28. Oktober 2017, 19:00 Uhr

Mein Lieblingsplatz

Im besonderen Kirchgarten

Wohin ziehen sich Menschen zurück, die durchatmen wollen? Gartengestalterin Cynthia Nebel aus Burg-Gräfenrode hat einen Lieblingsplatz in Klein-Karben: den Kirchgarten von St. Michaelis.
28. Oktober 2017, 19:00 Uhr
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Von Holger Pegelow
Cynthia Nebel hat als Lieblingsplatz den Kirchgarten von St. Michaelis. Obwohl sie ihn mitgestaltet hat, entdeckt sie darin immer wieder Neues. (Foto: pe)

Sie steht am Eingang der Kirche, hat das Gotteshaus im Rücken. Denn sie will nicht hineingehen, sondern in die Ferne sehen. Das ist an dieser Stelle im Kirchgarten auch gut möglich. Man kann über die Dächer Klein-Karbens bis weit in den Taunus blicken, vorausgesetzt natürlich, das Wetter ist entsprechend. Aber heute ist so ein Tag, an dem wir uns treffen, um ihren Lieblingsplatz zu sehen. Sie führt den WZ-Redakteur nicht ohne Grund hierher: Denn Cynthia Nebel hat diesen Ort mitgestaltet, wie inzwischen etliche andere in Karben und Umgebung. Aber dieser ist ihr besonders ans Herz gewachsen. Warum? »Hier haben wir einen Ort, der aus ganz verschiedenen Orten besteht. Und jeder hat seinen Reiz.«

Weitsicht genießen

Also fangen wir den Rundgang vorne an, am Haupteingang der kleinen St.-Michaelis-Kirche. Die freie Fläche sei von ihr bewusst so eingeplant worden. Dort könnten sich die Gottesdienstbesucher treffen und noch ein wenig miteinander plaudern. Oder so wie sie alleine ein wenig innehalten und die Weitsicht genießen.

Wenn man nicht ganz so weit blickt, sieht man die Rasenfläche und eine kleine Rosenhecke. Damit hat es eine Bewandtnis: Das sei eine Siesmayer-Rose, die sie für den Kirchgarten gespendet habe. Nicht weit davon entfernt wedelt Lampenputzergras im Wind, und in der Nähe steht ein ganz besonderer Baum. Der Taubenbaum, den es als Hochstamm sehr selten gebe. Er stamme aus Italien und blühe erst nach etwa zehn Jahren. »Den Baum haben wir für die Ewigkeit gepflanzt«, sagt sie. Er habe weiße Hochblätter, die wie Tauben aussehen. Im Frankfurter Palmengarten stünden zwei davon. Sie symbolisieren den Frieden. Bei der Gartengestaltung habe sie den Grundriss des griechischen Kreuzes aufgenommen, die einzelne Räume betonen. Wir nehmen auf einer Bank Platz mit Blick auf die Krypta. Dort haben Cynthia Nebel und die fleißigen Mitarbeiter aus der Kirche dunkelrote Dahlien gepflanzt. Wendet man den Kopf nach rechts, hat man immer noch den schönen Fernblick über Karben.

Optische Wegeführung

Wer weiter in den Garten hineingeht, stößt auf den Weg, der vom Gemeindehaus bis zum wieder geöffneten barrierefreien Seiteneingang führt. Dort sind Zierkirschen gepflanzt und so angelegt, dass eine optische Wegeführung entsteht. »Die Gläubigen werden vom Gemeindehaus praktisch zum Kircheneingang hingeführt.«

Vor und neben dem Eingang dann kleinere Pflanzbeete, linkerhand etwa ein Buchsbaum als Fischmotiv. Ein paar Meter weiter fällt der Blick auf die restaurierte Kirchgartenmauer und – eine Überraschung an einem solchen Ort – auf die Freilichtbühne. In St. Michaelis-Garten ist eine Art Amphitheater entstanden, steinerne Sitzbereiche im Halbrund um eine Bühne, die sich an das Gotteshaus quasi anschmiegt. »Hier kann Theater gespielt werden, oder es können Trauungen oder Taufen zelebriert werden«, sagt die Landschaftsgestalterin. Zudem weist sie auf die zwölf Hainbuchen hin, die die zwölf Apostel symbolisieren sollen.

Riesige Eiche

Schließlich führt der kleine Rundgang an die Südostseite des Kirchgartens, »an meinen absoluten Lieblingsplatz«. Hier sei unter der riesigen Eiche eine Art Meditationsgarten entstanden. Den sehe sie als Pendant zur anderen Seite. Hier sei man wirklich für sich, könne seinen Gedanken freien Lauf lassen. Und der Weitblick ist plötzlich weg. Hier hat man eher das Gefühl, ein wenig umschlossen, behütet zu sein. Sie sei gerne hier, wenn sie ein wenig abschalten wolle. Nach dieser Stunde kann man das verstehen.



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