21. September 2017, 11:00 Uhr

Badesalz-Hälfte

Henni Nachtsheim macht Comedy mit Flügeln

Als eine Hälfte von Badesalz ist Henni Nachtsheim bekannt. Doch er kann auch solo, wie er am 5. Oktober in Friedberg beweisen wird. Vorab spricht er über Lampenfieber, Ideen und eine Betrunkene.
21. September 2017, 11:00 Uhr
Einen tierischen Buddy bringt Kult-Comedian und WZ-Kolumnist Henni Nachtsheim am 5. Oktober mit in die Friedberger Stadthalle: Stubenfliege Gisela. (Fotos: Harald Friedrich/pv)

Warum ist Gisela eine Stubenfliege und nicht Hund, Katze, Maus?

Henni Nachtsheim: Die Wahrheit ist, ich mag es sehr, wenn ich einen erfundenen Buddy auf der Bühne habe, das erleichtert die Erzählform. Als ich im Wohnzimmer saß und über ein neues Programm nachgedacht habe, kam eine Stubenfliege reingeflogen. Wenn das kein Zeichen war. Und jetzt wird Gisela von den Leuten sehr gemocht.

Denken Sie mittlerweile bei jeder Fliege: Vorsicht, Gottes Geschöpf, bloß nicht draufhauen?

Nachtsheim: Ich habe seitdem keine einzige Fliege mehr kaputtgemacht. Es geht nicht mehr. Wenn eine Fliege an der Scheibe ist und es nicht rausschafft, nehme ich ein Glas und einen Bierdeckel, fange sie ein und lasse sie frei. Auch Freunden, die das Programm gesehen haben, fällt es seitdem schwer, die Fliegenklatsche zu benutzen.

Viele Badesalz-Kultszenen haben ihren Ursprung darin, dass Sie und Gerd Knebel aufgeschnappt haben, was Leute so sagen. Was ist für ein Solo-Programm wie »Gisela« die Inspiration?

Nachtsheim: Bei »Gisela« läuft das ähnlich ab, wobei ich vielleicht auch nach anderen Dingen suche. Am Ende des Programms gibt es einen Dialog, bei dem sich Frauen im Garten eines Seniorenheims unterhalten. Ich hatte in einem Altersheim einen sehr lustigen Dialog gehört. Das war die Inspiration. Oder: Ich habe eine Dokumentation darüber gesehen, dass Raben schlau sind, also habe ich eine Nummer über den Raben als Haustier gemacht. Das Thema springt einen an, man wird hingeleitet, aber man muss es auch erkennen.

Wenn ein Gag nicht lustig ist, dann lacht auch dein bester Freund nicht

Henni Nachtsheim

Mit wem testen Sie, ob der Humor funktioniert? Oder sind Sie so routiniert, dass Ihnen eh klar ist, dass die Leute lachen werden?

Nachtsheim: Mit Routine wäre ich ganz vorsichtig, genauso wie mit »Heimspiel«. Das könnte für uns Künstler den Tod bedeuten. Wenn ein Gag nicht lustig ist, dann lacht auch dein bester Freund nicht. Bei Badesalz, bei meinem Solo-Programm und bei »Dollbohrer« machen wir keine Vorpremiere. Bei Badesalz proben wir und verlassen uns auf unseren Geschmack. Man ist heillos aufgeregt, aber ich will keine Vorpremiere, denn dann müsste die so perfekt sein wie die Premiere, also würde ich mich doppelt verrückt machen.
 

Apropos, wie sieht es mit dem Lampenfieber aus?

Nachtsheim: Ich bin abends die letzte Stunde vorher schon angespannt. Neulich hatte ich an zwei Abenden jeweils einen Auftritt in Oberursel. Der erste lief super, und trotzdem war ich am nächsten Abend wieder angespannt. Ich bin vor Auftritten nervös, und wenn ich mal ausnahmsweise locker bin, macht mich das wiederum nervös. Ich glaube aber, dass ich viel Kraft aus der Anspannung ziehe, wenn ich auf der Bühne stehe. Und da ist sie ja dann auch weg… zum Glück!

