25. Januar 2019, 10:00 Uhr

Home-Office

Home-Office: Wie regeln Wetterauer Firmen die Arbeit von zu Hause?

Viele Arbeitnehmer haben die Möglichkeit, zu Hause zu arbeiten – zumindest die, die nur Computer und Internetverbindung zum Arbeiten brauchen. Wie handhaben Wetterauer Firmen das?
25. Januar 2019, 10:00 Uhr
Zu Hause statt im Büro zu arbeiten hat seine Vor- und Nachteile – einerseits ist man für sich, kann in Ruhe arbeiten, andererseits fehlt der Austausch mit den Kollegen. (Foto: fotolia/olezzo)

Der Telekom-Mitarbeiter hat sich angekündigt. Termin: Mittwoch, irgendwann zwischen 8 und 18 Uhr. Unpassend für Berufstätige – zumindest, wenn sie deswegen einen Urlaubstag nehmen müssen. Doch viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern heutzutage an, ihre Arbeit im Home-Office zu erledigen. Eine Möglichkeit, die allerdings nicht allen zur Verfügung steht, sondern bloß für die gilt, die zum Arbeiten nicht mehr als einen Computer und Internet brauchen. Grafiker, Texter und Steuerfachangestellte zum Beispiel. In vielen dieser Schreibtischberufe wird die Arbeit von zu Hause aus immer beliebter. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom haben Beschäftigte in vier von zehn Unternehmen die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten – jährlich werden es mehr.

Da es gerade heutzutage schwer sei, gutes Personal zu bekommen, sei es vorteilhaft, Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten und -Orte anzubieten. Diesen Eindruck hat Frank Hussendörfer, Geschäftsführer der Punktum-Werbeagentur in Bad Vilbel. »Wir sind flexibel, was die Handhabung von Home-Office angeht«, sagt er. 15 Mitarbeiter hat die Firma, verteilt auf die Standorte Bad Vilbel und Leipzig. Feste Regeln für Home-Office gebe es keine, wichtig sei nur: »Die Teamarbeit und die Projekte müssen funktionieren. Es ist immer eine Abstimmungsfrage.« Da im Alltag oft Besprechungen anstünden, seien die Mitarbeiter meist vor Ort. Gerade wenn Kollegen zusammen an einem Projekt arbeiteten, sei der Austausch – »mal eben rübergehen« – oft von Vorteil. Dass Kollegen zu Hause arbeiteten sei daher eine Ausnahme – etwa, wenn das Kind krank ist und nicht in die Kita kann oder ein Arzttermin ansteht.

Auf die Idee, dass die Mitarbeiter zu Hause Blödsinn machen, komme ich nicht

Frank Hussendörfer

Beim Thema fehlende Kontrolle durch Home-Office sieht der Chef allerdings überhaupt kein Problem: »Ich vertraue den Kollegen und weiß, dass sie ein hohes Engagement an den Tag legen. Auf die Idee, dass sie zu Hause Blödsinn machen, komme ich nicht.«

 

Home-Office: Was sind die Vor- und Nachteile? 

Mitarbeiterin Mareike Jünemann arbeitet gelegentlich zu Hause – wenn es mit dem Team und dem Chef abgesprochen ist. »Klar, zwischendurch stellt man mal die Spülmaschine an oder der Postbote klingelt. Aber ich konzentriere mich auf die Arbeit.« Der Vorteil: die Ruhe – »zu Hause lässt es sich zügig durcharbeiten.«

Auch beim Logistiksoftwareunternehmen Inconso mit Hauptsitz in Bad Nauheim nutzen die Mitarbeiter Home-Office, wie Vorstandsvorsitzender Bertram Salzinger berichtet – rund 40 Beschäftigte sogar ausschließlich. »Generelle Präsenzpflicht gibt es nur für bestimmte Aufgaben wie zum Beispiel die Empfangsbesetzung.«

Die Vor- und Nachteile der Arbeit von zu Hause? »Das Home-Office bietet mir die Möglichkeit, Arbeitswege zu ersparen und mehr Freizeit mit der Familie verbringen zu können«, sagt Vertriebsbeauftragter Andreas Spiegel. Auf der anderen Seite erfordere es Disziplin – »wenn es darum geht, Arbeit und Familie strikt zu trennen«. Salzinger ergänzt: Laut einiger Studien sei die Produktivität der Mitarbeiter im Home-Office höher als unter jenen, die permanent im Büro seien.

Es muss der Vergangenheit angehören, dass man für einen Handwerker-Termin einen Tag frei nehmen muss

Peter Rausch

Dass flexible Arbeitsplatzgestaltung für Mitarbeiter wichtiger wird, merkt auch die Sparkasse Oberhessen. So gebe es die Möglichkeit, dass Mitarbeiter an bestimmten Tagen an einem wohnortnahen Standort arbeiteten. Für diese Fälle habe die Bank zahlreiche buchbare Büros. Arbeiten im Home-Office sei tageweise möglich. »Gerade bei Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder weiteren Anfahrtswegen zur Arbeitsstätte treffen wir hier individuelle Vereinbarungen.«

Auch bei der Volksbank Mittelhessen gebe es schon viele Jahre Home-Office-Konzepte – etwa für Mitarbeiter im Bereich Finanzen oder Personalentwicklung, berichtet Personalmanagement-Direktor Peter Rausch. Aktuell stehe man vor Abschluss einer Betriebsvereinbarung zum Home-Office. »Damit wollen wir klar definieren, in welchen Funktionen mobiles Arbeiten möglich ist.« Denn: »Zeitsouveränität der Mitarbeiter ist ein hohes Gut. Es muss der Vergangenheit angehören, dass man für einen Handwerker-Termin einen Tag Urlaub nehmen muss.«

Info

Home-Office steuerlich absetzen

Wer die Arbeit im Home-Office von der Steuer absetzen will, muss einige Kriterien beachten. So ist es nur möglich, den heimischen Arbeitsplatz in der Steuererklärung geltend zu machen, wenn der Arbeitgeber keinen Arbeitsplatz zur Verfügung stellt, erklärt Steuerberater Stefan Langsdorf von der W+ST Wetterauer Treuhand GmbH, Steuerberatungsgesellschaft in Friedberg. »In diesem Fall kann man Arbeitszimmerkosten zu 100 Prozent absetzen – prozentuale Anteile von Miete, Strom oder auch Hausratversicherung.« Aber: »In dem Moment, in dem Ihnen ein Arbeitsplatz zur Verfügung steht, Sie aber auch ab und zu im Home-Office arbeiten, ist es nicht absetzbar.« Wer keinen Arbeitsplatz in der Firma hat und nur zu Hause arbeitet, müsse beim Arbeitszimmer einiges beachten, um sich steuerliche Vorteile zu sichern: So dürfe das Arbeitszimmer ausschließlich zum Arbeiten genutzt werden – also weder eine Gästecouch noch ein Heimkino dürfen im selben Raum sein. Auch Durchgangszimmer oder eine extra eingerichtete Arbeitsecke im Wohnzimmer können nicht abgesetzt werden. Anders sei es allerdings bei sogenannten Arbeitsmitteln, diese sind unabhängig vom Home-Office: Wer zum Beispiel einen Schreibtisch kaufe und auf diesem teilweise Dinge für die Arbeit erledige, kann diesen von der Steuer absetzen.

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