05. März 2019, 17:00 Uhr

Vor Gericht

Hat ein Ranstädter die eigene Uroma verletzt und bestohlen?

Die Staatsanwaltschaft stellt einen 19-jährigen langjährigen Obdachlosen aus Ranstadt unter Tatverdacht, dessen 84-jährigen Urgroßmutter überfallen und ausgeraubt zu haben.
05. März 2019, 17:00 Uhr
Die Urgroßmutter des obdachlosen Tatverdächtigen ist sich sicher, dass er sie überfallen hat. Niemand sonst habe gewusst, wo sich ihr Schmuck befindet. (Symbolfoto: dpa)

Ich habe damit nichts zu tun. Ich überfalle doch meine Uroma nicht, den einzigen Menschen, der es echt gut mit mir meint und mir bisher immer aus der Patsche geholfen hat«, schildert der junge Mann aus Ranstadt das Verhältnis zu seiner alleinstehenden 84-jährigen Urgroßmutter vor Gericht. Er ist angeklagt, sie im vergangenen Jahr überfallen und ausgeraubt zu haben.

Anders als seine übrigen Familienangehörigen, egal ob seine Mutter oder sein Vater, sei die Uroma aus Nieder-Mockstadt die Einzige, die ihm die Stange gehalten habe. Im vergangenen Jahr habe er bei ihr sogar noch drei Monate lang gewohnt und sei dort nur ausgezogen, weil die Oma mit seiner Freundin nicht zurechtkam. Auch sie, die Freundin, ist ohne Ausbildung und lebt mit dem Angeklagten seit über einem Jahr obdachlos auf der Straße. In einer Behindertenwerkstatt seien sie sich nähergekommen und hätten auch gleich ihr erstes Kind gezeugt. Das wird mittlerweile im Alter von neun Monaten auf Anweisung des Jugendamtes von der Mutter des Angeklagten versorgt.

Am 21. August 2018 hat sich der Vorfall ereignet, der nun vor dem Jugendschöffengericht in Friedberg abgehandelt wird. Gegen 22 Uhr ist eine unbekannte Person in das Haus der 84-Jährigen in Nieder-Mockstadt eingebrochen, hat zunächst das Wohnzimmer durchsucht und dabei durch Geräusche die bereits in ihrem Schlafzimmer schlafende alte Dame wach gemacht. Als diese nachsehen wollte, sei der Unbekannte unversehens ins Schlafzimmer getreten, habe sie an den Armen gepackt, sie auf ihr Bett geworfen und sie dabei an den Armen verletzt.

 

Schmuck im Wert von 10 000 Euro

Dann habe er aus ihrem Nachttischschränkchen Schmuck im Wert von rund 10 000 Euro geholt und ihn triumphierend in die Höhe gehalten. Als sich die alte Dame wehren wollte, habe er sie mit einer Taschenlampe oder einem Handy geblendet. Trotzdem habe sie aus dem Schlafzimmer fliehen und die Tür hinter sich verriegeln können. Der Unbekannte habe daraufhin die Türklinke von innen abgerissen und sei anschließend aus dem Fenster gesprungen, weil die ältere Dame fortgesetzt um Hilfe rief.

Die 84-Jährige ist sich vor Gericht sicher, ihren Urenkel, den Angeklagten, erkannt zu haben. »Er hatte zwar eine Kapuze auf, aber ich habe ihm direkt gegenüber gestanden und ihm ins Gesicht geschaut. Da gibt es keine Verwechselung«, berichtet die alte Dame. Sie habe oftmals Probleme mit ihrem Urenkel gehabt, weil der sie in der Vergangenheit immer wieder bestohlen habe. »Mal war es Geld, mal waren es Ringe oder Armketten, die er mir gemopst hat. Zum Schluss habe ich sogar mein Schlafzimmer tagsüber abgeschlossen«, erzählt sie unter Tränen und unterstellt dem Angeklagten sodann noch, dass er wenige Monate zuvor bereits einen – allerdings erfolglosen – Einbruchsversuch bei ihr unternommen haben soll.

 

Verwechslung mit Vater?

»Er ist der Einzige aus der Familie, der weiß, wo der Schmuck lag und wo ich mein Geld versteckt hatte«, antwortet sie auf Nachfrage der Richterin. Der Angeklagte hatte nämlich zuvor eine mögliche Verwechselung ins Spiel gebracht. »Mein Vater hat eine ähnliche Statur wie ich und trägt auch eine Brille«, so der Angeklagte. Er, der Vater, sei außerdem in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, weil er seiner neuen Frau etwas bieten wollte und sich damit finanziell total übernommen habe. Für eine Verwechselung spreche auch, dass ihn die Uroma häufig mit dem Vornamen des Vaters ansprechen würde. Doch die alte Dame winkt ab: »Nein, ich stand direkt vor ihm, von Angesicht zu Angesicht. Das Licht im Schlafzimmer war an und deshalb gibt es keine Verwechslung.«

Der Angeklagte weist derweil auf sein Alibi hin. Zur Tatzeit habe er mit seiner Freundin unter einer Brücke in Nieder-Mockstadt campiert. Das bestätigt auch die Freundin. Allerdings will sie an diesem Abend bereits um 21.15 Uhr eingeschlafen sein. Vor Gericht bescheinigt sie ihrem Freund eine vor allem unter Alkoholeinfluss verstärkte Aggressivität. Der Prozess wird am 18. März um 9 Uhr fortgesetzt.

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