11. Februar 2019, 17:00 Uhr

Kreuzung

Keine Bodenschwellen: Gefährliche Ecke in Friedberg bleibt gefährlich

Wo sich in Friedberg Hospital- und Neutorgasse treffen, treffen sich mitunter auch Autofahrer und Radfahrer. Und dann wird’s brenzlig. Die CDU forderte Fahrbahnschwellen, die Verwaltung lehnt das ab.
11. Februar 2019, 17:00 Uhr
Und plötzlich taucht ein Radfahrer auf: Die Kreuzung Neutor- und Hospitalgasse ist gefährlich, auch weil die Autofahrer hier oft viel zu schnell unterwegs sind. (Foto: Nici Merz)

Wer bei wärmeren Temperaturen vor dem Café »Kaktus« sitzt und einen Latte Macchiatto schlürft, bekommt mitunter ein riskantes Unterhaltungsprogramm geboten: Fährt von oben, von der Kaiserstraße, ein Radfahrer mit hohem Tempo die steile Neutorgasse hinunter und es nähert sich aus der Hospitalgasse ein Auto, wird’s gefährlich. Die CDU hat im September letzten Jahres in der Stadtverordnetenversammlung den Antrag gestellt, das Rathaus solle Fahrbahnschwellen einbauen, um die Autos abzubremsen. Denn auch die sind – »Kaktus«-Besucher könnten dies bezeugen – oft mit hohem Tempo unterwegs. Obwohl sie in einem verkehrsberuhigten Bereich unterwegs sind.

Der UWG-Fraktionsvorsitzende Friedrich-Wilhelm Durchdewald, selbst Bewohner der Altstadt, schilderte im Ausschuss für Energie, Wirtschaft und Verkehr, was sich an dieser Kreuzung fast täglich abspielt, ohne dass die Polizeistatistik davon Kenntnis nimmt: Durchdewald fährt mit einem Kleintransporter, der gute Sicht nach vorne gewährleistet, im Schritttempo durch die Hospitalgasse. Kurz vor der Kreuzung der prüfende Blick: Kommt einer oder kommt keiner? Es kommt keiner, Durchdewald fährt langsam weiter, und als er die Kreuzung fast schon passiert hat, knallt’s. Ein von oben kommender Radfahrer, offenbar mit hohem Tempo unterwegs, konnte nicht mehr abbremsen, fuhr in die Seite des Kleintransporters und stürzte. »Vielleicht war er zugedröhnt.« Der Radfahrer sei dann wieder aufgestanden, habe sein Rad geschnappt und das Weite gesucht. »Und ich hatte den Schaden.«

 

Kinder auf dem Skateboard

Durchdewald schlug im Ausschuss vor, einen Verkehrsspiegel an der Ecke anzubringen. »Dann hätte ich den Radfahrer vielleicht gesehen.« Die Straßenverkehrsbehörde im Rathaus lehnt einen Spiegel genauso ab wie Bodenschwellen.

Wie die CDU in ihrem Antrag schreibt, ist die Kreuzung »äußerst schwer einsehbar«. Der gesamte Bereich sei zwar verkehrsberuhigt, die Autofahrer müssen somit Schrittgeschwindigkeit fahren. Die Verkehrsberuhigung habe sich aber nicht als geeignetes Mittel herausgestellt, um die Gefahrenstelle zu entschärfen. Viele Kinder würden dort auf dem Skateboard hinunterjagen. »Wir hatten bislang Glück, dass die Kinder gut gefallen sind«, merkte Ortsvorsteher Norbert Simmer bitter an. »Muss es erst einen tödlichen Unfall geben, bevor die Behörde etwas tut?«

 

Behinderung der Feuerwehr?

Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) hatte zuvor den Antrag seiner eigenen Partei als nicht umsetzbar zurückgewiesen. Bodenschwellen behinderten Feuerwehrfahrzeuge und Krankentransporte, ein Straßenspiegel spiegele eine falsche Sicherheit vor. Sein Parteikollege Bernd Fleck, passionierter Feuerwehrmann, widersprach: »Jeder Feuerwehrmann, der ein Fahrzeug lenkt, fährt in solchen Gassen vorsichtig. Die sind genauso wie die Fahrer von Krankentransporten dafür ausgebildet, die fahren sogar über Bürgersteige.« Fleck wollte die Argumentation der Verwaltung nicht gelten lassen. »Wir werden von den Leuten auf der Straße darauf angesprochen. Die verstehen solche Entscheidungen nicht.«

Eine Aufpflasterung (sprich: der Einbau von Bodenschwellen) sei an dieser Stelle aufgrund des Gefälles nicht möglich, sagte Ordnungsamtsleiter Jürgen Schlerf. Mit der Verkehrsberuhigung habe man aus rechtlicher Sicht alles getan, was man tun könne. Bei der Montage von Verkehrsspiegeln folge man einem Erlass, nachdem die Städte und Gemeinden solche Spiegel »sparsam« einsetzen sollten. Hänge die Stadt einen Verkehrsspiegel auf, ziehe das im Falle eines Unfalls rechtliche Folgen nach sich. Ausschussvorsitzender Bernd Wagner (CDU) kündigte an, man werde den Antrag im Geschäftsgang halten und noch einmal in der Fraktion darüber beraten. »Wir bleiben dran.«

Info

Verkehrsberuhigter Bereich

Ein verkehrsberuhigter Bereich wird auch Spiel- oder Wohnstraße genannt. Kinder dürfen hier überall spielen, Fußgänger dürfen die Straße in ihrer ganzen Breite benutzen. Autos und alle anderen Verkehrsmittel müssen Schrittgeschwindigkeit fahren. Die Fahrzeugführer dürfen die Fußgänger weder gefährden noch behindern; wenn nötig müssen sie warten. Das gilt aber auch umgekehrt: Fußgänger dürfen den Fahrverkehr nicht unnötig behindern. In Wikipedia heißt es: »Umstritten sind kostengünstige ›Sperren‹ wie Bremsschwellen, Rampensteine und Beton-Pflanzkübel. Sie beeinträchtigen das optische Gesamtbild und können für Radfahrer, ältere und behinderte Menschen gefährlich werden und Rettungsfahrzeuge behindern.« Durchgangs- und Lkw-Verkehr sind im verkehrsberuhigten Bereich nicht grundsätzlich verboten, Spielstraßen sind keine Anliegerstraßen. (jw)

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