15. August 2018, 17:26 Uhr

Betreutes Reisen

Ich war noch niemals in…

Spanien? Griechenland? Auf Mallorca? Und jetzt ist es auch zu spät? Nein, sagt Roswitha Girke. Sie ist eine der Ehrenamtlichen im Kreisverband des Roten Kreuzes, die Reisen für Senioren betreut.
15. August 2018, 17:26 Uhr
In der Gruppe nach Mallorca oder Rhodos oder an die Costa Brava – wer nicht alleine reisen will, findet beim Roten Kreuz Gesellschaft. Mit dabei ist außerdem eine ehrenamtliche Betreuerin. (Fotos: dpa/sda)

Mallorca ist das beliebteste Ziel. Das Hotel im Städtchen Cala Millor steht am Strand, direkt dahinter beginnt die Fußgängerzone, alles ist eben. Überhaupt das Meer – »das ist der Hit bei den Gästen«, sagt Roswitha Girke. Seit zwölf Jahren fliegt sie als ehrenamtliche Betreuerin mit Senioren in den Urlaub – ein Angebot des Deutschen Roten Kreuzes. Zweimal im Jahr geht es auf die Kanaren oder nach Rhodos, an den Gardasee oder ins Allgäu.

 

Altersdurchschnitt: 80 Jahre

 

Die meisten Mitreisenden – der Altersdurchschnitt liege bei 80 Jahren – seien alleinstehend. Viele, erzählt Roswitha Girke, schätzen das Angebot gerade deswegen, weil es eine Gruppenreise ist: Kartenspiele an der Bar, Boule-Spiele, gemeinsames Frühstück und Abendessen. Und weil sie nicht mehr alleine den organisatorischen Aufwand einer Reise auf sich nehmen wollen: der Check-In am Flughafen, die Fahrt zum Hotel, die Anmeldung. Darum kümmert sich Roswitha Girke. Sie fliegt Jahr für Jahr mit den Senioren ans Meer. Gäste, die auf Rollatoren angewiesen sind, gehören ebenso zur Reisegruppe wie Rollstuhlfahrer.

 

»Falls etwas ist«

 

Die Idee hinter dem betreuten Reisen: Jemand ist da, falls etwas ist. Roswitha Girke übernimmt keine Pflegeaufgaben. Mitfahren kann, wer sich noch selbst versorgt. Die Betreuerin hilft neben den organisatorischen Aufgaben bei Alltäglichem: Essen auf den Teller machen, wenn einer einen Rollator hat und sich deswegen nicht gut am Buffett bedienen kann, manchmal bietet sie Seniorengymnastik an (sie gibt auch Kurse beim DRK). Und wenn sich ein Reisender unsicher in der neuen Umgebung fühlt, steht sie zur Seite, zum Beispiel beim Duschen – »ich bin dann nur im Zimmer und warte, falls etwas ist«.

 

Was alles zu tun ist

 

Knapp ein Jahr vor der Reise trifft sich die Gruppe zum ersten Mal. Das Reiseziel wird vorgestellt. In diesem Herbst geht es an die Costa Brava.

Zustande kommen die Reisen meistens ab zehn Senioren. So auch der Betreuungsschlüssel: eine Betreuerin, zehn Reisende. Doch seit Roswitha Girkes Mann in Rente ist, kommt er mit und unterstützt seine Frau. Zum Glück, sagt die 63-jährige Betreuerin, ganz allein sei es oft anstrengend. Das fange beim Gepäck an: Zehn Koffer vom Band hieven ist nicht ohne. Oder die Gruppe zusammenhalten bei einem Ausflug. Vorne die, die noch gut zu Fuß unterwegs sind, hinten die mit Rollator. Irgendwo dazwischen: die Betreuerin.

Sie lacht: Nein, Urlaub ist es keiner für sie. Warum sie dennoch seit 2006 dabei ist? »Es macht einfach Spaß. Ich weiß, wie wichtig das Gefühl von Sicherheit für die Menschen ist, die mit uns vereisen.«

 

Verschwundene Gäste und Schlüssel

 

Für diese Sicherheit – die große und die kleine – ist sie 24 Stunden an 14 Tagen verantwortlich. Der verschwundene Safe- oder Zimmerschlüssel, die Gäste mit Magen-Darm-Grippe, der Gast, der auf Rhodos verlorengegangen ist. Alles schon erlebt. Und immer gut ausgegangen. Die Schlüssel sind letztlich aufgetaucht, die Magen-Darm-Grippe war irgendwann vorbei, und der verlorengegangene Gast stand wieder am Bus.

Und dann gibt es noch die Kleinigkeiten: Fernsehsender einstellen nach der Ankunft (»ARD, ZDF und am besten noch Hessen. Man muss ja wissen, was daheim los ist.«), ein extra Kopfkissen organisieren oder ein neues Zimmer, weil Blick auf die Müllhalde. »So etwas geht nicht.« Dafür sind die Reisen zu teuer. Für Flug und Unterkunft für die kommende, zweiwöchige Reise an die Costa Brava zahlen Gäste rund 1200 Euro. Der Reisepreis der ehrenamtlichen Betreuerin wird umgelegt.

 

Seniorengerechte Hotels

 

Die Hotels und Flüge werden über einen Reiseveranstalter gebucht, der sich auf Urlaube für Senioren spezialisiert hat – die Hotels sind stets barrierefrei und seniorengerecht. Gerade auf den Kanaren, erzählt die Betreuerin, ist man heutzutage auf ältere Gäste eingestellt: Es gibt Toilettensitze, immer mehr Hotels verzichten auf Badewannen und bauen stattdessen normale Duschen ein, die zum Einsteigen besser geeignet sind. So könne jeder, der auf kleine Alltagshilfen angewiesen und in seiner Mobilität eingeschränkt ist, mitreisen. »Niemand sollte aus Alters- oder Gesundheitsgründen verzichten müssen.«

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