06. November 2019, 14:00 Uhr

Sankt Martin

Kein Lichterfest: In Oppershofen bleibt der 11. November »Martinstag«

Nancy Parlow, Leiterin der Kita St. Laurentius, steht hinter dem kirchlichen Feiertag. Warum Sankt Martin für Kinder noch immer eine Symbolfigur sein kann.
06. November 2019, 14:00 Uhr

Weckgänse, Punsch, ein Feuer, Laternen und ein Umzug. Zu Ehren des dritten Bischofs von Tours, besser bekannt als der heilige Martin, werden jedes Jahr zum 11. November Martinsumzüge veranstaltet. Vor allem bekannt: Martins Begegnung mit einem frierenden Bettler am Tor der französischen Stadt Amiens. Dort hat der Bischof seinen eigenen Mantel in zwei Hälften geteilt, um dem Obdachlosen eine davon zu geben. Soziales Engagement würde man das heute nennen. Eigentlich hätte Martin alles, was ihn zu einer Symbolfigur politischer Korrektheit machen könnte. Doch gerade diese ist seit einigen Jahren Streitpunkt beim Thema Martinsfest.

Immer mehr Lichterfeste oder »Sonne, Mond, Sterne«-Feste scheinen den Heiligen zu verdrängen. Aus Respekt vor nicht christlichen Familien und damit diese besser in die Feierlichkeiten integriert werden können. Nancy Parlow, Leiterin der Kindertagesstätte in Oppershofen, sieht das entspannt. »Bei uns gibt es kein Lichterfest. Wir behalten unsere Werte bei«, sagt sie. Immerhin sei St. Laurentius eine katholische Kita. Obwohl es unter den gut 60 Kindern auch viele muslimische gäbe, bleibe der 11. November der Martinstag und der Laternenzug am Abend der Martinszug. »Das heißt aber nicht, dass wir die anderen Kinder ausschließen«, sagt Parlow. Die Eltern wüssten Bescheid, beschwert hätte sich noch keiner. »Die meisten muslimischen Eltern kennen die Geschichte und finden sie gut. Sollten trotzdem Fragen sein, klären wir gerne auf.«

Die Mehrheit der Deutschen hat kein Problem damit, dass das Fest immer noch Sankt-Martins-Fest heißt. Laut einer Umfrage des Markt- und Sozialforschungsinstituts Insa von 2017 ist nur jeder elfte Befragte dafür, dass das Fest in Lichterfest umbenannt wird. Zwei Drittel ist gegen eine Umbenennung.

St. Laurentius besinnt sich darum auf das, was eigentlich an diesem Tag zählt: das Teilen. Martin war ein Vorbild, da spiele es eigentlich keine Rolle, welcher Religion man angehöre. »Es geht darum, wie wichtig teilen ist. Das erklären wir den Kindern. Und dass man aufeinander achten muss im Leben«, sagt Parlow. Seit zwei Wochen laufen die Vorbereitungen zum Martinstag. Im Stuhlkreis werden passende Lieder geübt, entsprechende Bilderbücher vermitteln das Thema kindgerecht. Der hilfsbereite und schwertschwingende Martin würde dabei viel Eindruck bei den Kleinen hinterlassen.

Am wichtigsten seien in diesen Tagen die Laternen. In Oppertshofen werden die, abgetrennt durch einen Vorhang, im Frühstücksraum gebastelt. In der Laternenwerkstatt, wie die provisorische Station liebevoll genannt wird, liegen auf kleinen Tischen Scheren, Klebestifte und viel buntes Papier. Wie auf einer Wäscheleinen hängen fertige Laternen an einer Schnur darüber. »In diesem Jahr sind Drachen beliebt«, sagt Parlow und schmunzelt. Ein Junge habe damit angefangen, dann wollten es alle. Auch André und Lian. Die beiden Jungen sitzen konzentriert auf Stühlchen. Vorsichtig schneiden sie schwarze Flügel aus - vorgezeichnet von Kindererzieherin Martina Pfitzmayer. Immer nur zwei Kinder kommen zum Basteln, sonst sei es vorbei mit der Konzentration. »Es ist schön, sich so intensiv mit den Kindern beschäftigen zu können«, sagt Pfitzmayer. Die Kinder sein dann anders. Ruhiger und aufmerksamer. Das Laternenbasteln macht ihr Spaß - auch wenn es einiges an Geduld erfordere.

In den fertigen Laternen hängen vorerst Lichterketten. »Jetzt, wo es dunkler wird, machen wir es uns damit gemütlich«, sagt Parlow. Auch die Besinnlichkeit sei ein wichtiger Aspekt des Festes. Aber eben nicht nur. In der Kita St. Laurentius ist der 11. November mehr als ein Lichterfest. Es geht um die Vermittlung einer Tugend. Auch wenn die Kinder manchmal Schwierigkeiten haben, die Geschichte des Heiligen genau wiederzugeben. Eines haben sie verstanden: Martin hat jemandem geholfen. Einem Armen, der es nötig hatte. Teilen ist gut - am Ende geht es den Erzieherinnen genau darum.

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