23. März 2017, 20:22 Uhr

Kaichen in Wort und Bild

23. März 2017, 20:22 Uhr
Kaichen sei wegen seines Wasserreichtums ein idealer Ort zum Rasten gewesen. Auf dem zentralen Platz »Weed« (oben) hätten Tiere ihren Durst stillen können. (udo)

Der Heimatforscher Heinz Fink sprach im Bürgerhaus über die Geschichte Kaichens. Dabei konnten die Modelle der Häuser an der »Weed«, die von ihm erstellt wurden, betrachtet werden. Dank des Themas, das auch zahlreiche auswärtige Gäste anzog, war der Saal voll.

Die erste urkundliche Erwähnung der Ansiedlung werde auf das Jahr 1231 datiert, als »Anselmus de Cochene« Besitzungen in der Gemarkung dem Kloster Lorsch geschenkt habe. Der Ort sei als Siedlungsraum wesentlich älter, was die Anwesenheit von Resten einer römischen »Villa Rustica« bezeugten, aus denen der Römerbrunnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts rekonstruiert worden sei.

Es sei von über zwei Jahrtausenden Siedlungsgeschichte auszugehen. Die Namen »Galgenfeld«, »Galgengrund«, »Richtbock«, »Klingen«, »Hohes Rad« und »Diebseiche« nähmen auf Kaichen als Gerichtsort Bezug. Auf dem Freigericht seien nach der »Peinlichen Halsordnung« die schweren Delikte verhandelt und geahndet worden. Die Art der Hinrichtung sei vom Verbrechen und Stand des Delinquenten abhängig gewesen.

Das Freie Gericht zu Kaichen, urkundlich 1293 zuerst erwähnt, sei nicht nur ein Strafgericht, sondern auch eine Verwaltungseinrichtung und bis Mitte des 15. Jahrhunderts ein reichsfreies Gebiet gewesen. Es hätten sich die in 18 umliegenden Dörfern begüterten Grundherren, Ritter und Kleinadligen in diesem Kleinstaat zusammengefunden. Chef der Verwaltung war der Obergreve.

Friedrich III., deutscher König und Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, habe der kaiserlichen Burg Friedberg die Schutzrechte über das Kaicher Gericht übertragen. Die Unmittelbarkeit sei damit vorbei gewesen, denn zwischen dem Obergreven und dem Kaiser habe nun der Friedberger Burggraf gestanden. Es habe Leibeigenschaft geherrscht, die eine individuelle Entscheidungsfreiheit einschränkte. Leibeigene seien keine Gefangenen gewesen, sie seien nicht mit körperlicher Gewalt zur unentgeltlichen Arbeit gezwungen worden.

Fink widmete sich dem Bau des Brunnenstraßen-Dioramas und der Funktion und Bestimmung, welche die Häuser und Hofreiten rund um die »Weed« zu erfüllen hatten. Die heutige Freigericht-Straße sei Teil einer Handelsstraße gewesen. Spätestens seit der Zeit Karls des Großen und der Christianisierung der östlichen Provinzen des Frankenreichs, vermutlich aber schon zu Zeiten der Römer, sei dieser Pfad genutzt worden.

Mit Wasser gesegnet

Kaichen sei aufgrund seiner geologischen Bedingungen, vor allem aber wegen seines Wasserreichtums ein geeigneter Rastort gewesen. Das Wasserloch, die »Weed«, deren namentliche Bedeutung »Schwemme« sei, habe für die durstigen Tiere und die ausgetrockneten Holzwagen mehrere Bedürfnisse befriedigen können. Fink befasste sich mit der Schmiede, »Christophs Haus«, dem »Gemeinen Backhaus«, der Pferdewechselstation, dem »Burg-Friedbergischen Hof«, dem »Gasthaus zur Post«, dem »Kiefer-Haus« und dem Amtshaus.

Fink bedauerte, dass Kaichen zu einer »Feierabends- und Schlafgemeinde« verkomme, und betonte die Bedeutung der Vereine für den Ort. Er plädierte »für die Erhaltung unserer historischen Stätten, für die Verbesserung der Attraktivität des historischen Dorfkerns und die Belebung der dörflichen Gemeinschaft«. Zum Schluss konnte der Referent verkünden, dass am Vortag bei der Stadtverwaltung die amtliche Baugenehmigung für das Kultur- und Integrationszentrum Alte Schule (also Amtshaus) eintraf.

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