20. Juli 2017, 20:10 Uhr

»Jazz ist eine Lebenseinstellung«

20. Juli 2017, 20:10 Uhr
Das Trommeln hat Udo Beilborn im Musikverein Echzell gelernt. (Foto: lod)

Alle vier bis sechs Wochen wird die Hessenstube in Bauernheim zum Mekka der Fans des klassischen Jazz. Dann spielen die »New Orleans Joymakers« aus Frankfurt die Musik, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts in New Orleans entstanden ist und noch heute viele Fans hat.

Am Schlagzeug in der sechsköpfigen Band sitzt der Echzeller Udo Beilborn. Seit seiner Kindheit ist er Fan des meist fröhlichen Jazz. »Ich habe mit 12 oder 13 die Glenn-Miller- Story gesehen. Seitdem liebe ich Swing und vor allem Jazz«, erzählt der 50-Jährige, der bei der Stadt Frankfurt arbeitet.

Das Trommeln hat er im Musikverein Echzell gelernt. Noch als Jugendlicher spielte er in lokalen Tanzkapellen. Im »Trompetche«, dem kleinen Friedberger Kellerlokal, das Domizil der Jazzfans in den 80er Jahren, traf er auf Banjospieler Markus Dönges, der ihn in die Wetterauer Jazzszene einführte. Mit 18 Jahren spielte er in einer Jazzband. Weitere sollten folgen. Dabei lernte er viele Jazzer kennen, so auch den Frankfurter Posaunist Rudi Möbus und dessen Sohn Harald, der mit seinem Vater in der 2005 gegründeten Band »New Orleans Joymakers« spielt.

»Die beiden haben mich 2010 gefragt, ob ich mitspielen will«, erzählt der Echzeller, der seitdem am Schlagzeug der Band sitzt. Mit dabei sind »alte Hasen« wie der Wiesbadener Roland Effgen am Bass, Helmut Haase aus Frankfurt am Banjo und der Engländer John Defferary, der zu den besten Klarinettisten Europas zählt. »John spielte schon mit Größen wie Chris Barber oder Champion Jack Dupree«, erzählt Beilborn, der sich ausführlich mit der Geschichte des Jazz beschäftigt.

»Wenn man so will, feiern wir in diesem Jahr inoffiziell den 100. Geburtstag des New Orleans Jazz«, sagt er. 1917 wurde von der Original Dixieland Jazzband die erste Platte, die unter der Bezeichnung Jazz firmiert, aufgenommen, weiß Beilborn, der bis zu 25 Auftritte mit den »New Orleans Joymakers« in ganz Hessen, aber auch darüber hinaus alljährlich absolviert. »Jazzer haben gern ein Stammlokal, wo sie regelmäßig spielen können«, erzählt Beilborn. Das war für die Band erst das Bürgerhaus in Frankfurt-Schwanheim. 2012 entdeckte er zufällig das »Melyssa« im Friedberger Bahnhof. »Das hatte den gleichen Charakter wie die legendäre Preservation Hall in New Orleans«, sagt der Schlagzeuger.

Nach der Schließung des Bahnhofsrestaurant wurden die Jazzer in Bauernheim fündig, und die Wetterauer, aber auch Frankfurter Jazzfans sorgen immer für ein volles Haus. »Hier in der Provinz haben wir mehr Zuhörer als in Frankfurt, da herrscht ein Überangebot«, meint Beilborn, der Jazz als bodenständige, ehrliche und tanzbare Musik beschreibt.

Spirituals, Rags, Blues, karibische Stücke, Märsche und sogar amerikanische Schlager gehören zum Repertoire der Band. Beilborn: »Jazz spiegelt eine Lebenseinstellung wider, und wir leben das auch«. Derzeit macht die Band eine Sommerpause. Der nächste Auftritt ist am 27. August bei der 1200-Jahr-Feier in Berstadt. Im September wird dann auch wieder in der Hessenstube gespielt.

Jazzfan Beilborn war bisher zweimal für je drei Wochen in New Orleans. »Da habe ich in vielen Clubs gespielt und war natürlich auch in der Preservation Hall, aber nur als Zuhörer. Ich saß direkt neben dem Schlagzeuger.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Chris Barber
  • Dixieland
  • Fans
  • Glenn Miller
  • Jack Dupree
  • Jazz
  • Jazz-Musiker
  • Jazzgruppen
  • Jazzszene
  • Klarinettisten
  • Musikgruppen und Bands
  • Musikvereine
  • Posaunisten
  • Stadt Frankfurt
  • Echzell
  • Harald Schuchardt
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos