09. Juni 2019, 18:00 Uhr

Protest gegen »Landfraß«

Hessen Mobil: Auf neue Straße kann auch verzichtet werden

Wird die neue Landesstraße nach Bruchenbrücken, die keiner in Friedberg will, am Ende doch nicht gebaut? Hessen Mobil erläutert den Stand der Dinge.
09. Juni 2019, 18:00 Uhr
Das Tal der Wetter in Höhe der Görbelheimer Mühle ist ein herrliches Stück Natur. Würde eine neue Landesstraße gebaut, müssten einige Hektar wertvollen Ackerlandes asphaltiert werden. Diese Pläne wandern nun womöglich in den Reißwolf. (Foto: Stadler)

Die Landesstraße 3351 ist in keinem guten Zustand. Die Decke hat Risse und weist schadhafte Stellen auf. Eigentlich ist die Straße viel zu eng. Genauso wie der Bahntunnel, der mit einer Ampel geregelt wird und immer nur in einer Richtung befahren werden kann. Ein Radweg fehlt auch; der Usatal-Radweg endet in Höhe von Fauerbach. Bis Bruchenbrücken sind es von hier rund 2,4 Kilometer. Im November 2016 kündigte Hessen Mobil an, diesen Abschnitt sanieren zu wollen. Seitdem bekannt wurde, dass sogar eine neue Trasse gebaut werden soll, die durch die Äcker der Landwirte verläuft, regt sich Widerstand.

Die Bauern gehen auf die Barrikaden, wollen ihre Felder nicht zerschneiden lassen. »Landraub« warfen sie den Straßenplanern vor. Die Bruchenbrückener befürchten, ihre enge Ortsdurchfahrt könne von Lastwagen als Abkürzung Richtung Frankfurt missbraucht werden. Und mitten drin stecken die Bewohner der Görbelheimer Mühle, die gerne weniger Verkehr (und vor allem weniger Raser) direkt vor ihrer Haustür hätten, auf neue Asphaltpisten, die wertvolles Ackerland zerstören, aber auch verzichten können.

Und nun womöglich ein Lichtblick: Im Parlamentsausschuss für Energie, Wirtschaft und Verkehr erläuterte Jürgen Heiß von Hessen Mobil den Stand der Dinge. Die Stadtverordneten hatten im April eine neue Variante ins Spiel gebracht, Bürgermeister Dirk Antkowiak hatte Hessen Mobil die Bedenken in einem Gespräch im Rathaus erläutert.

Im Ausschuss nun stellte Heiß noch einmal die verschiedenen Ausbau- und Sanierungsvarianten vor und erläuterte Vor- und Nachteile. Klar ist, dass der Bahntunnel erneuert wird. Er wird größer, die Ampelregelung fällt dann weg. Auch der Radweg soll noch durch den Tunnel passen. Wo genau dieser neue Tunnel gebaut wird, steht allerdings noch nicht fest. Das hängt davon ab, ob eine neue Trasse gebaut oder nur die Decke der alten Straße saniert wird.

Alte Straße, aber neuer Radweg

Zwar ist der Ausbau der alten Trasse nach den heutigen Vorschriften nicht möglich. Alleine die fehlende Fahrbahnbreite spricht dagegen. Doch wie in der Ausschusssitzung deutlich wurde, könnte Hessen Mobil »auch auf den Ausbau verzichten und nur den Radweg bauen«, wie Heiß sagte. »Die alte Straße würde so bleiben, bekäme eine neue Decke.« Für den Radweg seien dann neue Planungen nötig. Wo der Radweg verlaufen soll, könne er momentan nicht sagen. Die entsprechende Entwurfsplanung liege dann aber nicht mehr in diesem Jahr vor.

Hessen Mobil plane nicht gegen den Willen der Stadt und der Bürger, betonte Heiß. »Zum Tunnel besteht Konsens«, fasste Daniel Stehr (SPD) die Sachlage zusammen und kündigte die Formulierung eines entsprechenden Antrags in der Stadtverordnetenversammlung an, der im Namen aller Fraktionen eingebracht werden soll: Ausbau des Bahntunnels, Verzicht auf eine neue Trasse, die durch die Felder verläuft und mehrere Hektar wertvollen Ackers vernichtet, stattdessen Bau eines Radwegs durch Hessen Mobil. Der Vorschlag, Tempo 30 in Höhe der Görbelheimer Mühle einzurichten, hat keine Chance auf Umsetzung. »Das ist eine Landesstraße, wir müssen Vorschriften beachten«, sagte Erste Stadträtin Marion Götz.

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