13. Oktober 2018, 18:00 Uhr

Unterernährter Nachwuchs

Igel-Leichtgewichte sind kaum überlebensfähig

Der Rekordsommer, der Nahrungs- und Wassermangel verursachte, macht Igeln zu schaffen. Viele Jungtiere werden den Winter ohne Hilfe nicht überleben, sagt »Igelvadder« Luzius aus Bad Nauheim.
13. Oktober 2018, 18:00 Uhr
Gluck-gluck-gluck: Mit teurem Spezialfutter, das per Spritze verabreicht wird, werden die Mini-Igel aufgepäppelt. (Foto: pv)

Ehrenamtliche Tierschützer, die sich um Igel kümmern, werden ständig vor neue Herausforderungen gestellt. »Ein riesengroßes Problem sind zurzeit die unheimlich vielen kleinen Tiere«, sagt »Igelvadder« Otto Luzius, der seine Betreuungsstation am Goldstein betreibt. Diese Leichtgewichte brächten lediglich zwischen 100 und 150 Gramm auf die Waage, überlebensfähig seien sie damit nicht. Luzius appelliert deshalb an den Bevölkerung, den Igeln im Garten Katzenfutter und Wasser bereitzustellen.

»Am besten wäre es, die Jungtiere 14 Tage lang im Haus unterzubringen und aufzupäppeln«, sagt der »Igelvadder«. Eigentlich müsste der Nachwuchs um diese Jahreszeit ein deutlich höheres Gewicht haben. Doch die Muttertiere, die Mitte oder Ende August zwischen vier und acht Junge werfen, hatten in diesem Jahr einfach nicht genügend Milch. Durch die anhaltende Trockenheit und Hitze gab es nicht genug Futter und Wasser. Die Folge: Die kleinen Igel bekamen nicht ausreichend Muttermilch und finden kaum Futter, das normalerweise vor allem aus Käfern, Asseln und Raupen besteht.

 

Größte Gefahr: Unterkühlung

Die Igelstation von Luzius arbeitet im Augenblick fast am Limit. Trotzdem ist er bereit, weitere Tiere aufzunehmen oder anderen Igelfreunden mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Bis Ende November, wenn die kalte Jahreszeit endgültig beginnt, müssten die Jungtiere etwa 600 Gramm wiegen, sonst hätten sie im Winter keine Überlebenschance.

Laut Luzius nehmen die Kleinen bei ausreichendem Futterangebot allerdings nur acht bis zehn Gramm pro Tag zu, während erwachsene Tiere etwa 30 Gramm zulegen. »Wenn es jetzt eine Woche lang regnet und die Nächte kalt sind, gehen die Jungtiere alle ein«, erklärt der Tierschützer. Die größte Gefahr für die kleinen Igel sei die Unterkühlung, der sie mangels Fettreserven nichts entgegenzusetzen hätten.

 

Verärgert über NABU-Aussage

Aufregen kann sich Luzius angesichts der kritischen Lage über Aussagen von NABUVertretern, die im Internet kursieren. Diese Naturschützer empfehlen, keine Igel mehr zu »sammeln«, auch ohne Eingriff des Menschen würden genügend Tiere überleben. Der »Iggelvadder« hält diese Behauptung für Quatsch. »Gesammelt werden Pilze. Wir sammeln nicht, wir retten«, betont er.

Für diese Rettungsaktion benötigt er allerdings eine Menge Geld. Damit die unterernährten Igel auf die Beine kommen, muss ihnen nämlich anfangs mit der Spritze sehr teures Spezialfutter verabreicht werden. »Die 156-Gramm-Dose kostet 2 Euro«, sagt er und hofft einmal mehr auf die Spendenbereitschaft von Tierfreunden.

 

Zu erreichen ist Otto Luzius am Igel-Nottelefon unter der 0176/54 87 29 47 oder per E-Mail (otto.luzius@gmx.de). Spendenkonto: Otto Luzius, Stichwort »Igelhilfe«, Volksbank Mittelhessen, IBAN DE 72 5139 0000 0090 1465 05.

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