23. Oktober 2019, 18:32 Uhr

Kaicher Kerb in Assenheim

23. Oktober 2019, 18:32 Uhr

Seit ein paar Tagen ist im Eingangsbereich des Assenheimer Bürgerhauses ein besonderes Kleinod zu bewundern. Heimat- und Familienforscher Heinz Fink aus Kaichen hat hier ein Diorama seines Heimatortes aufgebaut, das die vordere Brunnenstraße mit der »Weed« und dem »Alten Schulhaus« (Amtshaus) in etwa der Mitte des 20. Jahrhunderts zeigt. Als besonderes Schmankerl ist eine Nachbildung des historischen Etagenkarussells zu sehen, das bis in die 70er-Jahre alljährlich die Attraktion der Kaicher Kerb war.

Angetrieben von dem Gedanken, in der Bevölkerung die Einsicht in die Notwendigkeit der Restaurierung und Wiederherstellung des Amtshauses zu befördern, hatte sich Fink 2014 ans Werk gemacht, das alte Schulhaus detailgetreu nachzubilden. Weiter entstanden neben noch vorhandenen Gebäuden die »Weed« in ihrer ursprünglichen Form als Wagenschwemme und Dorfbrunnen sowie die 1948 abgerissene Schmiede mit Wohnhaus. Die Häuser im Maßstab 1:50 sind teilweise mit Beleuchtung ausgestattet, die bei einbrechender Dunkelheit im halbstündigen Rhythmus ein- und ausgeschaltet wird.

Unterstützt wurde Fink durch Bernd Reichert und den Dorfentwicklungsverein. Die »Bauarbeiten« dauerten etwa ein Jahr. Man habe nach der Fertigstellung festgestellt, dass das Schulhaus-Modell alleine keine Wirkung zeige. »Was in der Realität bislang kaum aufgefallen war, trat nun am Modell überdeutlich zutage: Die vordere Brunnenstraße in Kaichen, die ›Borngass‹, ist in Aufbau und Struktur ein untrennbares Ensemble und ein einziges, zusammengehöriges Denkmal«, sagt Fink. Dieses Ergebnis hätten auch die Forschungen in Bezug auf die Geschichte der Gebäude ergeben. Seit der Zeit des Übergangs vom 17. auf das 18. Jahrhundert hatten - ohne Ausnahme - alle diese Häuser laut Fink hoheitliche Funktionen im Freigericht. Sie seien für ein intaktes Gemeinwesen und wirtschaftlichen Wohlstand unabdingbar gewesen. Daher sei es nur folgerichtig gewesen, die den Dorfplatz umgebenden Häuser und Hofreiten ebenfalls im Modell darzustellen. »Damals wie heute ist nicht nur in der Wirklichkeit der Baugrund rar, sondern auch im Modell. Deshalb sind die betreffenden Grundstücke nicht in ihrer kompletten Ausdehnung ausgeführt, sondern nur auf der der Straße zugewandten Seite detailgetreu nachgebaut«, erklärt der Heimatforscher. Er habe überwiegend Materialien verwendet, wie sie auch im Maßstab 1:1 zur Anwendung gekommen seien.

Das Ensemble bildet nun die Zeit zu Beginn der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts ab. In diesen Jahren bis etwa Anfang der 70er war in Kaichen die Kerb noch das größte Fest des Jahres, und das Wahrzeichen der »Kaascher Kerb« war das Etagenkarussell der Firma Schwarz aus Nieder-Gründau, das Jahr für Jahr, nicht nur von den Kindern, sehnlichst erwartet worden war. Fink: »Deshalb hat es nun auch einen würdigen Platz auf dem Brunnenstraßen-Diorama gefunden.«

Seine Erkenntnisse hat Fink auch in dem Bildband »Kaichener Geschichte(n) - Das Dorf, die Häuser und die Menschen« niedergeschrieben. Das »Buch zum Modell« kann beim Autor per E-Mail unter heinz.fink.private@t-online.de bestellt werden. Die Anlage wird noch bis nach Weihnachten im Bürgerhaus zu sehen sein.

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