12. August 2019, 20:23 Uhr

Hommage an Heinrich Schütz

12. August 2019, 20:23 Uhr
Das Ensemble spielt die Kantate »Mein Herz ist bereit« für Bass und Violine. (Foto: gk)

Der Chor der Stadtkirche wurde am Sonntagnachmittag zum Schauplatz einer Hommage an den größten deutschen Tonsetzer vor Bach: Das siebenköpfige Ensemble »Cantate Domino« (Andrea Seeger und Friedemann Kienzle - Violine; Barbara Noeldeke am Violoncello; Carsten Lorenz - Orgelpositiv; Matthias Lucht - Altus; Ulrich Seeger - Tenor und Matthias Horn - Bass) brachte acht Kantaten des 1585 im thüringischen Köstritz und 1672 in Dresden verstorbenen Heinrich Schütz zum Vortrag.

Aus dessen 1629 in Venedig erschienenen Symphoniae sacrae, op. 6 erklangen die lateinischen Kantaten SWV 259/60/61. »In te, Domine, speravi« (Auf dich, Herr, habe ich gehofft): In dieser Vertonung von Psalm 31 brillierte Matthias Lucht als Altus mit dem Solopart. Seine souveräne Interpretation der anspruchsvollen Koloraturpartien hinterließ starken Eindruck.

Auch Stadtkantor Ulrich Seeger überzeugte als Solist in der Kantate »Cantabo Domino« (Ich werde dem Herrn singen), einer Vertonung von Psalm 103. Im »Dialog« mit Barbara Noeldeke am Violoncello wie auch in den Koloraturen faszinierte Seeger mit seiner dezenten Stimme und präzisen Diktion. Dasselbe gilt für seine Interpretation von »Venite ad me« (Kommt zu mir), einer Vertonung von Matthäus 11. Sie blieb nicht das einzige Glanzstück in diesem an Höhepunkten reichen Konzert.

Neben den Kantaten von Heinrich Schütz, der von 1619 bis an sein Lebensende als Oberhofkapellmeister im Dienst der Kurfürsten von Sachsen stand, erklang ein Werk von Nicolaus Bruhns - heute nur noch wenigen bekannt. Der 1665 geborene und bereits 1697 verstorbene Orgel- und Geigenvirtuose wirkte von 1689 bis zu seinem Tod als Organist an der Stadtkirche zu Husum. Das Ensemble beschenkte die zahlreich erschienenen Hörer mit dessen Kantate »Mein Herz ist bereit« für Bass und Violine. Mit der Interpretation der Bruhns’schen Vertonung von Psalm 57 faszinierten Matthias Horn mit seinem kräftigen, modulationsfähigen Bass und Violinistin Andrea Seeger mit virtuosem Spiel (zum Beispiel im Präludium mit zahlreichen Doppelgriffen).

Dass die drei Herren auch gemeinsam wunderbar harmonierten, ließ ihr Vortrag von vier Kantaten aus den 1647 erschienenen Symphoniae sacrae, op. 10 hörbar werden. Schütz kehrt in diesem zweiten Teil seiner Psalmen- und Bibelvertonungen von der lateinischen in die innigere deutsche Sprache zurück. Nicht nur im emphatischen Gotteslob von SWV 363 (»Lobet den Herrn!«) begeistern die drei Sänger durch präzises Zusammenwirken auf Augenhöhe. »Einheit in Verschiedenheit«: Dies könnte als Motto für ihre souveräne Gemeinschaftsleistung dienen. Die vier Instrumentalisten überzeugten in der Interpretation von Johann Ph. Kriegers Triosonate D-Dur. Der 1649 zu Nürnberg geborene und 1725 in Weißenfels verstorbene Tonsetzer veröffentlichte dieses originelle Werk zusammen mit elf weiteren Violinsonaten im Jahr 1688. Auch bei den Kantaten sind Violinen, Violoncello und Basso continuo mehr als nur Begleitung. Sie tragen aktiv zur Entstehung eines kompakten musikalischen Raumklangs bei.

Mit »Ich hebe meine Augen auf«, der einzigen Kantate aus den »Symphoniae sacrae«, op. 12, verabschiedeten sich die sieben Musiker nach knapp anderthalb Stunden ohne Zugabe vom heftig applaudierenden Publikum. Zu Recht. Sie hätte die Wirkung des wunderbaren Konzerts nicht steigern können.

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