09. Februar 2017, 20:00 Uhr

Gardetanz

Höchstleistung im Pailletten-Kleid

Wenn Gardetänzerinnen auf der Bühne stehen, sehen Spagat, Handstand und co. leicht aus. Dass dahinter monatelanges Training mit schmerzhaften Erfahrungen steckt, darüber machen sich viele keine Gedanken. Alisa Herget und Luca Müller trainieren das ganze Jahr für ihre Auftritte bei den Faschingsveranstaltungen in Wölfersheim. Abhalten kann sie das genauso wenig wie die kratzenden Garde-Kostüme.
09. Februar 2017, 20:00 Uhr
Dehnen bis an die Schmerzgrenze: Zum Glück sind Alisa Herget (l.) und Luca Müller ein perfekt eingespieltes Team. (Fotos: vpf)

Es ist Dienstag, das bedeutet: Noch vier Tage bis zur ersten Sitzung des »CCW - Die Motten«. Für die »Tanzmariechen« Alisa Herget und Luca Müller heißt das: Sie können ihre Choreographie noch drei Mal üben, bevor es ernst wird. Dann muss jeder Schritt sitzen.

Am Anfang ist Dehnen angesagt, die 15-jährige Luca legt sich auf den Boden, Alisa drückt ihr Bein so weit es geht über den Kopf nach unten. »Aua, das tut weh!«, schreit Luca. Auch, wenn sie ein Lächeln im Gesicht hat: Der Akrobatikteil fällt ihr am Schwersten. Trainerin Natascha Koch kennt kein Pardon und drückt ihr Bein noch weiter nach unten: »Wer noch Luft zum Quasseln hat, kann noch zehn Zentimeter tiefer.«

In der Wetterauhalle hängen schon Bahnen voller Luftballons in den Vereinsfarben blau und weiß. 250 Leute werden am Samstag hier sitzen und den Tanzmariechen bei ihrem Auftritt zusehen. Als die beiden das erzählen, steigt die Nervosität. »Nicht drüber nachdenken, Alisa«, beruhigt Luca ihre Tanzpartnerin und Freundin.

Die beiden Wölfersheimerinnen kennen sich schon seit ihrer Kindergartenzeit. Sie sind perfekt aufeinander eingespielt und verstehen sich ohne Worte. »Das muss auch so sein, wir müssen am Gesicht der anderen ablesen können, wenn was nicht stimmt«, sagt die 14-jährige Alisa. Und das kommt trotz einem Jahr Training vor der Faschingszeit schon mal vor. So wie letztes Jahr: »Während des Auftritts ging auf einmal die Musik aus und wir mussten uns schnell was einfallen lassen«, erinnert sich Alisa. Doch alles ging gut: Ein Blick zwischen den beiden genügte und schon konnten sie improvisieren. Gemerkt hat das niemand – außer einer: Trainerin Natascha. »Die merkt alles«, sagt die 25-Jährige über sich selbst und lacht. »Schließlich habe ich euch schon an der Backe, seit ihr winzig klein wart.«

Gerade mal drei Jahre alt war Alisa Herget als sie angefangen hat, bei den Motten zu tanzen. Dabei ist bei ihr das Klischee der Faschingsfamilie, in der jedes Kind quasi schon in den Windeln Vereinsmitglied wird, nicht erfüllt: »Meine Familie interessiert sich gar nicht für Fasching. Das war einfach das, was ich machen wollte: Tanzen und auf der Bühne stehen.

« Trotzdem ist ihre Mutter ihr größter Fan, sitzt bei jedem Auftritt in der ersten Reihe und jubelt. Dieses Gefühl kennt die 15-jährige Luca nicht: »Mein Vater war noch nie dabei.«

Spagat, Brücke, Handstand – in der Choreographie der beiden Wölfersheimerinnen ist alles dabei. Seit über zehn Jahren trainieren sie drei Mal pro Woche. Eines habe sich in all der Zeit nie geändert: »Der Muskelkater hört nie auf«, sagt Alisa. Luca ergänzt: »Manchmal ist es so schlimm, dass ich in der Schule nicht die Stufen hoch zum Klassenraum schaffe. Es kommt immer mal wieder vor, dass mich dann jemand die Treppe hochträgt.« Abhalten könne sie das aber nicht. Im Gegenteil: Noch nicht ein Mal habe sie daran gedacht, aufzuhören: »Ich mache das ja freiwillig. Wenn ich keinen Bock mehr hätte, könnte ich es ja lassen.« Dass die beiden Spaß haben, ist nicht zu übersehen. Egal, wie sehr Alisa und Luca aus der Puste sind, sie hören nie auf zu lächeln. Trotzdem: Die Angst, sich zu verletzen schwingt mit. »Oft denke ich: Entweder brech’ ich mir jetzt den Hals oder es funktioniert«, sagt Luca.

Im Training tragen die Tanzmariechen noch Jogginghosen und Sportshirts, am Samstag schlüpfen sie dann in ihre paillettenbesetzten Gardekleider. Alisa freut sich schon, wenn es soweit ist: »Die Kostüme kratzen zwar wie die Hölle, aber sie sind so schön, dass mir das egal ist.«

Übrigens: Ein Geheim-Rezept gegen Lampenfieber haben die Faschingsprofis auch nach zehn Jahren noch nicht, erzählt Luca. »Die letzten Sekunden, bevor das Licht auf der Bühne angeht, sind die schlimmsten. Da denke ich jedes Mal: Ich will nicht, ich kann das nicht.« Sobald sie anfangen zu tanzen, sei die Aufregung aber verflogen, sagt Alisa. Wenn am Ende alle klatschen, sei das die größte Belohnung, fügt Luca hinzu: »Dann weiß man, das man das alles nicht umsonst macht.«

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