Wetterau

Heimatkunde am Kerbsonntag

In einer Veranstaltung der katholischen Kirchengemeinde führte Norbert Bewerunge, Pfarrer im Ruhestand, am Kerbsonntag unter besonderer Berücksichtigung der Wehranlagen an der Klostermauer entlang. Die angesichts des Termins und der Hitze gut besuchte Führung begann vorm Westportal der Basilika.
27. August 2019, 20:23 Uhr
Udo Dickenberger

In einer Veranstaltung der katholischen Kirchengemeinde führte Norbert Bewerunge, Pfarrer im Ruhestand, am Kerbsonntag unter besonderer Berücksichtigung der Wehranlagen an der Klostermauer entlang. Die angesichts des Termins und der Hitze gut besuchte Führung begann vorm Westportal der Basilika.

Der Referent blickte auf die Baugeschichte der Kirche zurück. Die Sicherung der leicht in Schräglage geratenen Türme bereite große Schwierigkeiten. Stützende Balken im Untergrund seien verfault. Ein Problem sei zudem der weiche Lehmboden. Bewerunge wies auf den großen Aufwand bei der Gestaltung des Nordturms hin. Die verlorene Pfarrkirche sei die erste Klosterkirche gewesen, in der Gottfried zunächst bestattet wurde. Dass die Basilika nicht exakt geostet sei, könne an beim Bau bereits vorhandenen cappenbergischen Bauten liegen.

Da eine Überführung der Reliquien des Klostergründers in die große Kirche gewiss nicht vor deren Fertigstellung erfolgt sei, gewinne man erste begründete historische Daten. Die sogenannte Michaelskapelle über der Vorhalle sei als Nonnenchor geplant gewesen. Da dann indes eine Trennung der Männer- von den Frauenklöstern zum Programm der Prämonstratenser wurde, sei der Frauenchor überflüssig und der Nonnenhof tief im Tal erforderlich geworden.

Deutlich sei bei einigen Formen der Basilika der italienische Einfluss zu erkennen. Ein Bereich der überhohen Friedhofsmauer sei zuvor eine Wehrmauer gewesen. Als es galt, die Unabhängigkeit von der Mittelrheinischen Reichsritterschaft in der Burg Friedberg zu demonstrieren, wurde in den an Gebäuden angebrachten Wappen das cappenbergische Wappen mit den zwei Schrägbalken verwendet.

Bewerunge gab einen Überblick über die Klosterangestellten und den Viehbestand und sprach von einem riesigen Wirtschaftsbetrieb. Er erklärte die Anlagen und deren Funktion für die Wirtschaft. Durch den großen Brand im Dezember 1963 sei vieles verloren gegangen. Zahlreiche Arbeiten wurden laut Bewerunge beim Bau der beeindruckenden barocken Anlage hausintern erledigt; die Fenstergitter im Erdgeschoss des Prälaten- und Konventgebäudes wurden von der Klosterschmiede hergestellt. Der »Schlag« zwischen dem Gartenportal und dem Gottfriedsbogen diente der Verteidigung - nicht vor Truppen, sondern vor Räuberbanden.

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