27. März 2019, 19:02 Uhr

Heimat im Alten Hallenbad

27. März 2019, 19:02 Uhr
Drei von 20 »Theater-Helden« sind (v. l.) Andreas Arnold, Eva Römer und »Helden-Macher« Burkhard Struwe. Mit einer kleinen Anzeige in der Wetterauer Zeitung ist das Projekt so richtig ins Rollen gekommen. (Foto: lod)

Wäre Burkhard Struve 2008 nicht »der Liebe wegen« in die Kreisstadt gezogen, dann würde es das Helden-Theater Friedberg nicht geben. Der Vorsitzende des Theatervereins hatte die Gruppe bereits 1991 in Frankfurt-Rödelheim gegründet und nach dem Stück »Helden oder der Schokoladensoldat« von George Bernard Shaw benannt.

»Das war das erste Stück, das wir gespielt haben«, erinnert sich Struwe, der mit seiner Truppe durchweg »literarisch wertvolle Komödien« inszenierte. Nach seinem Wegzug riss der Kontakt zu den ehemaligen Mitspielern nach und nach ab. Die Schauspielerei wollte der kaufmännische Angestellte jedoch nicht lassen. Mit einer kleinen Anzeige in der Wetterauer Zeitung suchte er Mitstreiter.

Der Erfolg war enorm. »Eine weitere Zeitung und sogar HR 2 berichteten darüber«, erinnert sich Struwe, den das Theaterspielen seit seiner Schulzeit nicht mehr losgelassen hat. Einer der ersten, der sich bei Struwe gemeldet hatte, war Andreas Arnold, in der Wetterau auch als Poetry-Slammer und Kinderbuchautor bekannt.

»Zwei Wochen später wurde ich zum Kassierer gewählt«, erinnert sich der Kreisstädter. Mit dem Gemeindezentrum West fanden die »Helden« schnell einen Probenraum. Als erstes Stück wurde »Der Revisor« von Nikolai Gogol aufgeführt. »Das war das erste Theaterstück, in dem ich in der Schule mitgewirkt habe«, sagt Struwe. »Ich hatte erst eine kleine Rolle, am Ende waren es vier«, sagt Arnold, der bis heute die Kasse des kleinen Vereins verwaltet. Gespielt wurde im Albert-Stohr-Haus.

In der von den Besuchern hochgelobten aktuellen Inszenierung »Unsere kleine Stadt« von Thornton Wilder spielt sie mit ihrem Vater das Ehepaar Gibbs. »Das macht Spaß. Wir sind wie eine große Familie«, meint Römer. Arnold ergänzt: »Wir sind jetzt aktuell 20 Aktive aus allen Altersklassen und können uns durch den Eintrittskartenverkauf gut finanzieren.«

Was schwierig war

Schon damals spielte die Gruppe eine erste Benefizveranstaltung in der Augustinerschule zugunsten des Alten Hallenbads. »Wir waren von diesem Projekt von Anfang an überzeugt«, sagt Struwe.

Bei den ersten Kulturwochen im Theater Altes Hallenbad 2013 waren denn auch die Helden mit ihrem namensgebenden Stück »Helden« dabei. »Ich habe damals alle Veranstaltungen moderiert, auch das Stück, in dem ich selbst mitspielte«, erinnert sich Arnold. Längst ist das Alte Hallenbad die Heimat des Helden-Theaters geworden.

Im Laufe der Zeit wechselte die Besetzung immer wieder. Schwierig war die Inszenierung von »Acht Frauen« von Robert Thomas im vergangenen Jahr. Bedingt durch Krankheit konnte das Stück »nur« zweimal aufgeführt werden.

Durch Mundpropaganda, aber auch durch Aufrufe in den sozialen Medien kamen neue Mitspieler dazu. Eine ist Eva Römer. Die Reichelsheimerin spielte schon als Kind und Jugendliche in der Schule Theater. »Mein Vater Ralf Reitze spielt bei den Helden, da bin ich mal zu einer Lesung gegangen.

In der aktuellen Inszenierung spielen Kinder im Alter von acht und zehn Jahren ebenso mit wie eine Mittsechzigerin sowie in den Hauptrollen mit Svenja Illenberger und Rebekka Radgen zwei 17 Jahre alte Augustinerschülerinnen. »Die haben uns im Internet gefunden und mir ein Mail geschickt«, sagt Struwe, der von Römer ein besonderes Lob erhält: »Er nimmt alles an, Vorschläge ebenso wie Kritik.« »Aber letztendlich muss ich entscheiden«, meint Struwe lachend.

Derzeit lesen die Mitglieder sich jeden Mittwoch ab 19.30 Uhr im Theater Altes Hallenbad durch einige Stücke, um zu entscheiden, was nächstes Jahr gespielt wird. »Auf jeden Fall wieder eine Komödie«, weiß Struwe. Dann wird nach dreijähriger Pause – bedingt durch das Schreiben seiner Kinderbücher um den Drachen Fionrir – auch Andreas Arnold wieder mitspielen: »Ich habe wieder richtig Lust zum Theaterspielen«.

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