06. September 2019, 18:26 Uhr

Im Wald ist auch für Blumen Platz

06. September 2019, 18:26 Uhr
Die Mitarbeiter des Forstamts Nidda wollen einen Beitrag gegen das Arten- und speziell das Insektensterben leisten: Sie haben neue Blühflächen im Wald angelegt. (Fotos: im/pm)

Das Insektensterben ist in aller Munde, ebenso das Verschwinden wichtiger Tierarten aus Wald und Feld. Allgemein beginnt man, verstärkt in Zusammenhängen, Nahrungs- und Lebensketten zu denken und die Bedeutung der Artenvielfalt und des Klimas für das Überleben des Planeten und seiner Bewohner zu erkennen. Diese Trends beobachtet auch Anselm Möbs vom Forstamt Nidda seit einiger Zeit. Der Bereichsleiter Dienstleistung Hoheit stellte jetzt im Gespräch mit der WZ ein Pilotprojekt des Forstamtes Nidda vor, das der Anlage von Blühflächen im Staatswald gilt.

»Die Idee stammt von unserem Forstamtsleiter, Forstwirt Bernd Reißmann. Sein Ansatz: Nicht nur an Feld- und Wiesenrainen, in Parks, an Gehwegen, auf Mittelstreifen und Verkehrsinseln ist Platz für zusätzliche Blühfläche. Auch mitten in unserem Wald und an Waldrändern gibt es Areale, die wir für eine zusätzliche Einsaat von Wildblumen- und Kulturpflanzensaat nutzen könnten«, berichtet Möbs.

Auswahl des Saatguts entscheidend

»Zusätzlich zu den Waldwiesen, die von uns ohnehin komplett ohne Herbizide und Düngemittel gepflegt und bewirtschaftet werden, findet man in unseren Wäldern nämlich auch ehemalige Äsungsflächen, Holzlagerplätze oder besonders breite Bankette entlang von Waldwegen, die sich für eine Neuanpflanzung im Dienst eines reicheren Nahrungsangebots an die Insektenwelt eignen.«

Auf Initiative Reißmanns wurden Waldflächen zwischen Wallernhausen und Bobenhausen, an der Hohen Straße zwischen Schwickartshausen und Lißberg sowie in der Gemarkung Krömelbach bei Lißberg bereits im Frühjahr 2018 durch Forstwirt Dittmar Bähr vorbereitet und eingesät. »Ganz entscheidend ist hierbei auch die Auswahl des Saatgutes, die in meinen Tätigkeitsbereich fiel«, erläutert Möbs. »Zum einen muss dieses in seiner Mischung an die jeweiligen Bodenverhältnisse angepasst sein, zum anderen aber muss es sich auch um Pflanzen aus der Region handeln, die der heimischen Insektenwelt entgegenkommen.«

Aus dem Katalog des Verbands deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten wählte Möbs vorzugsweise Wildpflanzen wie Lichtnelken, Leimkraut, Kerbel, Dost, Sauerampfer und Labkraut, aber auch einige Kulturpflanzen wie die Saat-Wicke sowie Kleearten aus. 7400 Quadratmeter neue Blühwiesenfläche wurden auf diese Weise eingesät. »Im ersten Jahr haben wir noch keine Mahd vorgenommen, im jetzigen Sommer wurde zum ersten Mal gemäht, dies aber relativ spät, um den Blütenpflanzen Zeit für Bestäubung und Befruchtung wie auch für die Selbstaussaat zu geben.«

Man werde das Insektenaufkommen über den Wiesen im Auge behalten und das Pilotprojekt gegebenenfalls ausbauen. Möbs: »Pflanzen locken Insekten an, die wiederum unseren heimischen Vogelarten und Fledermäusen als Nahrung dienen und somit helfen, die Artenvielfalt zu erhalten. Diese sogenannte Biodiversität wiederum ist überlebenswichtig für unsere Wälder.«

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