03. Oktober 2018, 19:32 Uhr

»Im Plastik-System gefangen«

03. Oktober 2018, 19:32 Uhr
Grüne Themen von Artensterben bis Masthähnchen kommen beim Info-Abend im Gasthaus »Wilhelmshöhe« auf den Tisch. (Foto: pm)

Über Recycling, gesunde Ernährung, Agrar- und Klimapolitik diskutierten Politiker der Grünen und interessierte Bürger kürzlich in Butzbach. Zu dem Info-Abend im Gasthaus »Wilhelmshöhe« hatte die Grüne-Direktkandidatin für den Wahlkreis Wetterau Nord, Brigitta Nell-Düvel, den langjährigen Europaabgeordneten Martin Häusling eingeladen. Der Grünen-Politiker war zuvor als Abgeordneter im Hessischen Landtag für die Wetterau zuständig und hatte selbst einen Bio-Hof in Nordhessen, den inzwischen seine Kinder bewirtschaften.

Kritik am Grünen Punkt

Nach einer kurzen Vorstellung durch die Vorsitzende des Grünen-Ortsverbands Butzbach, Jutta Schneider, stieg Häusling direkt in die Diskussion ein. Es sei ein Irrglaube vieler Deutscher, dass der Grüne Punkt umweltfreundlich sei, sagte er. Das zeige auch eine aktuelle Studie. »Die Recyclingquote in Deutschland liegt gerademal bei 35 Prozent«, sagt er. »Und sie wird nur an der Menge der Gelben Säcke gemessen.« Vieles würde jedoch verbrannt.

»Plastik ist zu günstig, und wir sind in einem System von Plastik gefangen«, sagte Häusling. Oft sei der Einsatz von Plastik unnötig und könne vermieden werden. Man mache es sich aber zu einfach, wenn man die Schuld nur den Verbrauchern, also bei jedem einzelnen, suche. »Nur mit einer gemeinsamen länderübergreifenden Lösung kann man die Plastikflut eindämmen«, sagte er. Die Lösungsvorschläge lägen auf dem Tisch: von einer EU-weiten Plastiksteuer über die Abschaffung der staatlichen Subventionen und vergünstigten Mehrwertsteuer bis hin zu einem besseren Recyclingsystem und der Vermeidung von Mikroplastik. Das eigentliche Problem sei allerdings die Umsetzung der Konzept – gerade wenn man in Brüssel sämtliche Interessensgruppen mit ins Boot holen müsse.

Nell-Düvel und Häusling diskutierten mit den Besuchern zudem über den ihrer Meinung nach zu niedrigen Preis eines Masthähnchens. Am Verkauf eines jeden Tieres blieben dem Bauer nach Abzug der Kosten gerade mal fünf Cent. Der Verlust an Artenvielfalt, vor allem der Insektenwelt, sei alarmierend. Nach seriösen Schätzungen seien 75 Prozent der Insektenbiomasse in Deutschland in den vergangenen 27 Jahren verloren gegangen.

Für Empörung sorgte der Hinweis, dass die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe in Deutschland seit dem Jahr 2000 um 42 Prozent gesunken sei. Das sei logisch, weil inzwischen 70 Prozent des Mais, Weizen, Zuckerrüben, Gerste großflächig auf unseren Feldern angebaut werde, sagte Häusling. »Wo kommt denn dann das Rindfleisch her?«, fragte ein Gast. Häusling antwortete darauf: »Das importieren wir dann aus Südamerika.«

Die Diskussion tangierte noch weitere Themen, darunter Klima- und Agrarpolitik. Es wurde zudem angeregt, im Frühjahr eine weitere Veranstaltung zu planen.

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