22. Januar 2019, 20:02 Uhr

»Ich empfehle, zu leben«

22. Januar 2019, 20:02 Uhr
Seine Hände und Arme sind ständig in Bewegung. Hubertus Meyer-Burckhardt sitzt bei der Lesung seiner »Frauengeschichten« nie still. Dem Publikum gefällt es. (Foto: lod)

Hubertus Meyer-Burckhardt liebt Frauen. Dazu bekennt sich der in Hamburg lebende Autor, Filmproduzent und Gastgeber der NDR-Talkshow bei seinem Auftritt in der voll besetzten Aula der Augustinerschule immer wieder.

Bei der ersten Veranstaltung von »Friedberg lässt lesen«, der erfolgreichen Lesereihe von Stadt, Ovag, Sparkasse Oberhessen und der Buchhandlung Bindernagel in diesem Jahr, sollte Meyer-Burckhardt eigentlich aus seinem Buch »Frauengeschichten« lesen.

Doch es kam – wie von denjenigen, die den gebürtigen Kasseläner kennen – anders. Kaum hatte er die Bühne betreten, das Sakko auf den Boden geworfen und seine Aktentasche ausgeräumt, da begann er zu erzählen.

»Ich bin Kasseläner, aber sonst hat in meinem Leben alles geklappt«, verkündete er und erzählt den ersten von zahlreichen Witzen, die er immer wieder passend in seine Erzählungen und kurze Lesepassagen einstreut, ebenso wie Gedichte von Erich Kästner, Bertolt Brecht oder Kurt Tucholsky.

Dabei verschiebt er unzählige Male die zahlreichen Utensilien auf dem Tisch, zieht seine Brille auf und ab, nimmt sein Buch in die Hand und legt es gleich wieder hin. Seine Hände und Arme sind ständig in Bewegung. Es macht einfach Spaß, dem 62-Jährigen zuzuhören und zuzusehen. Er »maßregelt« sich schon mal selbst: »Meyer-Burckhardt fokussiere dich«.

Immer wieder erzeugt er bei den begeisterten Besuchern wahre Lachsalven, so bei seiner Einführung »hin zum Buch«. Dazu benötigte er gut eine viertel Stunde, in der er erzählt, warum er Frauen so liebt.

Lustig und ernst

»Ich bin in Kassel groß geworden, erzogen von meiner Mutter und Großmutter mit wenig Geld und wenig Vater, den lassen wir weg«, fasst er zusammen. Im Prolog seines Buches nennt er ein Beispiel.

Seine Großmutter testete seine ersten Freundinnen in einer Weinstube auf deren Trinkfestigkeit. Am nächsten Tag erhielt er dann einen Anruf: »Mein Junge, die kannst du vergessen.« Das Buch besteht aus einstündigen Gesprächen, die er seit einigen Jahren einmal im Monat auf NDR-Info mit mehr oder weniger bekannten Frauen führt.

Fünf dieser Frauen hat Meyer-Burckhardt in Form von großen Bildern mitgebracht: Erika Pluhar, Elke Heidenreich, Veronica Ferres, Marianne Sägebrecht und Ina Müller. Bei all seinen Talks hat er eine eiserne Regel: »Ich stelle keine persönlichen Fragen, sondern private. Mich interessiert die Geschichte des Menschen, nicht das Drumherum und was er so treibt.« Und dann appelliert er in »Zeiten des Dschungelcamps, mit dem ich gar nichts anfangen kann«, vehement an die Besucher: »Lasst uns auf einem gewissen Niveau bleiben.« Dafür gibt es langen Applaus.

Dass seine intensiven oft lustige, aber auch mal sehr ernsten Gespräche mit den Frauen ein hohes Niveau haben, wird bei den wenigen Ausschnitten aus dem Buch und den kurzen Zitaten deutlich. Mit Marianne Sägebrecht unterhält er sich über Hospizarbeit – beide sind in einem Hospizverein aktiv – und das Vertrauen, dass ihre Mutter zu ihr hatte.

Bei Ina Müller ist Sex das Thema schlechthin, denn »wenn man mit Ina Müller über eine Flasche Wasser spricht, ist sie nach dem dritten Satz beim Sex angelangt«. Elke Heidenreich dagegen bekennt, dass sie jede ihrer Falten in ihrem Gesicht liebt. Anti-Aging wird daraufhin ein Gesprächsthema.

Und Burgschauspielerin Erika Pluhar ist für den Autor »eine Königin, die ihr eigenes Reich mitbringt«. Nicht enden wollte schließlich der Beifall für eine etwas andere Lesung, der noch die Beantwortung einiger Fragen folgte.

Ein Zuhörer fragte, ob er auch etwas Nettes über Männer sagen könnte. Meyer-Burckhardts Antwort »Ja, aber nicht heute« sorgte noch einmal für pure Begeisterung, ebenso wie sein letzter Tipp: »Machen Sie wieder mal was Verrücktes«. Und er zitierte seine Talkshow-Partnerin Barbara Schöneberger: »Ich empfehle zu leben.«

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