31. Juli 2017, 20:18 Uhr

Immer weniger Vollzeitjobs

31. Juli 2017, 20:18 Uhr
Mehrklassengesellschaft: Neben einer Kernbelegschaft mit herkömmlichen Arbeitsmodellen gibt es immer mehr Beschäftigte in Leiharbeit oder Teilzeit. Die Gewerkschaft IG BAU warnt vor dieser Entwicklung. (Symbolfoto: dpa)

Der Anteil der Menschen in regulären Arbeitsverhältnissen nimmt nach Angaben der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) immer weiter ab. Demnach würden rund 42 200 Menschen im Wetteraukreis in Teilzeit arbeiten, Leiharbeit machen oder einen Minijob als alleiniges Einkommen haben. Der Anteil dieser sogenannten atypischen Beschäftigungen sei im vergangenen Jahr auf einen Rekordwert von 42 Prozent gestiegen. Die Gewerkschaft beruft sich hierbei auf eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung, die die Entwicklung am Arbeitsmarkt im Kreis seit dem Jahr 2003 untersucht hat. Damals habe die Quote atypischer Jobs noch bei 34 Prozent gelegen.

IG BAU-Bezirkschef Karl-Otto Waas spricht laut einer Pressemitteilung von einem »Alarmsignal an die Politik«: »Es kann nicht sein, dass wir einerseits einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben, aber andererseits so viele Menschen in prekären Verhältnissen arbeiten«, wird er zitiert. Der unbefristete Vollzeitjob müsse wieder zum Normalfall werden, so seine Forderung. Im Wetteraukreis habe nach Angaben der Stiftung besonders die Teilzeitbeschäftigung zugenommen: Hätten 2003 noch etwa 13 600 Erwerbstätige in Teilzeit gearbeitet, seien es 2016 bereits rund 23 700 gewesen.

Viele Minijobber sind Frauen

Waas: »Gerade für Frauen ist es nach einer Familienpause enorm schwer, wieder voll in den Beruf einzusteigen. Gegen die Teilzeit-falle brauchen wir endlich ein verbrieftes Rückkehrrecht in Vollzeit.« Ein entsprechender Gesetzentwurf von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) war in diesem Frühjahr am Widerstand der CDU gescheitert. Auch bei Minijobs sei die Situation der Studie zufolge nahezu unverändert: Rund 17 100 Wetterauer seien 2016 ausschließlich geringfügig beschäftigt gewesen (2003: 15 400). In der Gebäudereinigung machten Minijobs mittlerweile die Hälfte aller Jobs aus, berichtet Gewerkschafter Waas. Auch hier seien es insbesondere Frauen, die nach einem Jobverlust oder einer Trennung oft schnell in Hartz IV abrutschten.

Mit Blick auf die Bundestagswahl im September fordert die IG BAU klare Konzepte »gegen die Unwucht am Arbeitsmarkt«. Dazu gehörten die Abschaffung der Befristungen ohne sachlichen Grund und die Einbeziehung von Minijobs in die Sozialversicherung. »Dabei sind auch die Arbeitgeber in der Pflicht. Statt aufs Billig-Prinzip sollten Chefs auf Kontinuität setzen«, betont Waas. Wer heute vollwertige Stellen schaffe, brauche sich morgen nicht um Fachkräfte sorgen.

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