24. Mai 2018, 19:22 Uhr

Junger Hüpfer trifft alte Hasen

24. Mai 2018, 19:22 Uhr
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Von Harald Schuchardt
Seit Tiana Young zwei Jahre alt ist, singt sie. Profisängerin in einer Big Band – das wäre ihr absoluter Traum, erzählt die Australierin. (Foto: lod)

Vor einigen Monaten lernte der Echzeller Schlagzeuger Udo Beilborn bei einem Auftritt mit einem Rock’n’Roll-Trio im Irish Pub in Oberursel Tiana Young kennen. Die Australierin kam im Rahmen eines »Working-Travelling«-Jahres Ende Dezember nach Deutschland, um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Dass es sie gleichzeitig noch auf die Bühne zog ist ein Glück – für die Sängerin und das Wetterauer Publikum.

Zunächst war Tiana Young zwei Monate in Heidelberg, bevor sie zu Freunden nach Oberursel zog. Hin und wieder hilft sie ihrer Freundin bei Veranstaltungen im Irish Pub, so auch an diesem Abend. Im Gespräch erfuhr Beilborn, dass Young nach ihrem Abschluss an der Gosford High School am Konservatorium in Sidney Jazzgesang studiert.

Für ihren Deutschland-Trip hat sie das Studium für ein Jahr unterbrochen. Beilborn war von der jungen Australierin begeistert und seitdem tritt die 19–Jährige immer wieder einmal mit verschiedenen Wetterauer Bands auf. So mit der Marvin Dorfler Big Band beim ersten Feierabendtreff auf dem Friedberger Elvis-Presley-Platz am Vorabend des Himmelfahrtstages, dort allerdings nur als Background-Sängerin.

Sie schreibt eigene Songs

Was sie stimmlich drauf hat, zeigte sie am Pfingstmontag. Da spielte Beilborn mit der Band »Rusty Shoulders« in der Steinmühle und einmal mehr war die Australierin dabei, wie schon am Vormittag des gleichen Tages beim Auftritt der Bogart Houseband beim Fest des NABU in Selters.

Ohne jemals mit der Band geprobt zu haben, sang sie bei zahlreichen Bluesklassikern mit. Was sie in ihrem jungen Alter schon drauf hat, zeigte sie beim Klassiker »Mustang Sally«. Impulsiv und intensiv sang sie das Stück, hatte keine Probleme beim Zusammenspiel mit den »alten Hasen«, dem Gitarristen und Sänger Rainer »Doc« Hettinger, Robby Hildmann am E-Piano und Bassist Mathias Henne sowie »Gastgitarrist« Martin Schnur.

»Sie hat eine Stimme wie ein Peitschenhieb«, meinte ein Kenner der Wetterauer Musikszene. Zusammen mit Hettinger sang Young später den Bluesstandard »Sweet Home Chicago«, das die Shoulders sehr schnell spielen. Das ungewohnte furiose Tempo nahm die junge Australierin an, um gegen Ende des Lieds voll einzusteigen.

»Es macht mir einfach Spaß zu singen, das mache ich schon seitdem ich zwei Jahre alt bin«, erzählt Young, die auch Klavier und Gitarre spielt. »Ein bisschen nur«, ergänzt sie auf Deutsch und verrät, dass sie bereits einige eigene Songs geschrieben hat.

Ihr Traum ist es einmal, Frontsängerin in einer Big Band zu sein, doch sie ist auch offen für andere Musikrichtungen. »Ich will auf jeden Fall Profisängerin werden«, sagt sie und ergänzt: »Das ist mein Traum und meine Profession«.

Nicht nur Young hat der Auftritt mit den »Rusty Shoulders« in der proppenvollen Steinmühle Spaß gemacht. »Es war wohl ein einmaliger Auftritt mit ihr und der war toll. Sie hat großes Talent«, meint Robby Hildmann, der Spezialist für fetzigen Boogie Woogie ist, während Doc Hettinger den Blues von Blueslegenden wie J. J. Cale oder Johnny Winter mit rauchiger Stimme singt, exzellent begleitet von seinen Mitstreitern. Tiana Young wird noch vor dem Winter zurück nach Australien fliegen. »Da ist dann Sommer und hier ist es dann sehr kalt«, meint sie und lacht los.



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