18. Januar 2019, 18:56 Uhr

Historische Kleinode

18. Januar 2019, 18:56 Uhr

Dorheim, vor fast 1250 Jahren urkundlich erwähnt und damit ältester Stadtteil Friedbergs, hat einige »historische Perlen« zu bieten, auch wenn kaum jemand davon Kenntnis nimmt. Ortsvorsteher Dr. Klaus Rack und Ruth Müller, Sprecherin des NABU Friedberg, nahmen das zum Anlass, den Grenzgang zum Jahresbeginn einmal etwas anders aufzuziehen. Die Idee kam gut an, es fanden sich fast 40 Gäste zu diesem Rundgang entlang früherer innerörtlicher Bebauungsgrenzen ein.

Das historische Zentrum von Dorheim mit dem ehemaligen Wasserschloss wird eingerahmt von zwei der drei bedeutenden Gutshöfe. Der Dritte liegt etwas abseits an der Straße Richtung Fauerbach. Diesem Hof entstammte der Abgeordnete im Landtag des Großherzogtums Hessen, Karl Breidenbach. Ihm hat der Ort nach einem Fast-Unfall hessischer Minister im Jahr 1907 die örtliche Beschrankung des Bahnübergangs der Horlofftalbahn zu verdanken. Bereits 1897 wurde die Anbindung über Friedberg nach Frankfurt und Gießen geschaffen und sorgte für einen deutlichen Aufschwung des Ortes.

Ein Kuriosum dann an der Bergwerkstraße/Carl-Pfeffer-Straße. »Leider ist den Verantwortlichen bei der Beschilderung ein peinlicher Fehler unterlaufen«, erläuterte Rack. Pfeffers Vorname lautete Karl, dafür schrieb sich der Namensgeber der Karl-Ulrich-Straße mit C. »Ändern wollte das aber auch niemand mehr – also leben wir weiter mit einer Ungenauigkeit«, so Rack.

Zwei protestantische Gemeinden

Historisch gab es zwei verschiedene protestantische Kirchengemeinden, eine reformierte mit Sitz in der Johanniskirche und eine lutherische mit der heute nicht mehr vorhandenen Georgskirche. 1953/54 wurde dann noch die katholische St.-Anna-Kirche in Dorheim errichtet.

Etwas umfangreicher waren die Erläuterungen an der um 1750 gebauten Georgskirche, die lange parallel zu der evangelisch-reformierten Gemeinde mit der Johanniskirche genutzt wurde. Danach wurde das Gebäude zum Kinderhort – im Volksmund die »Kinnerschul« genannt.

War Dorheim in der Region besonders bedeutend? Die Schlossherren hatten bis weit ins 16. Jahrhundert den Vorsitz im kaiserlichen Wassergericht der Wetterau. Lange gehörte auch die früher unbedeutende Gemeinde Nauheim zum Amt Dorheim. Und es gibt Hinweise darauf, dass sich Georg Büchner auf seiner Flucht kurzfristig in Dorheim aufhielt. Mit einem Abstecher zum Friedhof und in die Johanniskirche ging es dann zum Wohnhaus der Familie Rack, wo der Abschluss des gelungenen Sonntagsspaziergangs mit Ruth Müllers selbst gebackenen Plätzchen und Stollen stattfand. Der dazu gereichte heiße Apfelsaft und -wein wurde ebenso dankend angenommen.

Weitere Informationen unter www.NABU-Friedberg.de.

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