Auch erkannte sie früh, wie wichtig Bildung für die Zukunft ist, spürte, dass ihre Großmutter und auch ihr Onkel alles daran setzten, ihr den Schulbesuch zu ermöglichen. »Das Schulgeld in Ghana beträgt circa 200 Euro für zwei Monate«, erklärt ihr Ehemann Rainer Hackel. »Das durchschnittliche Einkommen liegt monatlich aber bei 70 bis 80 Euro.« Agnes’ Großmutter arbeitete hart, stellte Seife her oder verrichtete Feldarbeit. Schon früh halfen die Enkel. Mit sechs Jahren wurde Agnes eingeschult, doch besuchte sie die Schule nicht regelmäßig. Wenn in Ghana das Schulgeld nicht bezahlt werden konnte, durften Kinder auch nicht am Unterricht teilnehmen.

Heringsköpfe aus dem Müll gefischt

Parallel zur Schule arbeitete das Mädchen immer wieder. Nach der sechsten Klasse brach sie die Schule schließlich komplett ab. In ihrem Buch beschreibt die Nieder-Mörlerin auch immer wieder den Hunger. So war es ihrem Onkel peinlich, dass sie Heringsköpfe aus dem Müll fischte und aß. Vieles, das im Buch Beachtung findet, mag den Leser schockieren. Aber es gibt auch schöne Erinnerungen, gerade an die Oma. Sicherlich regt das Buch auch zum Nachdenken an. »Vieles, was hier selbstverständlich ist, gibt es in Ghana nicht.« Allen voran ein Bildungs- oder Gesundheitssystem und auch finanzielle Sicherheit. Sicherheit hat Agnes Yaa Tweneboah in Deutschland gefunden. Anfang der 90er Jahre kam sie nach Europa, heute lebt sie mit ihrem Ehemann Rainer Hackel in Nieder-Mörlen. Hier führt sie auch ihren Shop »Miracle Africa«, den sie zuvor in Friedberg aufgebaut hat. Außerdem veröffentlichte die Gospelsängerin zwei Alben und eine DVD mit Gospelsongs.

Ihr Mann, selbst Autor, regte sie dazu an, ihre Erinnerungen in einem Buch festzuhalten. »Ich habe alles auf ein Band gesprochen, in Albert Quayson haben wir einen Übersetzer gefunden, der die Aufnahmen aus dem Twi ins Deutsche übertrug«, sagt Agnes Yaa Tweneboah. Lob gab es bereits 1996 von Schriftsteller Ernst Jünger, der die Biografie erhielt. »Neben ihrem Wesen mag es auch die Poesie des afrikanischen Lebens gewesen sein, die trotz aller Armut und allen Unglücks den Leser ergreift«, sagt Rainer Hackel. Vielleicht sei es aber auch die Muße des mündlichen Erzählens.

Das Buch »Ich mag sie sehr...meine Großmutter« ist im Traugott Bautz Verlag, Es umfasst 84 Seiten und kostet 8 Euro.

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