28. Juli 2018, 18:00 Uhr

Hund weg

Herrchen und Frauchen in Panik

Wenn Haustiere verschwinden, machen sich die Besitzer oft große Sorgen. Anja Unger und Cornelia Otte helfen dabei, dass vermisste Tiere wieder nach Hause kommen. Oft, aber nicht immer, gibt es ein Happy End.
28. Juli 2018, 18:00 Uhr
Oh je! Da hat sich ein Hund losgerissen und ist weggelaufen. Passiert so etwas in Wetterau und Umgebung, setzen Anja Unger und Cornelia Otte auf Wunsch der Besitzer auf ihrer dafür ins Leben gerufenen Facebook-Gruppe einen entsprechenden Post ab. Oft werden entlaufene Haustiere wiedergefunden. (Foto: dpa)

Wann sollten Besitzer die Suche nach einem entlaufenen Hund aufgeben? »Nie«, sagt Cornelia Otte. Zumindest nicht, solange es keine Meldung über den Tod des Tieres gebe. Denn: »Hunde können Monate bis Jahre draußen überleben.« Darum wird auch bis heute nach Lou gesucht. Mit der Hovawarthündin fing alles an.

Lou verschwand Ende Oktober 2014 in Grünberg. Im sozialen Netzwerk Facebook wurde das Bild der Hündin herumgeschickt, Nutzer wurden gebeten, bei einer Sichtung die Besitzer zu benachrichtigen. Anja Unger aus Florstadt beteiligte sich an der Suche.

 

Heute 3400 Freunde auf Facebook

 

»Ich habe festgestellt, dass es viele regionale Gruppen für die Suche nach Haustieren gab, allerdings keine für die Wetterau«, sagt Unger. Kurzerhand rief sie die Gruppe »Wetterau & Umgebung Haustiere vermisst/zugelaufen« ins Leben. Heute hat diese über 3400 Freunde. Viele von ihnen werden aktiv, wenn ein Tier verschwunden ist. Etwa, indem sie die von Otte und Unger verfassten Suchaufrufe teilen und so dabei helfen, die Anzahl potenzieller Finder zu erhöhen.

Cornelia Otte

Manche Gruppen-Mitglieder unterstützen auch anderweitig: Verteilen etwa in ihren Wohnorten Flyer mit Fotos und Beschreibung des Tiers. Auch Ottes und Ungers Engagement endet nicht mit dem Verfassen eines Facebook-Posts. »Wir leisten Tierbesitzern auch seelischen Beistand, schließlich befinden sie sich in einem Ausnahmezustand, sind oft fix und fertig«, sagt Otte. Die Frauen stellen zudem Kontakt zum professionellen Tiersucher her.

Am meisten wird in der Facebook-Gruppe nach entlaufenen Katzen gesucht. Gefolgt von Hunden. Aber auch Suchaufrufe nach Vögeln, Schildkröten und Pferden wurden bereits geteilt. »Mit der Zeit bekommt man ein Fachwissen zum Thema Tiersuche«, sagt Otte. Die in Cölbe bei Marburg lebende 55-Jährige ist für den Verein Tierhilfe ohne Grenzen aktiv, nimmt Pflegehunde aus dem Ausland auf. »Da gibt es am Anfang nach der Vermittlung immer ein Risiko, dass sie entlaufen«, sagt Otte. Es sei wichtig, sie richtig zu sichern. Oft würden Hunde aber auch weglaufen, weil sie sich erschrecken oder der Jagdtrieb durchkomme.

 

Mit Futter und Falle

 

Melden sich Herrchen und Frauchen dann bei Unger und Otte, bekommen sie Tipps. Otte rät: »Am besten man bleibt am Entlaufort.« Die Erfahrung zeige, dass Hunde dorthin zurückkehren oder – falls ihr Zuhause nicht zu weit entfernt ist – den Heimweg einschlagen. Klappe das nicht, solle man das Verschwinden über Facebook und Flyer bekannt machen und bei Sichtungen Futterstellen anlegen, die auch mittels Kamera überwacht werden könnten. »Bleibt der Hund an einer Futterstelle, ist es immer die erste Option, ihn mit einer Falle zu fangen.«

Genau so wurde kürzlich beim sogenannten Autobahnhund vorgegangen: Wochenlang war die acht Jahre alte Hündin Amy entlang der A 5 und A 45 in Mittelhessen unterwegs. Autofahrer sahen sie immer wieder, der Polizei zeigte sie sich nie. »Sie dachte schon, sie jage einem Phantom hinterher.« Ende Juni konnte Amy eingefangen werden. Unger und Otte halfen bei der Suche, brachten Flyer an Raststätten an.

 

Keine Hetze im sozialen Netzwerk

 

Nicht nur entlaufene, sondern auch gefundene Haustiere werden auf der von den Frauen ins Leben gerufenen Facebook-Seite gemeldet. »Findet man ein Tier, muss immer auch direkt das Tierheim Wetterau informiert werden«, sagt Unger. »Bei Hunden auch die Polizei.«

Anja Unger

In der Facebook-Gruppe gibt es Regeln. Gehetzt werden darf nicht. Auch nicht, wenn der Besitzer eine Mitschuld daran hat, dass sein Tier weg ist. »Natürlich ist es blöd, wenn ein Kater nicht kastriert ist und 30 Kilometer bis zur nächsten rolligen Kätzin läuft«, nennt Otte ein Beispiel. Aber das könne hinterher geklärt werden, zunächst müsse man Betroffenen beistehen. »Erst kommt die Hilfe, dann die Aufklärung.«

Nicht immer ist die Suche via Facebook von Erfolg gekrönt: Es gibt Tiere, die bleiben verschwunden. So wie Lou. Oder Tiere, die tot gefunden werden. Unger: »Wenn das passiert, stehen die Gruppenmitglieder den Besitzern mit tröstenden Worten bei, es ist eine sehr schöne Gemeinschaft.« (Fotos: nic)

Info

Ein Chip kann helfen

Wer eine Katze oder einen Hund findet, kann beim Tierarzt oder im Tierheim prüfen lassen, ob das Tier gekennzeichnet ist. Viele Tiere tragen einen Mikrochip im linken Halsbereich unter der Haut. Der Transponder, gesetzt vom Tierarzt, enthält eine Kennnummer, die ausgelesen werden kann. Mit der Nummer können Besitzer ihr Tier kostenlos registrieren lassen – bei Tasso oder dem Deutschen Haustierregister. Wird das Tier gefunden, lässt es sich durch die Nummer zweifelsfrei zuordnen. Die Registerstelle informiert dann das Herrchen. Eine generelle Pflicht zum Registrieren gibt es in Deutschland nicht. Viele Tierärzte und Tierschützer raten jedoch dazu. (lk/bf)

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