25. Januar 2018, 08:00 Uhr

Ernst-Ludwig-Ring

Jetzt wird richtig gebaut: Am Ernst-Ludwig-Ring hat die Flickschusterei ein Ende

Über Jahre wurden nur Löcher gestopft. Nun lässt die Stadt Bad Nauheim am Ernst-Ludwig-Ring endlich richtig sanieren und gestalten. Es bedurfte wieder eines Anstoßes von außen.
25. Januar 2018, 08:00 Uhr
Fahren auf einem Flickenteppich gehört bald der Vergangenheit an. Ab Ende April wird der östliche Teil des Ernst-Ludwig-Rings saniert und neu gestaltet. (Fotos: Nici Merz)

Seit etlichen Jahren wird im Ernst-Ludwig-Ring nur Flickschusterei betrieben. Ständig wurden Löcher im Asphalt gestopft, selbst ein Kanalausbau vor der Trinkkuranlage im Frühjahr 2016 nahm das Rathaus nicht zum Anlass, endlich zur Grundsanierung zu schreiten. Vor acht Jahren, als der Haushaltansatz für diese wichtige innerstädtische Verbindungsstraße erstmals auftauchte, wurde das Projekt verschoben, weil der Etat tiefrote Zahlen aufwies.

Später verstrickte sich die Politik in einen Dauerstreit mit der Kommunalaufsicht um die ungeliebte Einführung von Straßenbeiträgen. Vor allem Ex-Bürgermeister Armin Häuser wehrte sich mit allen Mitteln dagegen, eine solche Satzung einzuführen. Juristisch zog er den Kürzeren gegen den Landrat. Die Folge: Die Stadt verzichtete ganz auf Instandsetzungen, um die Anwohner nicht zur Kasse bitten zu müssen.

 

Gefahr: Zuschuss geht verloren

Diese Stillhaltetaktik stößt jetzt endgültig an ihre Grenzen. »Wenn wir den Landeszuschuss von 530 000 Euro nicht verlieren wollen, müssen wir 2018 bauen«, sagt Rathauschef Klaus Kreß. Bei einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 1,6 Millionen Euro für den Abschnitt des Ernst-Ludwig-Rings zwischen Karl- und Zanderstraße machen die Fördermittel also ein Drittel aus.

Laut Kreß ist die Planung derzeit in Arbeit. Im Februar soll der Magistrat einen Beschluss fassen, dann können die Aufträge ausgeschrieben werden. Im März wird der Bürgermeister die Anlieger zu einer Versammlung einladen, Ende April soll mit den Bauarbeiten, die eine Vollsperrung notwendig machen, begonnen werden. Die Bürgerinformation dient vor allem dazu, den Betroffenen die Angst vor fünfstelligen Straßenbeiträgen zu nehmen.

Nach Angaben von Jürgen Patscha, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, wird der etwa 350 Meter lange östliche Abschnitt des Ernst-Ludwig-Rings nicht nur saniert, sondern auch neu gestaltet. »Bei der Materialauswahl lehnen wir uns an die Hauptstraße an«, sagt Patscha. Die Stadtwerke legen neue Kanalrohre und Hausanschlüsse sowie Glasfaserkabel für schnelles Internet.

 

Barrierefreiheit und mehr Parkplätze

Die Stadt lässt die Straßendecke und Bürgersteige neu aufbauen, wobei sich an der Fahrbahnbreite von 6,50 Meter nichts ändert. Eine solche Breite ist nicht zuletzt notwendig, weil über diese Straße viel Busverkehr rollt. »Bei den Gehwegen und Übergängen wird großen Wert auf Barrierefreiheit gelegt, für Rollstuhlfahrer und Sehbehinderte«, erläutert der Fachbereichsleiter. Stichworte sind abgesenkte Bürgersteige und Blindenleitstreifen.

Die beiden Bushaltestellen erhalten 18 Zentimeter hohe Spezialbordsteine, um Fahrgästen mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen das Einsteigen zu erleichtern. Damit das Radeln sicherer wird, sollen vorgezogene Fahrradstreifen eingezeichnet werden. Erfreulich für motorisierter Verkehrsteilnehmer: Die Zahl der Stellplätze wird durch optimale Ausnutzung des vorhandenen Raums um 9 auf 36 steigen.

 

Alle Bäume gefällt

Vor wenigen Tagen wurden alle Bäume gefällt, die dem Projekt im Wege stehen. Das hat zu kritischen Bemerkungen einiger Bürger geführt. Die Stadt muss solche Arbeiten allerdings erledigen, bevor die Brutzeit beginnt. Nach den Bauarbeiten – der Abschluss ist laut Patscha noch für dieses Jahr vorgesehen – werden 18 neue Feldahorn-Bäume gepflanzt.

Der Rand der Grünanlage am Karlsbrunnen gegenüber der Post wird künftig anders aussehen. »Dort wird die Bepflanzung aufgelockert. Von der Straße aus sollen Passanten in die kleine Grünanlage blicken können, was die soziale Kontrolle verbessert«, erklärt der Fachbereichsleiter.

 

Infokasten

Von einmalig zu wiederkehrend

Zurzeit gilt in Bad Nauheim eine Satzung mit einmaligen Straßenbeiträgen. Als der hessische Innenminister die Stadt 2015 gezwungen hatte, eine Satzung zu beschließen, hatte sich die Mehrheit für diese Variante entschieden, um dem riesigen Verwaltungsaufwand für wiederkehrende Beiträge aus dem Weg zu gehen. Würde sich daran nichts ändern, müssten laut Bürgermeister Klaus Kreß manche Bewohner des Ernst-Ludwig-Rings Rechnungen von bis zu 30 000 Euro zahlen. Deshalb hat er mit der Kommunalaufsicht eine Vereinbarung getroffen. Im Februar soll das Parlament einen Verpflichtungsbeschluss zur Einführung wiederkehrender Beiträge fassen – die Umsetzung wird allerdings Monate dauern. Dann müssen die Bewohner von genau definierten Stadtvierteln Jahr für Jahr einen dreistelligen Obolus an die Stadt entrichten. Folgen die Stadtverordneten diesem Vorschlag, könnte der Ernst-Ludwig-Ring saniert werden, ohne einmalige Beiträge verlangen zu müssen. (bk)

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