04. Januar 2018, 08:00 Uhr

Hotel-Neubau

Hotel-Neubau: Bedarf umstritten

Das Hölzinger-Modell für das Sprudelhof-Areal ist über den Status einer Vision, eines Traums noch nicht allzu weit hinausgekommen. Ein Detail muss noch intensiv hinterfragt werden.
04. Januar 2018, 08:00 Uhr
Im Hotel Spöttel herrscht Skepsis, was den Bedarf an weiteren Betten in Bad Nauheim angeht. Die Nachfrage übersteige nur selten das Angebot, meint der Chef. (Foto: Nici Merz)

Klar, wer das Elvis-Wochenende oder die Tage rund ums Rosenfest betrachtet, kann nur zu einer Auffassung kommen: Bad Nauheim braucht dringend weitere Hotelkapazitäten. Doch der King wird nur einmal im Jahr gefeiert, die Königin der Blumen nur alle zwei Jahre – was ist an ganz gewöhnlichen Tagen ohne Großveranstaltung?

Zugpferd des Übernachtungsgeschäfts ist neben den Kliniken ohne Zweifel das Hotel Dolce mit seinen großen Tagungen. Weil die 130 Doppelzimmer sowie wenigen Einzelzimmer und Suiten des 4-Sterne-plus-Hauses dann oft nicht ausreichen, profitieren davon nach Angaben von Katja Heiderich, Geschäftsführerin der Bad Nauheim Stadtmarketing und Tourismus (BNST) GmbH, auch andere Hotels wie das Best Western Rosenau oder das Spöttel.

Busreise-Unternehmer als Zielgruppe

Heiderich sieht Bedarf für ein weiteres Hotel mit etwa 80 Zimmern, wie es an der Stelle geplant ist, wo heute die Therme steht. »Es gibt eine große touristische Zielgruppe, die wir bisher nicht bedienen können«, sagt die BNST-Chefin. Die Rede ist von Teilnehmern an Busreisen, die über Tagesausflüge hinausgehen. Als Quartier für eine Gruppe von 48 Gästen komme das Dolce aufgrund seiner Auslastung fast nie infrage.

Für kleinere Betriebe wie das Best Western sei das Risiko zu groß. »Diese Unternehmer wollen reservieren, sich aber je nach Buchungsverlauf erst zwei bis vier Wochen vor dem Termin endgültig entscheiden.« Im Rosenau, das laut Heiderich über 51 Doppelzimmer verfügt, stünden bei einer Absage plötzlich alle Zimmer leer und wären in der Kürze der Zeit kaum noch zu verkaufen. »Für solche Busreisen betreiben wir deshalb auf den vielen Messen gar keine Werbung.«

Messegeschäft rückläufig

Trotz der direkten Anbindung an die neue Therme sowie Sauna und Therapie im Badehaus 2 wäre das neue Hotel nach Ansicht der Geschäftsführerin mit Wellness-Fans allein nicht wirtschaftlich zu betreiben. Kurzurlauber, die mit dem Bus unterwegs und nicht auf Wellness fixiert sind, wären ein weiteres Standbein. Angehörige von Patienten würden – etwa durch die Nähe zur Kerckhoff-Klinik – ebenfalls zum Kundenkreis gehören. Viele dieser Gäste blieben allerdings länger, buchten meist eine Ferienwohnung.

Skeptischer, was den Bedarf an zusätzlichen Betten angeht, ist Hotelier Gerhard Siegesmund (Hotel Spöttel und Hotel Arabella). Meist könne die Nachfrage mit dem vorhandenen Angebot gedeckt werden. Siegesmund nennt mehrere Indikatoren, die gegen einen Neubau sprechen. »Das Messegeschäft, von dem wir stark profitiert haben, ist deutlich zurückgegangen. In Frankfurt selbst sind etliche neue Hotels der mittleren Preiskategorie entstanden, die den Rahm abschöpfen«, sagt er.

Weihnachtsgeschäft "eher dünn"

Zudem leide das Image der Kurstadt derzeit unter dem Fehlen eines Thermalbads, weil das alte vor zwei Jahren viel zu früh geschlossen worden sei. Misstrauisch ist der Hotelier bezüglich des von Bürgermeister Klaus Kreß genannten Eröffnungstermins für die neue Therme Ende 2020 oder Anfang 2021. Viele Hotel-Gäste beschwerten sich wegen der Kurtaxe, für die ohne Thermalbad zu wenig Gegenleistung geboten werde.

Zudem könne seine Familie die gefragten Wannenbäder im Badehaus 3 nicht mehr anbieten. Das aktuelle Weihnachts- und Silvestergeschäft sei »eher dünn« gewesen, während die beiden Hotels der Siegesmunds mit ihren etwa 80 Betten 2016 um diese Jahreszeit noch komplett ausgebucht waren.

Das Dolce sei das führende Hotel in der Stadt. »Es ist ein klarer Fingerzeig, wenn diese Profis ihre Pläne für eine 100-Betten-Erweiterung trotz Baugenehmigung seit Jahren vor sich herschieben«, betont Siegesmund. Einen weiteren Beherbergungsbetrieb würde er nicht als schädliche Konkurrenz betrachten, es gebe aber nun mal keinen Riesenbedarf. Komme das neue Haus trotzdem, müsste es sich wie Dolce und Rosenau auf Tagungen konzentrieren. Wellness-Urlauber oder Busreise-Teilnehmer reichten nicht zum Überleben. »Gerade die Busunternehmen wollen ja nicht viel zahlen.«

 

Infokasten

Übernachtung: Zahlen und Fakten

Das 4-Sterne-plus-Hotel Dolce ist mit seinen gut 130 Zimmern und Suiten das mit Abstand größte Haus in Bad Nauheim. Nach Angaben des hessischen Landesamtes für Statistik wurden 2016 in der Kurstadt 800 Betten in gewerblichen Betrieben (mehr als 10 Betten) angeboten, hinzukommen weitere 200 in Ferienwohnungen und bei privaten Anbietern. Im vorletzten Jahr wurden 720 320 Übernachtungen erfasst, was einem leichten Plus von 0,6 Prozent gegenüber 2015 entspricht. Gleichzeitig ging die Gästezahl allerdings um 2,5 Prozent auf 96 593 zurück. Letztlich gab es also weniger Gäste, die dafür etwas länger geblieben sind. (bk)

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