23. Februar 2018, 14:00 Uhr

Karate als Hilfe

In Friedberg lernt man, wie Kampfsport vor Stürzen schützt

Wegen nachlassender Kraft und fehlendem Gleichgewicht stürzen ältere Menschen. Dem wirkt der Karate-Kobudo-Fitness-Verein Friedberg entgegen – mit asiatischer Kampfkunst.
23. Februar 2018, 14:00 Uhr
Stärkung der Muskulatur und gleichzeitiges Balancieren: Trainer Raymund Wacker erklärt den Kursteilnehmern, wie sie eine bessere Standsicherheit erreichen. (Fotos: Steinhauer)

Stürze gehören zu den häufigsten Unfallursachen im Alltag. Dies betrifft vor allem ältere Menschen, denn mit zunehmendem Alter schwindet die Muskelkraft, der Gleichgewichtssinn wird weniger, und ein bewegungsarmer Alltag verstärkt dies noch. Mithilfe von Karate sollen die Teilnehmer eines Kurses des Karate-Kobudo-Fitness-Vereins Friedberg mehr Standsicherheit erlangen und ihren Gleichgewichtssinn schulen, um so ihre Mobilität zu erhalten und zu verbessern. Der Kurs richtet sich an ältere Menschen, die bislang keinerlei Kampfsporterfahrung haben.

Bereits die Shaolin-Mönche erkannten, dass Sport und Bewegung für Körper und Geist, egal in welchem Alter, wichtig sind. In Ostasien betreiben viele Menschen bis ins hohe Alter Kampfkunst, um ihre Mobilität und Gesundheit zu erhalten.

Sich anzuziehen, ohne sich irgendwo festzuhalten oder hinzusetzen, war vorher nicht denkbar

Eine Kursteilnehmerin

Wie Trainer und Karatelehrer Raymund Wacker im Kurs erklärt, fängt alles bei den Füßen an, mit der Kräftigung der Fußmuskulatur und Korrektur der Fußstellung. »Wenn es in den Füßen nicht stimmt, ist eine Fehlstatik des ganzen Körpers unvermeidbar«. Durch das Tragen von Schuhen, eventuell noch mit Absätzen, verändere sich im Laufe des Lebens der Fuß, die Muskulatur leide. Daher rät der Trainer: »Gehen Sie so oft wie möglich barfuß!«.

 

Durch Anziehen der Zehen nach vorne bewegen

 

Wacker zeigt auch gleich eine Übung, bei der man sich alleine durch Anziehen der Zehen nach vorne bewegt. Es wird noch eine Weile dauern, bis die Kursteilnehmer im Alter zwischen 56 und 70 Jahren so weit sind. »In der letzten Stunde machen wir dann noch mal ein ›Wettrennen‹«, verspricht Wacker. Er gibt noch den Tipp, auf dem Ballen zu stehen, der Fersenstand sei nämlich instabil: »Da sind Sie sofort aus der Balance.«

 

Bloß nicht auf die Füße schauen

 

Der Muskelaufbau erfolgt über die Füße und weiter zu den Beinen und zur Hüfte, erklärt Wacker. Auch Probleme mit der Wirbelsäule beginnen mit den Füßen. Daher gibt es im Kurs zwei Schwerpunkte: Kraftaufbau und Stärkung der Sinneswahrnehmung für ein besseres Gleichgewicht. Mithilfe von Gymnastikbändern stärken die Kursteilnehmer in einfachen Übungen, die man auch leicht zu Hause nachmachen kann, die Beinmuskulatur.

Gleichzeitig gilt es, auf einem Bein balancierend, sicher zu stehen. »Wichtig ist es, das Vertrauen zum Körper zurückzugewinnen«, erklärt Wacker und sagt an seine Kursteilnehmer gerichtet: »Ihr schaut noch viel zu sehr auf eure Füße!« Auch diese Körperhaltung, der auf den Boden und die Füße gerichtete Blick, könne zu Stürzen führen.

 

Wer will, kann noch einsteigen

 

Am Ende der Stunde balancieren alle über Turnbänke – und dies in der dritten Übungsstunde schon sehr sicher. »In der ersten Stunde waren viele noch überzeugt, dass sie das nicht schaffen«, sagt Wacker. Auch die Teilnehmer berichten begeistert über ihre Fortschritte, eine von ihnen schildert eine ganz alltägliche Situation: »Sich anzuziehen, ohne sich irgendwo festzuhalten oder hinzusetzen, war vorher nicht denkbar. Also, auf einem Bein stehend, Socken anzuziehen oder in eine Hose zu schlüpfen. Das ist jetzt schon viel besser geworden.«

Interessierte können noch in den Kurs des Karate-Kobudo-Fitness-Vereins einsteigen oder sich zu einem kostenlosen Probetraining anmelden: E-Mail an info@karate-kobudo-fitness-friedberg.de oder unter der Telefonnummer 01 74/7 22 93 81. Weitere Informationen unter www.karate-kobudo-fitness-friedberg.de.

Info

Drei Fragen an Raymund Wacker

Warum nimmt bei älteren Menschen die Sturzgefahr zu?

Raymund Wacker: Meist hat sich in zunehmendem Alter eine Fehlhaltung entwickelt, derer sich der Betroffene oft nicht bewusst ist. Man steht mit vorgebeugtem Kopf oder belastet eine Hüfte stärker und steht schief. Allein eine schlechte Körperhaltung trägt schon zum Sturzrisiko bei.

 

 

Was ist das Ziel des Kurses?

Wacker: Die Teilnehmer sollen wieder mit einem sicheren Gefühl draußen unterwegs sein. Die bessere Standfähigkeit und Balance, die im Kurs vermittelt wird, verhilft zu mehr Selbstvertrauen und weniger Angst zu stürzen.

Kann man Kampfkunst auch als älterer Mensch betreiben?

Wacker: Unser Ziel ist es, die Begeisterung für Karate bei den Kursteilnehmern zu wecken und darüber auch neue Vereinsmitglieder zu gewinnen. Denn mit Kampfkunst kann man in jedem Alter anfangen. (isi)

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