24. Oktober 2018, 19:36 Uhr

Im Einsatz für die Sicherheit

Nicht nur im Büro sitzen, dafür Leute schützen, für Recht und Ordnung sorgen, einen Mordfall aufklären. Junge Leute wollen aus unterschiedlichen Gründen bei der Polizei anfangen. 15 Oberstufenschüler haben sich bei der Polizei in Friedberg schlau gemacht – über den Einsatz, der vom Knöllchen am Auto bis zum Personenschutz für die Bundeskanzlerin reicht.
24. Oktober 2018, 19:36 Uhr
Corinna Weisbrod erklärt den Jugendlichen, was der Job des Polizisten zu bieten hat und welche Voraussetzungen man erfüllen muss.

Eine junge Frau möchte später im Beruf anderen helfen. Bei der Feuerwehr habe sie der Schichtdienst abgeschreckt, jetzt möchte sie Polizistin werden. Da gibt es kürzere Schichten. Die Interessentin ist eine von 15 Jugendlichen aus der Wetterau, die bald die Schule verlassen und dann womöglich in eine Uniform schlüpfen werden. Wobei Uniform nicht unbedingt sein muss, wie Corina Weisbrod im Laufe der Info-Veranstaltung in der Friedberger Polizeistation erklärt. Wer bei der Kripo arbeitet, bewegt sich eher in Zivil.

Eines wird an diesem Nachmittag deutlich: Der Polizeiberuf bietet eine breite Palette. Als Polizist verteilt man Knöllchen für Falschparker, sammelt bei der Strafverfolgung be- und entlastende Fakten, muss die entlaufene Kuhherde von der Straße weg leiten und den Betrunkenen zur Ausnüchterung in die Zelle sperren. Einen ganz speziellen Job hatte Weisbrod – wie viele andere Polizisten auch – am Abend zuvor zu erledigen: Kanzlerin Angela Merkel machte in Ortenberg Wahlkampf. Auftritt und prominenter Gast mussten abgesichert werden.

Weisbrod spricht vom Enkeltrick, mit dem sich das Betrugsdezernat befasst, vom Rauschgiftdezernat, das Indoor-Plantagen stilllegt – »es ist nicht nur der kleine Kiffer auf der Straße, der abgegriffen wird«. Einsätze der Spurensicherung am Tatort, als Bereitschaftspolizist bei Demonstrationen, Fußballspielen, im Einsatz bei Razzien und Fahndungen – es gibt fast endlos viel zu tun. Weisbrod, die sich als Einstellungsberaterin der Wetterauer Polizei um potenzielle Nachwuchskräfte kümmert, hat in ihren bisher 30 Jahren im Dienst schon so manche Facette kennengelernt: 1988 startete sie mit der Ausbildung – heute gibt es nur noch Studiengänge-, sie arbeitete bei der Bereitschaftspolizei, war auf Streife, wechselte zum Kriminaldauerdienst, später zur Sitte, arbeitete schließlich sieben Jahre im Jugendkommissariat. Zwischendurch studierte sie.

Das Studium beinhaltet heute beispielsweise Strafrecht, man lernt aber auch, wie man ein Formular für eine Strafanzeige ausfüllt, wie man jemanden fesselt, wie man mit der Schusswaffe umgeht oder was man macht, wenn sich jemand kein Blut abnehmen lassen will. Sport steht außerdem auf dem Programm.

Wie man richtig fesselt

Polizisten werden gebraucht, 2018 wurden rund 1100 Studierende der Polizei- und Kriminallaufbahn im Rahmen des Hessentages vereidigt. 2017 waren es 860 Studierende. Dass der Bedarf da ist, heißt aber noch lange nicht, dass man den Job hinterher geschmissen bekommt. Zunächst müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein (siehe Zusatz-Artikel), dann folgt der Test. Eignungsauswahlverfahren heißt der sperrige Begriff. Dabei müssen die Bewerber einen Computer- und einen Sporttest absolvieren, in einer Gruppendiskussion ein fiktives Problem lösen und ihre Teamfähigkeit beweisen und außerdem in einem Einzelgespräch überzeugen. Schafft der Bewerber eine dieser Aufgaben nicht, kann er nach Hause fahren, das war’s dann. Sind alle vier Bereiche von Erfolg gekrönt, folgt an Tag zwei die polizeiärztliche Untersuchung.

Weisbrod hat für die Mädchen und Jungs Tipps zur Vorbereitung parat. Aber warum sollte man sich eigentlich bewerben, wo man doch den Eindruck hat, der Respekt vor der Polizei gehe zurück? Die Einstellungsberaterin sieht das anders, wie sie der WZ verrät: Früher sei der Polizist der Buhmann gewesen, »der Knöllchen verteilt, die Spaßbremse«. Angesichts der aktuellen Gefährdungslage rücke die eigentliche Aufgabe der Polizei wieder mehr in den Fokus – der Schutz der Gesellschaft. Polizist zu sein, das sei »nicht nur ein Beruf, sondern eher eine Berufung, ein Dienst an der Gesellschaft, der dazu beiträgt, dass die Gesellschaft friedlich miteinander leben kann und geschützt ist«.

Wer Polizist werden möchte, sollte aber eines auch wissen: »Das ist kein Job, bei dem man einfach abschaltet, wenn man nach Hause kommt.«

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