24. Oktober 2018, 19:18 Uhr

Jugendstil und Industriearchitektur

24. Oktober 2018, 19:18 Uhr
Die Mitglieder des Jugendstilvereins haben viel gesehen. (Foto: pv)

Auf die Spur der Industriearchitektur um die Wende des vorigen Jahrhunderts begaben sich Mitglieder des Jugendstilvereins und fuhren nach Nierstein. Hier wartete schon Barbara Reif, die nicht nur Mitglied des Vereins ist, sondern auch Diplom-Pädagogin, Weinküferin und Kultur- und Weinbotschafterin von Rheinhessen. In ihrer Begleitung wurde das Wasserpumpwerk Guntersblum besichtigt, fertiggestellt um 1907.

Großherzog Ernst-Ludwig war von Darmstadt aus der Motor und Mentor für eine vom Jugendstil geprägte Architektur, die das Nützliche mit Qualität und Ästhetik verbinden sollte. Und tatsächlich zeigt sich die heute noch in Betrieb befindliche Maschinenhalle mit den geschwungenen und nach oben gezogenen Fenstern und den grünen Kacheln mit Jugendstilornamenten hell und großzügig, so wie man sich heute manchen Arbeitsplatz wünschen würde. Es war eine enorme Leistung der Bauarbeiter und Ingenieure, in nur fünf Jahren dieses Wasserpumpwerk zu errichten.

Der Gang mit Barbara Reif durch Nierstein führte dann vorbei an den Arbeiterhäusern, funktional und kostengünstig erbaut in Anlehnung an den Jugendstil. Sie wurden zum Teil durch spätere Bewohner umgebaut, während man heute daran geht, sie wieder zurückzusetzen in den alten Stand. Jugendstil findet sich in Nierstein an öffentlichen Gebäuden wie Schulen und in Wirtschaftsbauten.

Ein gutes Beispiel dafür ist das Kelterhaus des Weinguts Geschwister Schuch. Erbaut 1907 von einem Architekten, der sich einen Namen durch Kirchenarchitektur im Jugendstil gemacht hatte, zeigt sich die Halle ästhetisch und stimmungsvoll mit ihren hohen Fenstern und der Decke, ausgeschmückt mit Jugendstilmotiven. Sie erinnert durchaus an eine Kapelle, womit sich auch ihr Name als »Weinkapelle« erklärt.

Schnellkurs im Weinanbau

Im alten Kellergewölbe lagert der Wein in Eichenholzfässern. Er kommt zum Teil als Riesling vom Roten Hang und hierhin führte Barbara Reif die Gruppe, vorbei an dem ältesten bekannten Weinberg Deutschlands »Die Glöck«. Dies belegt eine Schenkungsurkunde aus dem Jahr 742. Auf dem Weg bergan winkte der Rote Hang. Das Rot des Weinbergs rührt von seiner weltweit einzigartigen Bodenformation aus Ton-Sandstein her, und aus den hier angebauten Rebstöcken werden Weltklasse-Weine gewonnen. Hoch über dem Rhein gab Barbara Reif den Zuhörer einen Schnellkurs in Weinanbau und Rebstock-Pflege, unterbrochen von den Schreien eines Raubvogels. Nein, man könne ihn nicht sehen, die Laute kämen vom Tonband, um den Star von den Rebstöcken fernzuhalten. Die Errungenschaften des Jahrhunderts hatte die Gruppe eingeholt.

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