19. Januar 2019, 05:00 Uhr

Frauengeschichten

Hubertus Meyer-Burckhardts Liebe zu den Frauen

Hubertus Meyer-Burckhardts hat aus seiner Radiosendung »Frauengeschichten« ein Buch gemacht. Bei »Friedberg lässt lesen« wird er erzählen, mit wem er geredet hat und warum er keine »Männergeschichten« machen möchte.
19. Januar 2019, 05:00 Uhr
Hubertus Meyer-Burckhardt hatte sie alle. Zumindest die Frauen, mit denen er für seine Radiosendung »Frauengeschichten« sprechen wollte. »Es war journalistische Neugier, aber auch ein menschliches Interesse«, sagt er. Aus zehn Gesprächen ist sein gleichnamiges Buch entstanden. (Foto: dpa)

Sie haben sich mit bekannten und starken Frauen unterhalten. Daraus ist die Radio-sendung bei NDR-Info »Frauengeschichten« entstanden. Welche Frauen haben Sie persönlich am meisten beeinflusst?

Hubertus Meyer-Burckhardt: Frauen haben mich seit der Kindheit geprägt. Ich bin zwischen meiner Mutter und Großmutter aufgewachsen, die beide für die damalige Zeit recht ungewöhnlich waren.

Wie ungewöhnlich waren Ihre Mutter und Großmutter?

Meyer-Burckhardt: Es war eine deftige Kindheit. Beide hatten es nicht leicht im Leben, haben aber nie geklagt. Sie waren warmherzig und beide haben mir immer wieder gesagt: »Gehe raus in die Welt, erlebe etwas und bleibe nicht dein Leben lang in Kassel.«

Im Erdkundeunterricht habe ich gelernt, dass die Wetterau die Kornkammer Hessens ist. Das habe ich bis heute nicht vergessen

Hubertus Meyer-Burckhardt

Sie haben sich an den Rat gehalten und sind in die Welt hinausgegangen. Jetzt kommen Sie nach Hessen zurück, um dort Ihr neues Buch »Frauengeschichten« vorzustellen. Haben Sie einen Bezug zur Wetterau?

Meyer-Burckhardt: Im Erdkundeunterricht habe ich als Zwölfjähriger gelernt, dass die Wetterau die Kornkammer Hessens ist. Das habe ich bis heute nicht vergessen. Aus der Region um Ziegenhain und Treysa erinnere ich mich an die Frauen, die die volkstümlichen Trachten getragen haben.

Für die Radiosendung »Frauengeschichten« haben Sie mit vielen und ganz unterschiedlichen Frauen gesprochen. Daraus ist das gleichnamige Buch geworden.Wer hat Sie am meisten beeindruckt?

Meyer-Burckhardt: Das sind sicher Marianne Sägebrecht, Elke Heidenreich und Erika Pluhar. Sie wurden von Schicksalsschlägen nicht verschont, haben aber dennoch eine positive Weltsicht behalten. Erika Pluhar hat gesagt: »Auch wenn das Leben dir nichts schenkt, bleibt es dennoch ein Geschenk.«

Haben Sie diesen Satz auch für sich angenommen?

Meyer-Burckhardt: Irgendwie schon. Auch ich bin natürlich nicht von Schicksalsschlägen verschont geblieben, aber ich bin jetzt mit 62 Jahren dankbar für das Leben, das ich führen darf.

Sind Sie durch den Rat und den Einfluss Ihrer Mutter und Großmutter zu dem geworden, was Sie heute sind?

Meyer-Burckhardt: Durchaus. Es hat alles glückhaft funktioniert. Ich hatte und habe ein ereignisreiches Leben.

Im Buch kommt auch das Gespräch mit Ihrer Talkshow-Kollegin Barbara Schöneberger vor. Wie viel kann man sich noch erzählen, wenn man sich so gut kennt?

Meyer-Burckhardt: Mit Barbara verbindet mich wirklich eine Freundschaft voller Vertrauen. In unserem Gespräch geht es um Werte und Menschen, die Barbara in ihrem Leben geprägt haben. Es war übrigens das erste Gespräch von mittlerweile über 80 Gesprächen.