Ist es beim »Gisela«-Programm schwieriger auf der Bühne als im Badesalz-Duo, weil man sich die Bälle ja mit niemandem zuwerfen kann, höchstens mit dem Publikum?

Nachtsheim: Ja, solo ist es schwieriger, man muss viel mehr Text lernen. Das merke ich auch daran, wie viel ich trinken muss, denn der Mund wird trocken. Bei Badesalz geben wir uns Stichworte. Wenn einer von uns mal einen Satz vergisst, bastelt der andere etwas, sodass das Publikum es gar nicht merkt. Man erzählt auch andere Sachen, was auch mit der Live-Form zu tun hat. Bei Badesalz schlüpfen wir in Rollen. Beim Solo-Programm bin ich schon ich selbst. Ich erzähle zum Beispiel eine Geschichte über meine Kinder, die auch gut funktioniert.

Friedberg ist tatsächlich eine Stadt, die immer freundlich zu uns ist

Henni Nachtsheim

Gibt es eigentlich Typen im Publikum, die Sie gar nicht ausstehen können, die echt anstrengend sind?

Nachtsheim: Wenn jemand meint, dauernd etwas Lustiges reinrufen zu müssen oder einen im Tee hat. Solche Fälle haben wir aber ganz selten. Wenn einer sehr nerven würde, dann würde ich von der Bühne aus versuchen, ihn ruhigzustellen. Neulich saßen ein paar Jungs an einem Tisch, die schon einen im Tee hatten, da kam ein Bembel nach dem anderen. Die haben irgendwann angefangen, »uiuiuiuiui« zu rufen. Ich habe sie dann gebeten, das sein zu lassen – und es war ruhig.

Gab es mal eine Situation, die Sie völlig aus dem Konzept gebracht hat?

Nachtsheim: Ja, wenn das Mikro nicht funktioniert oder in der ersten Reihe jemand aufsteht, um pinkeln zu gehen. Gerd kann da besser drüber wegspielen als ich. Es gab mal eine betrunkene Frau, die nicht mehr zwischen Comedy und Realität unterscheiden konnte. Sie schrie: »Ich will das wirklich nicht wissen, das ganze Zeug.« Wir haben unterbrochen, die Frau wurde rausgebracht, hat sich dann aber im Türrahmen festgekrallt, das hat uns ziemlich aus dem Konzept gebracht.

Am 5. Oktober treten Sie in Friedberg auf. Was verbinden Sie mit der Stadt?

Nachtsheim: Wir haben dort eine ganz tolle und lange Tradition an Auftritten. Wenn man in einer Stadt immer willkommen geheißen wird, dann verbindet man etwas Positives mit ihr. Wir wissen extrem zu schätzen, dass dort immer so viele Leute zu uns kommen. Friedberg ist tatsächlich eine Stadt, die immer freundlich zu uns ist.

Was hoffen Sie, nimmt der Zuschauer und Zuhörer mit, wenn er nach der Vorstellung den Saal verlässt?

Nachtsheim: Mir würde es reichen, wenn er unterhaltsame, lustige zwei Stunden gehabt hat, wenn er zufrieden nach Hause geht. Schließlich mache ich kein politisches Kabarett und bin auch keiner, der die Welt erklärt. Aber die Leute zum Lachen bringen oder sie mit amüsanten Storys zu unterhalten, mache ich schon gerne!

Info

Vorverkauf für Friedberg-Auftritt

Mit seinem Programm »Gisela« tritt Henni Nachtsheim am Donnerstag, 5. Oktober, in der Stadthalle Friedberg (Am Seebach 2) auf. Los geht’s um 20 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf bei den Geschäftsstellen der Wetterauer Zeitung und im Internet unter www.tickets-wetterau.de. (agl)

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