04. September 2019, 19:08 Uhr

Im Kreislauf von Licht und Finsternis

04. September 2019, 19:08 Uhr
Organistin Mechthild Bitsch-Molitor interpretiert Meisterwerke von Bach. (Foto: gk)

»Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. Gott sah, dass das Licht gut war. Gott schied das Licht von der Finsternis, und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend, und es wurde Morgen: erster Tag« (Gen 1, 3-5). Dieser Thematik widmete sich ein Orgelkonzert, gespielt von Organistin Mechthild Bitsch-Molitor aus Mainz.

»Am Morgen«, »Im Licht des Tages«, »Am Abend«: Gleich nach seiner Erschaffung von Himmel und Erde schuf Gott das Licht und schied es von der Finsternis. So lesen wir es im biblischen Schöpfungsbericht. Der tägliche Kreislauf von Licht und Finsternis, vom Auf- und Untergang der Sonne ist elementare Voraussetzung allen Lebens.

Nicht nur in Theologie, Philosophie, Literatur und bildender Kunst hat der Mensch dieses Urphänomen zu begreifen und darzustellen versucht. Auch viele musikalische Werke folgen - bildlich gesprochen - dem täglichen Lauf der Sonne, d.h. versuchen ihn in Töne zu bannen, hörbar werden zu lassen.

Deshalb war es ein glücklicher Einfall, das Konzert in der Bonifatiuskirche unter das Motto »Orgelmusik im Lauf der Sonne« zu stellen. Die Mainzer Kirchenmusikerin Mechthild Bitsch-Molitor beeindruckte mit sieben Orgelwerken von Johann Sebastian Bach bis zum 1955 geborenen Andreas Willscher, der mit seinem lautmalerischen »Insektarium« und »Vogelarium« Raupe, Kartoffelkäfer, Sperling und Nachtigall zu Wort kam.

Zum Auftakt erklang Johann Sebastian Bachs großartige Fantasie G-Dur, BWV 572. Das häufig gespielte Werk gliedert sich in drei Teile und beginnt mit einer weit ausgreifenden Tonfolge. Wie ein erfrischender Quell »fließt« die heitere Melodie dahin. Dann ein scharfer, fast erschreckender Kontrast: Der zweite Teil setzt mit einem mächtigen Pedalsolo ein. Getragen, fast majestätisch folgen die Manualstimmen. Der spannungsgeladene zweite Satz endet so abrupt wie er begann. Die Fantasie klingt mit einer triumphierenden Kadenz aus. Dem kongenial interpretierten Meisterwerk von Bach folgten bescheidenere Stücke - die ihren Eindruck auf die Hörer jedoch ebenfalls nicht verfehlten. Verbunden wurde der Stückereigen von kurzen, meditativen Texten teils biblischer, teils literarischer Natur, die Moderator Burkhard Heussen vortrug und damit eine gelungene Synthese von Wort und Musik erzeugte.

Ebenfalls zu den bekannteren Titeln gehörte Edward Elgars 1889/90 geschriebenes »Chanson de matin« für Violine und Klavier, in einer Orgelbearbeitung seines Freundes Herbert Brewer. Seine schlichte, eingängige Melodie im Volkston verleiht diesem Werk einen besonderen Reiz.

Die Urangst vor der Nacht

Der ihm folgende »Sonnenhymnus« des 1892 geborenen Max Drischner besticht durch seinen ungeheuren Spannungsbogen, seine - auch durch häufigen Pedaleinsatz bewirkte - so langsame wie intensive Steigerung. Es ist die aufgehende Sonne, die in diesem Werk überschwänglich beschworen wird.

Der 1877 im holländischen Zaandam geborene Organist und Komponist Jan Zwart steuerte zwei Stücke zur sonntagnachmittäglichen »Orgelmusik im Lauf der Sonne« bei: zum einen seine ergreifende Meditation über das alte Kirchenlied »Morgenglanz der Ewigkeit« und - als Konzertausklang - eine von tiefer Empathie getragene Vertonung von »Bleib bei uns, Herr, denn es will Abend werden« - die an Jesus gerichtete Bitte der Jünger, sie nicht zu verlassen. Sie verleiht der Urangst des Menschen vor Nacht und Finsternis bleibenden Ausdruck.

Das einstündige Konzert endete mit lang anhaltendem Beifall für die Organistin.

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