17. Mai 2019, 20:36 Uhr

»In Frieden mit den Eltern«

17. Mai 2019, 20:36 Uhr

»Wo bekommen wir denn noch mehr Stühle her?« Das war eine der wichtigsten Fragen. Der Saal der Waldorfschule war voll, und immer noch strömten Besucher zum Vortrag von Dr. Nawid Peseschkian, dem Psychiater und Psychotherapeuten. Der Naturheilverein Bad Nauheim-Bad Vilbel hatte eingeladen.

Peseschkian ist bekennender Bahá’i-Anhänger, einer Religion, bei der die Familie eine große Rolle spielt. Und so beginnt der Sohn des berühmten Psychiaters Nossrat Peseschkian seinen Vortrag mit der aufopferungsvollen Liebe der Eltern zu ihrem Neugeborenen.

Diese Liebe bleibe immer erhalten, auch wenn sie sich im Laufe des Erwachsenwerdens des Kindes wandelt und oft auch als Sorge, Bedenken und in Verboten äußert.

Die frühen Prägungen durch die Eltern bestimmten unbewusst das Verhältnis als Erwachsene zu uns selber, zu unseren Partnern und unserer Umwelt.

»Unsere Eltern wirken in uns nach! Sie bleiben uns ein Leben lang erhalten in unserem Inneren.« Aber spätestens ab 20 könne man seine Mutter nicht mehr dafür verantwortlich machen, dass sie einem als dreijähriges Kind ein Vanilleeis versagt hatte.

Man sei selber dafür verantwortlich, die vier Lebensbereiche des Balance-Modells ins Gleichgewicht zu bringen und ein erfülltes, gesundes Leben zu führen. Wie man mit dem eigenen Körper umgeht, wie wichtig Leistung für einen selber ist, was Kontakte bedeuten, welchen Sinn man dem Leben geben und welche Visionen man entwickeln möchte. Der erfahrene Psychiater und Psychotherapeut ließ seine Zuhörer mit seiner Diagnose nicht allein. Er zeigte, wie Konflikte in einem Fünf-Stufen-Prozess bewältigt werden könnten: Erstens: Beobachtung und Distanzierung: Gefühle von Wut und Trauer in der Vergangenheit belassen. Zweitens: Inventarisierung: Jedes Elternteil getrennt betrachten.

Drittens: Situative Ermutigung: Auch die immer vorhandenen guten Seiten sehen und einbeziehen.

Viertens: Verbalisierung: Den Eltern einen Brief schreiben, aber nie abschicken. Fünftens: Zielerweiterung: Erkennen, welche Chancen die Zukunft bietet, wenn man sich von den energieraubenden Gedanken und Gefühlen befreit.

»In Frieden mit den Eltern«: Peseschkians Botschaft am Ende seines Vortrags lautet: Nicht die Auseinandersetzung mit den physischen Eltern sei die Lösung. »Die Eltern sind in uns. Wir sollten verzeihen und Frieden schließen mit den inneren Eltern - um unseretwillen.«

Langanhaltender Applaus zeigte, dass Peseschkian den Nerv der Zuhörer getroffen und viele wunde Punkte berührt hatte. Einige davon wurden in der anschließenden Fragerunde aufgegriffen und vertieft. Sichtlich gelöst und mit einem befreiten Lächeln im Gesicht machten sich die Teilnehmer auf den Heimweg.

Begeisterte Rückmeldungen der Teilnehmer bestätigen: Eine großartige Veranstaltung. Ein gelungener Einstand für alle Beteiligten.

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