22. Juni 2018, 11:23 Uhr

Bahnverkehr

ICE hält künftig auch in Friedberg

Ab 9. Dezember halten täglich Intercity-Express-Züge in Friedberg, Gießen und Marburg. Das bestätigt die Bahn jetzt offiziell. Die Nachricht ist nicht für jeden Bahnkunden rundum erfreulich.
22. Juni 2018, 11:23 Uhr
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Von Karen Werner
Im Frühjahr stoppte der ICE schon einmal in Gießen und Friedberg – wenn auch nur wegen Gleisbauarbeiten. Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2018 soll der Schnellzug statt des veralteten Intercity zwischen Karlsruhe und Stralsund verkehren. (Archivfoto)

Nun ist es amtlich: Gießen erhält einen regulären ICE-Anschluss. Ab 9. Dezember wird die Intercity-Linie Karlsruhe–Hamburg »aufgewertet«. Das bestätigte die Deutsche Bahn am Donnerstag auf GAZ-Anfrage. Nicht für alle bisherigen Nutzer des Fernverkehrszugs bedeutet die Umstellung auf den eleganten DB-Paradezug indes Verbesserungen. Weiterhin ungeklärt seien die heiklen Punkte Fahrradplätze sowie Nutzung mit Semesterticket und Pendler-Zeitkarte, erklärte eine Bahn-Sprecherin. Auf jeden Fall steigen die Fahrpreise.

Schon im vergangenen Oktober wurde bekannt: Weil die neue Generation 4 des Intercity-Express allmählich auf die Schiene kommt, mustert die Bahn ihre bis zu 40 Jahre alten Intercitys aus. Eine Umstellung erwägt sie unter anderem für die Main-Weser-Bahn. Streikende Klimaanlagen, kaum Steckdosen, gestörte Türen, kein Gastronomieangebot mehr und oft fehlende Waggons nerven die IC-Fahrgäste seit Jahren. Deutlich mehr Komfort sollen die etwa 15 Jahre alten ICE-T-Wagen bieten. Dazugehören WLAN, ein Bordrestaurant oder Ruhebereiche.

Viel schneller werde die Fahrt indes nicht. Die Höchstgeschwindigkeit von 230 Stundenkilometern können die Züge bestenfalls zwischen Kassel und Hannover erreichen und damit einige Minuten einsparen, sagen Kenner. Die Main-Weser-Strecke sei für Hochgeschwindigkeitsfahrten nicht geeignet. Möglich seien höchstens 160 km/h auf einigen Abschnitten.

 

ICE hält künftig in Friedberg: IC aktuell zwölfmal täglich

Die IC-Linie 26 verkehrt derzeit zwölfmal täglich und hält zwischen Frankfurt und Kassel-Wilhelmshöhe in Frankfurt-West, Friedberg, Gießen, Marburg, Stadtallendorf, Treysa und Wabern. Diese Stationen seien auch für den ICE vorgesehen, heißt es. In Treysa sind allerdings die Bahnsteige zu niedrig.

Viele Gießener träumen seit Jahren vom Anschluss ihres Bahnhofs – er gilt mit rund 20 000 Pendlern täglich als einer der größten in Deutschland ohne ICE-Halt – an die große weite Bahn-Welt. Doch über Jahre erklärte die Bahn, die Bahnsteige seien zu kurz für einen regulären ICE-Betrieb. Das bleiben Ausnahmen, sagten Sprecher stets nach Not-stopps in Gießen, zum Beispiel während der Hochwasserprobleme im Sommer 2013, für Kirchentagsbesucher 2015 oder bei Umleitungen im Frühjahr 2017. Nun heißt es: Für den siebenteiligen ICE-T passen die Bahnsteige.

 

ICE hält künftig in Friedberg: Komfortabler, aber kaum schneller

Wie viel teurer die Fahrpreise im ICE werden, steht noch nicht fest. Das Internetportal mittelhessen.de rechnet vor: Auf der Strecke von Frankfurt nach Heidelberg, wo aktuell IC- und ICE-Züge fahren, kostet die einfache Fahrt (Normalpreis) im Intercity 23, im ICE 31 Euro. Der Normalpreis von Frankfurt nach Gießen liege bislang im Intercity bei 18 Euro, im Nahverkehr bei 15,80 Euro.

Das Semesterticket der Marburger Studenten gilt derzeit auch im IC. Inhaber einer Nahverkehr-Monatskarte können einen Aufschlag für den Intercity zahlen. Ob das so bleibt, ist offen. Im Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbunds gibt es nirgends eine ähnliche Regelung für den ICE.

Deutliche Verschlechterungen bringt die Umstellung vermutlich für Fahrradtouristen. Der Intercity bietet bis zu 16 Plätze und ist im Sommer häufig ausgebucht. Im ICE gibt es normalerweise überhaupt keine Mitnahmemöglichkeit außer für Falträder, die als Gepäckstück gelten. Birgit Bohle, Vorstandsvorsitzende der DB Fernverkehr AG, hatte im Herbst in einem Schreiben an den Marburger Bundestagsabgeordneten Sören Bartol erklärt, denkbar sei eine Nachrüstung mit drei Fahrradplätzen pro Zug. »Keine gute Nachricht«, urteilte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Gießen. Viele Urlauber nehmen ihre Räder bisher in den IC-Zügen mit an Nord- oder Ostsee. Entlang der Lahn sind viele Radtouristen unterwegs, die per Bahn an- oder abreisen.



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