Mehrfach hat die Gemeindeverwaltung Wöllstadt sich in der Vergangenheit um Fördermittel für die städtebauliche Entwicklung der Gemeinde bei der hessischen Landesregierung bemüht. Bisher jedoch immer vergebens. »Für das Städtebau-Förderungsprogramm war Wöllstadt bisher zu ländlich und für das Dorfentwicklungsprogramm lagen wir zu dicht an Mainmetropole Frankfurt«, erklärte Bürgermeister Adrian Roskoni (parteilos) seine Bemühungen.

In diesem Jahr seien die Pläne der Verwaltung in Wiesbaden endlich akzeptiert und zumindest Nieder-Wöllstadt in das Förderprogramm »Aktiver Kernbereich« aufgenommen worden. Innerhalb eines Jahres muss die Gemeinde nun ihre Pläne für die Entwicklung des Ortsteils vorlegen. Dazu fand am Donnerstagabend eine Bürgerversammlung in der Römerhalle in Ober-Wöllstadt statt. Denn die Bürger sollen von Beginn an mit ihren Anregungen und Ideen dabei sein.

Roskoni will allerdings noch mehr. Nachdem er 2016 zusammen mit dem Hessischen Städte- und Gemeindebund und den Wöllstädter Bürgern ein Leitbild für Wöllstadt hat erarbeiten lassen, möchte er die Entwicklung jetzt nicht nur auf Nieder-Wöllstadt beschränken, sondern auch Ober-Wöllstadt in das neue Entwicklungskonzept mit einbeziehen. Auch wenn sich die Fördermittel momentan nur auf Nieder-Wöllstadt beschränken. »Wir werden natürlich einen Antrag auf Förderungserweiterung auch für Ober-Wöllstadt stellen, sobald wir unser Konzept für beide Ortsteile ausgearbeitet haben«, versicherte Roskoni, denn Bund und Land übernehmen jeweils zwei Drittel der Kosten.

Langfristiges Konzept

Um die Erstellung dieses Konzeptes ging es bei der Bürgerversammlung. Dafür hatte sich Roskoni professionelle Hilfe geholt, nämlich eine Tochterfirma der Nassauischen Heimstätte Frankfurt, die NH Projektstadt, die sich vor allem um Stadtentwicklung kümmert. Ihr Leiter Claus Schlindwein erklärte die Vorgehensweise. Momentan laufe die Vorbereitungsphase. Das bedeute, dass alle möglichen Daten wie freie Flächen, Baulücken oder Leerstände zusammengetragen werden. Hinzu kämen Dinge wie der demografische Faktor in Wöllstadt oder die Gewerbeansiedlungen.

In einer zweiten Phase würden diese Daten dann von der NH Projektstadt analysiert und ein erster Entwurf erstellt. Darin solle auch auf die Stärken und Schwächen, auf die Chancen und Risiken für die Gemeinde hingewiesen werden, wenn in naher Zukunft gar nichts unternommen wird. Danach seien die Bürger gefragt. Spätestens Anfang des kommenden Jahres sollen sich Workshops und Arbeitskreise um neue Ideen und Anregungen aus der Bevölkerung kümmern. Dazu ist jeder Bürger eingeladen. Interessierte können sich im Rathaus oder beim Bürgermeister persönlich melden.

Wenn dann im Sommer nächsten Jahres das Konzept stehe, müsse es von der Gemeindevertretung verabschiedet werden. »Das wird kein Konzept für das nächste oder übernächste Jahr sein, sondern wird auf zehn bis 15 Jahre angelegt sein, weil es auch um Neubaugebiete oder Leerstände geht. Deshalb wird es auch erst nach und nach umgesetzt werden können«, sagte Roskoni.

Sorgen um Ortsdurchfahrt

Er ging anschließend auf Fragen der anwesenden Bürger ein, beispielsweise ob die Förderung sich auch auf private Objekte beziehen würde. Das bejahte Roskoni, allerdings mit der Einschränkung, dass dies nur auf Objekte in Nieder-Wöllstadt zutreffen würde und auch nur, wenn mit dem Objekt keine Rendite erwirtschaftet werde. Als Beispiel nannte Roskoni eine Dachbegrünung im Rahmen einer Haussanierung oder die Errichtung einer Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Privathauses.

Ein Beispiel für ein öffentliches Sanierungsprojekt sei der Bahnhofsvorplatz in Nieder-Wöllstadt, der zu einem attraktiven Baubahnhof ausgebaut werden könne. »Es gibt sicherlich jede Menge Ideen. Also machen sie mit und erarbeiten sie mit uns zusammen das Entwicklungskonzept«, ermunterte er die rund 100 anwesenden Bürger.

Die konfrontierten den Rathauschef anschließend noch mit aktuellen Sorgen, nämlich der Umgestaltung und dem Rückbau der Ortsdurchfahrt von Ober-Wöllstadt. Auch da bat Roskoni um Geduld. Vieles sei auf dem Weg, aber nicht alles machbar. Eine Auskunft, die nicht alle zufriedenstellte.

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