18. März 2019, 20:12 Uhr

Heiteres aus dem Gotteshaus

18. März 2019, 20:12 Uhr
Die Einnahmen des Kabarett-Abends kommen der Renovierung des Gemeindehauses zugute, denn das muss dringend renoviert werden: Das Dach ist undicht, und im Foyer soll ein Aufzug errichtet werden, damit oben zwei zugängliche Büros entstehen können. (Fotos. udo)

Das »Erste Allgemeine Babenhäuser Pfarrer-Kabarett« in der evangelischen Kirche hat in Dialogen und Monologen seine Sicht der säkularen und der profanen Dinge entwickelt, und riss das gut gelaunte Publikum mit. Hans-Joachim Greifenstein und Clajo Herrmann berichteten vom klerikalen Geschehen und der Außenwelt. Das Reformationsjubiläum sei vorbei, es bleibe der in vielfacher Hinsicht »fortlaufende Betrieb«.

Verwunderlich sei, dass überhaupt noch so viele Leute in den Kirchen anzutreffen seien. Oft beutele einen da der »ökumenische Phantomschmerz«. Aber noch keiner der Kirchenfremden habe das Weihnachtsgeld zurückgegeben. Keiner von ihnen wolle bei aller Säkularisierung an Ostern freiwillig arbeiten gehen. Jesus habe noch Fischer bei sich gehabt »und keine Fischstäbchen«. In den anderen Vereinen gehe es genauso zu.

Die Gäste folgten amüsiert der dichten Abfolge durchdachter spitzer Bemerkungen. Sie erfuhren, dass es auf gute Laune mit dem festen Blick auf die Tatsachen ankomme. Ein Exkurs über das Alter schloss sich an. Am Ende zähle nur noch die Übersicht, und auch die gehe verloren. Das meiste im Leben sei unnötig, daher dominiere Werbung den Alltag. Dem desillusionierenden Konfirmationsunterricht und dem Alten Testament galten weitere heitere Ausführungen.

Die religiösen Hintergründe des Aktienhandels wurden durchdacht beleuchtet. Was ein kultivierter Erfahrungsaustausch sein kann, war jetzt zu erleben, und wie man auf der Suche nach geraden Bananen eine ganze erwachsene Supermarkt-Crew in Konfusion und Panik versetzen kann. Die Pfarrer suchten Religionsersatz in der modernen Welt und stießen auf große Authentizität beim Fußball und in der verwissenschaftlichten Ernährung.

Sie befanden: »Die Leute sind fromm, auch wenn sie es nicht merken.« Ausblicke in die Zukunft des Kapitalismus folgten. Entzückt war das gutgläubige Publikum über das Loblied auf die Existenz als Hesse. Der Referent hatte seine Jugend in Seligenstadt zugebracht, ein Jahrzehnt lang immer nur über den Main auf Bayern geschaut, und wusste, was er sagte. Ein Überblick über die prägendsten Gestalten der Landesgeschichte machte Mut.

Kino- und Puppentheatererlebnisse mit einem überempathischen Publikum sorgten für Heiterkeit. Das Referat über unnütze Erbschaften bestach durch zielsichere Formulierungen. Das Szenario einer überelektrifizierten Welt riss das Publikum mit und Szenen aus dem Zusammensein rundeten den abwechslungsreichen und amüsanten Abend ab. Die Akteure improvisierten begeistert aufgenommene Zugaben und wurden zum Schluss mit langem Applaus verabschiedet.

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