03. Oktober 2017, 19:15 Uhr

Jazzklub wird aufgelöst: Abschied mit Stolz

03. Oktober 2017, 19:15 Uhr
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Von Oliver Potengowski
Sie hoffen, dass der Jazz in Ortenberg auch nach der Auflösung des Vereins weiterlebt (v. l.): Uli Heck, Manfred Meuser und Dirk Raufeisen. (Foto: sax)

In einer außerordentlichen Hauptversammlung haben die Mitglieder den Schlussakkord des Jazzklubs Ortenberg eingeleitet: Zum Jahresende wird der Klub sich auflösen. Der Abschied werde aber weder lautlos noch das Ende des Jazz in Ortenberg sein, betonte Vorsitzender Dirk Raufeisen. Auch nach der Auflösung werde er den traditionellen Jazz in der Stadt durch Konzerte lebendig halten.

Von den 103 Mitgliedern nahmen 19, darunter Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring, an der Hauptversammlung teil. »Der harte Kern der Mitglieder sind alle, die heute hier anwesend sind«, erklärte Raufeisen. Aus der Versammlung gab es nur drei Gegenstimmen und zwei Enthaltung gegen die Auflösung. Damit wurde die erforderliche Zweidrittelmehrheit erreicht.

Raufeisen erläuterte, dass nach dem Ende des Geschäftsjahrs die Liquidation des Vereins durch den geschäftsführenden Vorstand erfolge. Ein dann noch vorhandenes Restvermögen fließe an die Stadt »zur Verwendung für die Förderung junger Musiker und die Jugend im Allgemeinen«, wie es die Satzung bestimmt. Dokumente aus der Vereinsgeschichte würden dem Stadtarchiv übergeben. Bürgermeisterin Pfeiffer-Pantring schlug vor, zusammen mit anderen Veranstaltern weiterhin Jazz auch als Open-Air-Konzerte zu organisieren. Raufeisen erklärte, dass er wegen solcher Ideen bereits Gespräche geführt habe. »Der Beschlussvorschlag soll nicht ausdrücken, dass Jazz in Ortenberg ausstirbt. Ich sehe diesen Abend als Beginn einer neuen Konzeption, in die ich mich auch einbringen werde.«

Der Pianist aus »Casablanca«

Genau 29 Jahre nach dem ersten Konzert wird der Verein am 9. Dezember mit drei Bands einen Schlussakkord geben. Da der Verein damit rechnet, dass danach noch Vereinsvermögen verbleibt, strebt er ein zweites und dann endgültig letztes Abschlusskonzert im Frühjahr an.

Der Ehrenvorsitzende Uli Heck erinnerte an die großen Konzerte, die der Jazzklub in Ortenberg in den letzten drei Jahrzehnten organisiert hatte. Immer wieder sei es ihm gelungen, die Größen des Jazz in die Kleinstadt zu holen. Dazu habe neben Musikern, die mit Count Basie und Duke Ellington gespielt hatten, auch Teddy Wilson gehört. Der Name sagt dem Laien wenig, obwohl sehr viele ihn schon gesehen haben: Wilson spielte den Pianist Sam in Rick’s American Café in dem Humphrey-Bogart-Film »Casablanca«.



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