16. Oktober 2017, 10:00 Uhr

Teure Wohnungen

Kaum Leerstand in Bad Nauheim - wie wirkt sich das auf die Preise aus?

Wohnungen in Bad Nauheim werden veräußert, ehe die Baugrube für das Mehrfamilienhaus ausgehoben ist. Doch wie wirkt sich das auf Kaufpreise und Mieten aus?
16. Oktober 2017, 10:00 Uhr
In Bad Nauheim werden ständig neue Wohnungen gebaut, trotzdem hinkt das Angebot der Nachfrage hinterher. Unser Bild zeigt das Dexturis-Projekt in der Dieselstraße. (Foto: bk)

Aktuellen Angaben des Regionalverbands zufolge stehen in der Kurstadt nur 0,8 Prozent aller Wohnungen leer. Aus Sicht von Bürgermeister Klaus Kreß eine erfreuliche Entwicklung, doch wie wirkt sich das auf Kaufpreise und Mieten aus?

Investoren suchen in der Kernstadt händeringend nach unbebauten Grundstücken oder denkmalgeschützten Villen, um weitere hochwertige Eigentumswohnungen anbieten zu können. Fündig werden sie kaum noch. Der von der anhaltenden Niedrigzinsphase angefeuerte Bauboom lässt das Herz der Immobilienbranche höher schlagen – auch im Speckgürtel der Metropole Frankfurt, zu dem Bad Nauheim gehört. Entsprechend ist in der Kurstadt, die eine hohe Lebensqualität zu bieten hat, kaum noch freier Wohnraum zu finden. Wie aus dem Leerstandskataster des Regionalverbands Frankfurt/Rhein-Main hervorgeht, wurden in Bad Nauheim 2015 gerade mal 125 von 15 464 Wohnungen nicht genutzt. Das entspricht einer Leerstandsquote von 0,8 Prozent. Zum Vergleich: 2011 waren 490 Wohnungen verwaist (3,4 Prozent).

 

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Bad Nauheims Bürgermeister Klaus Kreß. (Foto. pm)


 

Bürgermeister Klaus Kreß ist mit diesem Ergebnis sehr zufrieden. Eine größere Zahl von leeren Wohnungen hält er für problematisch. »Schnell können sich soziale Brennpunkte entwickeln, Viertel ungepflegt und verlassen wirken«, sagt der neue Rathauschef. Die Entwicklung der Leerstandsquote spreche für die Kurstadt, die attraktiver denn je sei. Nach Angaben von Jürgen Patscha, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, beträgt die Quote heute vermutlich bereits weniger als 0,8 Prozent, denn seit 2015 sei der Wohnungsbestand weiter gewachsen. Besonders gefragt ist die Kernstadt, wo nur 0,3 Prozent der Wohnungen ungenutzt sind. Die höchste Leerstandsquote existiert in Nieder-Mörlen (1,6 Prozent). »Auch in den Stadtteilen gibt es keine Gebiete mit signifikant hohen Ansammlungen von leeren Wohneinheiten«, erklärt Kreß.

Aus Sicht der Politik, von Vermietern und Bauträgern ist die Entwicklung also erfreulich. Wohnungssuchende Durchschnittsverdiener werden diese Einschätzung nicht unbedingt teilen, weil die Nachfrage nun mal die Preise bestimmt. Hochwertige Eigentumswohnungen in der Kernstadt – neu gebaut oder grundsaniert – sind kaum noch unter einem Quadratmeterpreis von 4000 Euro zu haben, etliche liegen deutlich darüber.

 

Ungebrochener Bauboom

 

Die Durchschnittsmiete in sanierten Wohnungen wurde von Reimund Bell, Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbau-Gesellschaft (Wobau), im Frühjahr auf 8,50 bis 9 Euro pro Quadratmeter beziffert. Viele Vermieter rufen inzwischen aber Preise von weit über 10 Euro auf. Ein Ende der Fahnenstange scheint nicht in Sicht zu sein.

Auf die enorme Nachfrage reagieren die Wobau und private Investoren mit immer neuen Projekten. In den kommenden zwei, drei Jahren werden allein im Neubaugebiet Bad Nauheim Süd und in der Dieselstraße fast 500 neue Wohneinheiten entstehen. So investiert die Wobau auf dem ehemaligen Gelände des Vergölst-Servicecenters (Dieselstraße) 14 Millionen Euro, um 55 Mietwohnungen zu errichten. Gleich nebenan zieht die Firma Dexturis derzeit sieben Mehrfamilienhäuser mit 41 Eigentumswohnungen hoch.

In Bad Nauheim Süd wird die Wobau ebenfalls mit von der Partie sein, kauft zwei Grundstücke für mehrgeschossigen Mietwohnungsbau. Allerdings dürften die Mieten in diesen Neubauten die 10-Euro-Marke fast erreichen. »Bei den derzeitigen Baukosten könnte die Wobau nur günstiger vermieten, wenn auf gewisse Standards wie Tiefgarage und Barrierefreiheit verzichtet wird. Das wollen wir nicht«, sagt Bürgermeister Kreß. Vonseiten der Stadt sei es auch nicht möglich, die Grundstücke günstiger an die Wobau abzugeben. Eine solche Subventionierung sei aus Wettbewerbsgründen verboten.

Info

Drei Fragen an Bürgermeister Klaus Kreß

Bad Nauheim wächst und wächst. Bei welcher Einwohnerzahl ist für Sie die Schmerzgrenze erreicht?

Klaus Kreß: Wachstum ist etwas Positives. Wachstum muss sich jedoch maßvoll vollziehen. Die Infrastruktur, insbesondere die soziale Infrastruktur, muss stets in gleichem Maße mitwachsen. Bad Nauheim ist bereits die schönste Stadt im Wetteraukreis, sie könnte auch die größte werden.

Aufgrund der riesigen Nachfrage steigen die Mieten und Preise für Eigentumswohnungen in der Kernstadt immer weiter. Eine gesunde Entwicklung?

Kreß: Wir liegen verkehrsgünstig in der Rhein-Main-Metropolregion, bieten eine hohe Wohn- und Lebensqualität. Im Vergleich mit ähnlich attraktiven Städten in unserer Region sind die Preise noch vertretbar.

Wohnraum für Durchschnittsverdiener zu schaffen, ist kaum noch möglich. Was kann die Politik tun, um dieser Entwicklung zu begegnen?

Kreß: Wir müssen eigene Grundstücke zu moderaten Preisen verkaufen. Dies tun wir auch. Problematisch hinsichtlich der Preisgestaltung sind private Investoren. Im neuen Baugebiet Bad Nauheim Süd wollen wir mit unserer Wohnungsbaugesellschaft unter Nutzung entsprechender Förderprogramme auf zwei Grundstücken bezahlbare Mietwohnungen realisieren. (bk)

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