Wetterau

Jan Cönig ist Hessenmeister

Leise plätschert das Wasser. Ein Tretboot fährt über den großen Teich im Kurpark Bad Nauheim. Darüber scheint eine wohltemperierte Junisonne. Es könnte sich um das Wunschidyll eines Sonntagsausfluges handeln, beförderten die zwei Menschen an den Tretrudern nicht einen ganz besonderen Fahrgast und wäre das Ziel nicht mitten im Wasser gelegen. Kaum dort angelegt, setzt der Fuß eines Menschen dort auf, dessen Begehr ein Mikrofon im Zentrum einer schwimmenden Bühne, einem historischen Unikum auf dem Kurteich - ist. Der Beförderte ist Poetry-Slammer: Nichts weniger als den höchsten Titel, der in der hessischen Poetry-Slam-Szene zu vergeben ist, den des Hessenmeisters 2019. Ganze zwölfmal mussten die Transporteure ihre Beinmuskeln beanspruchen, doch nur die besten vier konnten sich für das Finale am Folgetag qualifizieren.
25. Juni 2019, 19:16 Uhr
AAF
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Er hat es wieder geschafft: Jan Cönig (M.) gewinnt nach spannendem Stechen den Hessen-Slam. Dominik Rinkart (l.) und Andreas Arnold haben den Wettbewerb moderiert.

Leise plätschert das Wasser. Ein Tretboot fährt über den großen Teich im Kurpark Bad Nauheim. Darüber scheint eine wohltemperierte Junisonne. Es könnte sich um das Wunschidyll eines Sonntagsausfluges handeln, beförderten die zwei Menschen an den Tretrudern nicht einen ganz besonderen Fahrgast und wäre das Ziel nicht mitten im Wasser gelegen. Kaum dort angelegt, setzt der Fuß eines Menschen dort auf, dessen Begehr ein Mikrofon im Zentrum einer schwimmenden Bühne, einem historischen Unikum auf dem Kurteich - ist. Der Beförderte ist Poetry-Slammer: Nichts weniger als den höchsten Titel, der in der hessischen Poetry-Slam-Szene zu vergeben ist, den des Hessenmeisters 2019. Ganze zwölfmal mussten die Transporteure ihre Beinmuskeln beanspruchen, doch nur die besten vier konnten sich für das Finale am Folgetag qualifizieren.

Dasselbe passierte parallel im Theater Altes Hallenbad in Friedberg, das ebenfalls ausverkauft war. Um 22 Uhr stand an beiden Ausrichtungsorten fest, welche acht Poetinnen und Poeten für das Finale in der Trinkkuranlage in Bad Nauheim berechtigt sind.

Die Macher, die sich in einer noch nie dagewesenen Kooperative zwischen Vereinen und Institutionen beider Städte zusammengetan hatten, bauten nicht nur einen mitten im vor der Konzertmuschel angelegten Teich befindlichen Bühnensteg auf, sondern sorgten auch dafür, dass jeder der über 340 Besucherinnen und Besucher über eine riesige LED-Leinwand ihre ins Finale gewählten Stars der hessischen Szene sehen konnten.

Als am Samstagabend Starkregen einsetzte, bewiesen die Verantwortlichen des Vereins Juka und des Helden-Theaters, die den Hessen-Slam unter Mitwirken und großer Unterstützung der Jugendfreizeiteinrichtungen beider Städte, Junity und Alte Feuerwache, realisierten, den nötigen Mut: Sie entschieden sich gegen den Rückzug in den Konzertsaal und für den ursprünglichen Plan. Sie wurden belohnt. Pünktlich zu Beginn endeten die letzten Tropfen vor der Stegbühne und verschwanden in konzentrischen Kreisen auf der Wasseroberfläche.

Die zwei sichtlich erleichterten Moderatoren, Dominik Rinkart und Andreas Arnold, schafften es, dass sich trotz der regenfeuchten Stühle, mit Freude an den bestuhlten Rand des Teichs gesetzt wurde, um die Meisterkür vorzunehmen. Zehn Juroren aus deren Kreis bewerteten bei Hochstimmung das sehr homogene Teilnehmerfeld bestehend aus Samuel Kramer, Stella Jantosca, Katharina Marosz und Suse Bock-Springer, die sich über das Friedberger Halbfinale qualifizierten, sowie Jan Cönig, Livia Warch, Jakob Schwerdtfeger und Lara Ermer, die im Kurpark zu Finalisten bestimmt wurden. Flankiert von der Yannick-Di-Mari-Band, die der Veranstaltung über live gespielte Jingles zum Einmarsch der Poeten den obligaten Showcharakter verliehen, stellten sich die Künstlerinnen und Künstler der nicht immer einigen Jury.

U20-Finale wird verlegt

Für das finale Stechen qualifizierten sich Warch, Schwerdtfeger und Cönig, der sich am Ende erneut durchsetzen konnte. Sein bissiger, doch letztlich versöhnlicher Dialog mit seiner Nichte Karla bescherte ihm den hessischen Meistertitel, den er nun zum zweiten Mal in Folge gewinnen konnte. Bereits am Donnerstag wurde der U20-Meistertitel vergeben und fand mit Isabell Brechenser eine würdige Titelträgerin, die sich souverän gegen zehn Mitbewerber in der Gruppe der unter-20-jährigen durchsetzen konnte. Das U20-Finale war mit großem Aufwand im Burggarten geplant worden, doch ein Gewitter mit Starkregen verhinderte leider ein sicheres Durchführen. Die zahlreichen Besucher sowie Poeten fanden sich mit nur viertelstündigem Verzug im Junity ein, wo zahlreiche Singersongwriter und Musikerin Fee aus Frankfurt nicht nur einen unvergesslichen Rahmen zur Eröffnung des Hessen-Slams lieferten.

Cönig und Brechenser sind nun qualifiziert für die deutschsprachigen Meisterschaften, die in Berlin und Erfurt stattfinden werden, und was machen die Organisatoren? Sie planen bereits weiter. Denn nach dem Slam ist vor dem Slam. (Foto: aaf)

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