29. Oktober 2019, 20:46 Uhr

In Komotau ist der Himmel blau

29. Oktober 2019, 20:46 Uhr
Und los geht es: Die Gruppe ist bereit für die Wanderung. (Foto: Erika Quaiser)

Sich wiederzusehen und das auf ihrer diesjährigen Wanderreise gemeinsam Erlebte noch einmal an sich vorbeiziehen zu lassen, dazu traf sich die hessische »Junge-Mittlere Generation JMG« der »Sudetendeutschen Landsmannschaft« kürzlich in Bad Nauheim. Einen besseren Auftakt, als die Glückwünsche an die Wanderfreunde Theo und Renate Ehrenberger zur Hochzeit, hätte man sich nicht denken können.

Im Sommer hatten die Wanderer den Schönhengstgau und Nordmähren unter ihre Wanderstiefel genommen. Pfarrer Heinz Kußmann, Frank Dittrich und Alois M. Olbrich waren unterwegs fleißige Fotografen und Filmer. Flott kommentierte Frank Dittrich die Bilderserien. »Wer schreibt, der bleibt - wie Zeitzeugenberichte unsere Spur hinterlassen« hatte Gerolf Fritsche, im BdV-Landesverband Hessen, Referent für »Ostkunde im Unterricht«, seinen mit Spannung erwarteten Vortrag überschrieben.

Fritsche hat zusammen mit Kollegen im Pädagogischen Arbeitskreis Mittel- und Osteuropa, Zeitzeugenberichte über Flucht, Verschleppung und Vertreibung aus der CSR zwischen 1938 und 1946 gesammelt. »Wir haben überlebt, auch um Zeugnis abzulegen« steht über einer Auswahl von Berichten, die Fritsche vorlegte. »Wir sind eine Generation von Zeugen, die vertrieben wurden und sich eine neue Heimat suchen mussten. Das sei in ähnlicher Form in Mitteleuropa noch nie geschehen« erklärte er. Alles was darüber bisher weitergegeben wurde, könnte in 50 Jahren vergessen sein.

Sein besonderes Anliegen ist es deshalb, alles, was an die nächsten Generationen weitergegeben wird, vorher »abzusichern«, am besten durch Hinterlegen in Archiven wie im Bayerischen Staatsarchiv, Herder-Institut Marburg und Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen.

Einige Zeitzeugenberichte trug Fritsche vor. Er hatte die Opfer selbst in aller Welt aufgesucht. Erschütterung machte sich unter den Gästen breit, als die Rede auf die Untaten der tschechischen Milizen und der Rotarmisten gegenüber den Deutschen kam. »Wie ist es möglich, dass Menschen anderen so etwas antun können«, fragte jemand.

Bei einem der Berichte ging es um das Schicksal von Anni Bostelmann aus St. Joachimsthal im Erzgebirge. In einer der dunkelsten Stunden der Deutschen in Böhmen, wurde sie von tschechischen Milizionären von der Aussiger Brücke in die Elbe gestürzt. Rein zufällig war sie am 31. Juli 1945, zusammen mit ihrer 2-jährigen Tochter und ihrer Schwester, auf die Brücke geraten. Alle drei überlebten, durch Hilfe von holländischen Schiffern, die mit ihrem Lastkahn in Aussig ankerten. Nach dramatischer Flucht gelangte sie schließlich mit Ihrer Tochter nach Friedberg in Hessen. Sie wurde dort gleich engagiertes Mitglied der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Als sie 2009 verstarb wurde sie von vielen Landsleuten zu Grabe getragen.

»Die Planung für die Wanderreise 2020 vom 20. bis 27. Juni läuft bereits«, verkündeten Herbert Lerch und Frank Dittrich. Ziel: das Egerland mit Marienbad als Ausgangspunkt für die Wanderungen und Besichtigungsfahrten. Die ersten Anmeldungen liegen schon vor.

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