17. November 2017, 20:53 Uhr

Musik liegt in der Luft

Junges Sinfonieorchester Wetzlar beschließt Saison

Es ist schon gute Tradition, dass das Junge Sinfonieorchester Wetzlar das letzte Konzert der Sinfoniekonzertreihe bestreitet. Und anspruchsvoller hätte es kaum sein dürfen.
17. November 2017, 20:53 Uhr
Janina Ruh bestreitet Tschaikowskys Variationen über ein Rokoko-Thema in A-Dur als Solistin am Cello. (Foto: piz)

Wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt, liebt der Mensch es traditionell. Das gilt für Weihnachten und die Winterzeit ebenso, wie für die Kultur in Bad Nauheim. Denn traditionell wird das letzte Konzert der Sinfoniekonzertreihe einer jeden Saison vom Jungen Sinfonieorchester Wetzlar bestritten und nicht wie gewöhnlich von der Bad Nauheimer Kammerphilharmonie. Jedes Jahr präsentiert das ambitionierte Orchester aus Oberhessen dabei einen Ausschnitt aus seinem aktuellen und stets abwechslungsreichen Programm.

Mozart, Tschaikowsky und Rachmaninow sollten für das diesjährige Konzert im Jugendstiltheater für den Ablauf Pate stehen – eine Werkauswahl, die offensichtlich bereits als Ankündigung sehr gut ankommen sollte, schließlich war das Theater bestens besucht. Unter der Leitung von Oliver Blüthgen starteteten die Musiker mit der Ouvertüre der Mozart-Oper »Die Hochzeit des Figaro«, ein Standardwerk vieler Orchester. Was für ein Einstieg! Das Orchester legte sich mächtig ins Zeug, spielte exakt, beschwörte einen Klang herauf, der das Publikum begeisterte. Die Musik erfüllte das Jugendstiltheater sprichwörtlich mit Klassik, der lebendig-fröhliche Charakter des Werkes steckte an. Eine solide Basis für das Konzert, die Lust auf mehr bereitete.

Und so wurden vor der Pause noch Tschaikowskys Variationen über ein Rokoko-Thema A-Dur op. für Violoncello und Orchester nachgelegt. Ganz stimmt der Titel nicht, denn das angepriesene Rokoko-Thema stammt nicht etwa aus ebendieser Epoche, sondern aus der Feder des Komponisten selbst, angelehnt an die entsprechende Stilistik des Rokokos. Der Auftraggeber für diese Komposition, der deutsche Cellist Wilhelm Fitzenhagen, bearbeitete das Werk nicht unwesentlich. Interpretiert wurde es von Solistin Janina Ruh am Violoncello, einer vielfach ausgezeichneten jungen Musikerin, die neben ihrer Karriere als Cellistin auch Gesang studiert hat und somit gleich in zwei Sparten erfolgreich ist. Ihr Spiel harmonierte ausgezeichnet mit dem Orchester, gerade in den Höhen und den leisen piano-Teilen waren Intonation und Zusammenspiel herausragend.

Die zweite Hälfte des Konzerts konnte mit der Stärke der ersten leider nicht vollends mithalten. Präsentiert wurde Rachmaninows Symphonie Nr. 2 e-moll op. 27. Ein wenig schien der Durchblick zu fehlen, wie die Sinfonie genau klingen sollte.

Sehr anspruchsvoll

In der Tat ist es nicht ganz einfach, sich bezüglich der Klangfarben, bezüglich der kompositorischen Intentionen zurecht zu finden. Rachmaninow ist dafür bekannt, höchst anspruchsvolle Werke verfasst zu haben. Und so konnte leider nicht durchgängig erreicht werden, die Spannung und das Interesse am Werk aufrecht zu erhalten. Zu oft schien es offene Maschen im Klangteppich gegeben zu haben, die kontraproduktiv für einen vollends positiven Gesamteindruck waren.

Dennoch: Unterm Strich konnte das Konzert mit dem Jungen Sinfonieorchester Wetzlar punkten, das Auditorium war höchst angetan und zeigte sich nach dem Konzert sehr zufrieden. Ein gelungener Abschluss, der Lust macht auf das Programm in 2018 – bis zum 4. März müssen sich die Sinfoniemusikfreunde allerdings noch gedulden.

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