30. Januar 2018, 09:00 Uhr

Baumfällungen

Innenstadt und Burg: 30 Bäume sollen gefällt werden

Noch bis zum 28. Februar röhrt die Motorsäge: Auch in Friedberg werden Bäume gefällt, laut Gutachten sind sie krank und nicht mehr standfest. Die Grünen fordern eine bessere Pflege.
30. Januar 2018, 09:00 Uhr
wagner_jw
Von Jürgen Wagner
An der Burgmauer sollen 22 Bäume gefällt werden; ihre Wurzeln beschädigen die Mauern. (Fotos: nic/jw)

Der Sturm kam der Motorsäge zuvor: Eine große, kranke Weide stürzte neulich am Kühlen Grund um. Sie stand neben einem Schotterweg, wies laut Gutachten eine Kernholzwunde und »erheblichen Rindenschaden« auf. Die »Bruchsicherheit war nicht mehr gewährleistet«. Die Reste wurden von einer Gartenbaufirma beseitigt; nur noch der Stumpf ragt aus dem Erdreich.

Niemand kam zu Schaden, alles ist noch einmal gut gegangen. Die Stadt führt ein Baumkontrollbuch. Jeder Baum wird regelmäßig auf Standfestigkeit und Krankheiten hin untersucht. »Auch wir fällen nicht gerne Bäume«, sagt Michael Leicht vom Bauamt. Um Menschen vor Schäden zu schützen, seien Fällung aber unvermeidbar. Auch Bäume werden alt, krank und sterben ab.

Der Magistrat hat kürzlich der Fällung mehrerer Bäume zugestimmt. Das Stadtparlament wird sich in am 22. Februar damit beschäftigen. »Es handelt sich lediglich um eine Mitteilung«, sagt Leicht, der aber weiß, dass dies ein sensibles Thema ist. Deshalb sind die Gründe für die Fällung aufgelistet. Ein weitere Baum wurde bereits gefällt. Er stand in der Saarstraße vor einem Wohn- und Geschäftshaus, zeigte »deutliche Absterbeerscheinungen in der Krone« sowie »ausgeprägte Schad- und Defektsymptome«.

 

Ballfang aus Fichten wird ersetzt

In der Fauerbacher Straße am Hang unterhalb der Einkaufsmärkte hat sich ein Sämling unter einem Ahorn zu einem Baum entwickelt, der aufgrund des direkten Nachbarn keine Chance hat, sich zu entwickeln. An der Bishops-Stortford-Promenade hinter der Dieffenbach-Schule haben sich holzzerstörende Pilze am Stamm eines Baumes angesiedelt. Dessen »Restlebenserwartung« wird als nicht besonders hoch eingeschätzt, ein rotes Kreidekreuz signalisiert, dass er gefällt wird. Auch am Leihgraben in Ockstadt stehen zwei abgängige Bäume: Der eine ist durch den aggressiven Zottigen Schillerporling befallen, den anderen wurde vom Gemeinen Spaltblättling befallen.



Der neue Rasenplatz des Burgfeldes wird durch eine »Wand« aus Fichten vom Parkplatz abgetrennt. Einige Fichten sind abgestorben, das »Schussfeld« auf den Parkplatz ist frei. Die 30 Fichten sollen einer Hecke aus einheimischen Sträuchern weichen. Auch die Schirngasse wird ihr Erscheinungsbild verändern. Zwischen der Buchhandlung Bindernagel und dem Nachbarhaus steht eine Linde, direkt unter ihr befindet sich ein Gewölbekeller. Es besteht die Gefahr, dass das Wurzelwerk das Gewölbe schädigt. Er soll gefällt werden, auf eine Nachpflanzung wird verzichtet. Dann entfallen auch die jährlichen Rückschnittarbeiten an der Krone.

Proteste von Bürgern aufgrund von Baumfällungen habe es bislang nicht gegeben, sagt Leicht. »Wir lassen von über 5500 Bäumen in städtischem Besitz sechs fällen.« Das sind 0,109 Prozent des Bestandes. Leicht hofft, dass die Bürger Verständnis hierfür aufbringen. Für jede Fällung werde ein neuer Baum gepflanzt, wenn nicht an gleicher Stelle dann andernorts.

 

22 Bäume an der Burg sollen fallen

Einen Aufschrei gab es zuletzt, als rund um die Burg Bäume gefällt wurden. Nun kann man den Adolfsturm auch von Nahem wieder sehen. Nachdem der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen einen Teil der Burgmauern sanieren ließ, ist nun der Mauerabschnitt vom südlichen Tor (Kaiserstraße) entlang der Gießener Straße bis zum Graben an der nördlichen Auffahrt zum Adolfsturm an der Reihe. Hier haben sich über die Jahrzehnte Baum-Sämlinge verbreitet, die zu stattlichen Bäumen heranwuchsen und oft so dicht an den Mauern stehen, dass sie die Fundamente beschädigen.

Nun sollen an der Burg dort 22 Bäume gefällt werden: acht Ahorn, acht Eschen, zwei Kirschen, eine Linde, ein Nussbaum, eine Robinie und eine Walnuss. Laut Unterer Naturschutzbehörde handelt es sich »nicht um wertvolle Baumbestände«. Der Grüne-Stadtverordnete Carl Cellarius hat angekündigt, seine Fraktion werde gegen die Baumfällungen stimmen (siehe Kasten).

Infobox

Schonfrist für die Natur

Carl Cellarius (Grüne) hat angekündigt, seine Fraktion werde gegen die Fällung der Linde in der Schirngasse stimmen. »Klar: Der Baum wird größer und macht Probleme im Untergrund. Wir wollen trotzdem, dass jeder Baum so lange lebt wie möglich. Bäume sind wichtig für das Klima in der Stadt.« Kein Verständnis hat er für das Argument, der Erhalt des Baumes erfordere »erheblichen Pflegeaufwand«: »Da kann ich nur lachen. Den Kronenschnitt erledige ich in zehn Minuten mit Leiter und Baumschere.« Die Bäume müssten früher und besser gepflegt werden. »Der Baum in der Fauerbacher Straße wurde nie zurückgeschnitten, man hat das Efeu einfach hochwachsen lassen. Dann erstickt so ein Baum eben.« Von März bis Oktober dürfen Einzelbäume in Natur und Landschaft, an Alleen und Straßen nicht gefällt werden. Im Wald und in gärtnerischen Grünflächen wie Friedhöfen ist das aber möglich. Verboten ist es in diesem Zeitraum auch, Hecken, lebende Zäune, Sträucher und andere Gehölze zu fällen oder zu schneiden. Dies dient dem Schutz der Tiere, die Bäume und Sträucher als Lebensraum nutzen. (jw)



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos