18. März 2019, 20:12 Uhr

Jakobsweg für Alkoholiker

18. März 2019, 20:12 Uhr
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Von Harald Schuchardt
Peter Podewitz in seiner Paraderolle als Lyriker in weißem Gewand und mit einer Harfe in der Hand. Sein Bruder Willi (kl. Bild) tritt – nicht ganz leicht zu erkennen – als Jorge González auf. (Fotos: lod)

Seit 27 Jahren touren Willi und Peter Podewitz durch den deutschsprachigen Raum. Schon ganz am Anfang ihrer Karriere als Comedians waren die beiden Brüder aus Bremerhaven erstmals zu Gast im Café Kaktus, in dem einstmals Mitinhaber Harry Thyssen für das Programm verantwortlich zeichnete. Klar, dass Thyssen das erfolgreiche Duo für einen Auftritt in seiner neuen Spielstätte, der »Kleinen Bühne« in der Stadthalle, mit ihrem »Jubiläumsprogramm »Wer plaudert, wird erschossen!« verpflichtet hat. Am Freitagabend war es so weit.

Erinnerungen an Friedberg

»Wir feiern unser Jubiläum schon zwei Jahre«, meinte Willi Podewitz bei der Begrüßung des »Elite-Publikums«, das einen Abend voller Sprachwitz und zeitgemäßer Comedy erlebte. Er freue sich, dass sich unter den Besuchern auch die »Heilige Dreifaltigkeit« Mann – Sofa – Fernbedienung« befinde, denn »Männer werden von ihren Frauen immer mitgenommen, deshalb sehen sie auch so mitgenommen aus«, witzelte Willi. Solche Wortspielereien ziehen sich durch das ganze Programm. Das Spiel mit der deutschen Sprache beherrschen die beiden perfekt. Ein Paradebeispiel dafür ist der Vergleich mit Boris Becker, der im Podewitz-Gründungsjahr 1992 Olympiasieger wurde. Heute ist er für Willi nicht nur pleite, sondern »tennis-arm«.

Ihr Programm bezeichnet das Brüderpaar als »Autoritäre Unterhaltung«, denn »wir machen hier was, und ihr findet das gut«, so Willi. Das beinhaltet auch einen Crash-Kurs in Sachen »Applaus«. Den machen die Besucher willig mit und begrüßen Bruder Peter geradezu frenetisch bei seinem ersten Auftritt als Lyriker in weißem »Gewand« und mit Harfe in der Hand.

Vor der Pause bewerten ein »Klatsch-Kolumnist« und Willi als Jorge González das Besucherverhalten. Die Jury-Persiflage auf »Let’s Dance« und »Germany’s next Topmodel« endet mit einem Preis für die Besucher: »Ihr dürft nach der Pause wiederkommen.« Obwohl die beiden sicher nicht in die Kategorie »politische Kabarettisten« fallen, spielen aktuelle gesellschaftspolitische Themen immer wieder eine Rolle.

Immer wieder wird die deutsche Sprache ad absurdum geführt, wie bei der Rechtschreibreform oder dem deutschen Schlager. »Was für den einen Kultur ist, ist für den anderen nur Lärm«, meint Peter und zelebriert mit seinem Bruder ein »Baumarkt-Klassik-Konzert für Selbstabholer von Ingmar Ikea« bis hin zum Musical »König der Baulöwen«. Lifestyle-Trends wie »Wellness-Wasser« oder Weinwandern entlang der deutschen Weinstraße, dem »Jakobsweg für Alkoholiker«, fehlen ebenso wenig wie etwas Lokalkolorit. »Vertragt ihr Friedberger und Nauheimer euch noch immer nicht wegen Elvis?« fragen die beiden.

Als sie von den Besuchern, mit denen sie unentwegt kommunizieren, erfahren, dass Friedberg nun eine Elvis-Ampel besitzt und in der Badestadt eine Elvis-Statue errichtet werden soll, zieht sich das als Running Gag durch den Abend, der mit Willis Androhung endet: »Mein Bruder hat noch sehr lange Gedichte.«



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