Wie viele der Gespräche haben Einzug in das Buch gefunden?

Meyer-Burckhardt: Das sind zehn. Jeweils eine Stunde pro Gespräch aus der Sendung musste transkribiert und redigiert werden. Das war eine Heidenarbeit für die Assistenten.

Mein Interesse an Frauen ist autobiografisch geprägt und ich möchte den anderen Kontinent, die Frauen, erkunden und erforschen

Hubertus Meyer-Burckhardt

Wer kommt in »Frauengeschichten« zu Wort?

Meyer-Burckhardt: Doris Dörrie, Veronica Ferres, Elke Heidenreich, Leslie Malton, Ina Müller, Ulrike Murmann, Erika Pluhar, Marianne Sägebrecht, Barbara Schöneberger und Christine Westermann.

Wie ist der Kontakt entstanden?

Meyer-Burckhardt: Ich bin hauptsächlich TV-Produzent. Und nicht, wie viele denken, fest angestellter Moderator beim NDR. Ich bin zwar NDR-»Talkshow«-Gastgeber, produziere aber hauptsächlich Filme für viele Sender, unter anderem für das ZDF. Daher kenne ich Veronica Ferres oder Marianne Sägebrecht sehr gut und andere auch privat. Da ist es leicht, ins Gespräch zu kommen. Es war die journalistische Neugier, aber auch ein menschliches Interesse.

Jetzt haben Sie viel mit Frauen gesprochen. Können Sie sich vorstellen »Männergeschichten« zu schreiben und dafür mit Männern zu reden?

Meyer-Burckhardt: Das wurde ich schon von vielen Verlagen gefragt, aber das möchte ich nicht machen. Mein Interesse an Frauen ist autobiografisch geprägt und ich möchte den anderen Kontinent, die Frauen, erkunden und erforschen.

Glauben Sie, Männer und Frauen passen auf lange Sicht gut zusammen?

Meyer-Burckhardt: In einer Frauenzeitschrift habe ich eine Umfrage gelesen. Es ging darum, was Frauen an Männern stört und umgekehrt. Frauen stört an Männern, dass sie anscheinend zu wenig reden, und Männer stört an Frauen, dass sie so viel reden. Das ist bei mir und meiner Frau auch so.

Sind es immer bekannte Frauen, mit denen Sie für die Radiosendung sprechen?

Meyer-Burckhardt: Nicht immer. Für die Sendung sind auch mal eine Soziologin oder eine Philosophin dabei.

Gibt es eine Frau, mit der Sie gerne noch ein Gespräch führen würden, es aber noch nicht geklappt hat?

Meyer-Burckhardt: Bisher hatte ich das Glück, dass alle meine Wünsche und Anfragen erfüllt wurden. Gerade war Senta Berger da, und nun freue ich mich auf Maria Furtwängler.

Info

Zurück nach Hessen

Hubertus Meyer-Burckhardt wird zu drei Lesungen in die Region kommen. Am Montag, 21. Januar, wird er sein Buch »Frauengeschichten« um 20 Uhr in der Augustinerschule in Friedberg vorstellen. Am Dienstag, 22. Januar, ist er bei »Der Vulkan lässt lesen« um 20 Uhr zu Gast im Autohaus Deisenroth in Alsfeld und am Mittwoch, 23. Januar, kommt er um 20 Uhr in die Willi-Zinnkann-Halle nach Büdingen. Für alle Lesungen gibt es bei der Ovag noch Karten.

Hubertus Meyer-Burckhardt wurde 1956 in Kassel geboren und lebte dort bis 1977. Im Interview hat er erklärt, wer eigentlich ein Kasseler, ein Kasseläner oder ein Kasselaner ist. Stammen beide Elternteile gebürtig aus Kassel, ist man ein Kasseläner, stammt nur einer aus Kassel, ist man Kasselaner und zieht man lediglich nach Kassel, ist man Kasseler. (koe)

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