29. März 2019, 11:00 Uhr

Angeklagt

Hat Mann seine Frau in Nieder-Mörlen gefesselt, vergewaltigt, bedroht?

In jener Januar-Nacht hat er sie laut Staatsanwaltschaft vergewaltigt, geschlagen, gefesselt und mit dem Tod bedroht. Ein 28-jähriger aus Syrien stammender Mann muss sich vor Gericht verantworten.
29. März 2019, 11:00 Uhr
Der mutmaßliche Vergewaltiger (hinter roter Mappe) im Gespräch mit seinem Verteidiger Alexander Hauer (2. v. r.) und einem Dolmetscher (2. v. l.). Der 28-jährige Syrer muss sich wegen Taten verantworten, die er im Januar 2018 in Nieder-Mörlen begangen haben soll. (Foto: privat)

Staatsanwältin Daniela Zahrt las die Anklageschrift zügig vor, der Übersetzer konnte mit dem Tempo mithalten, trug dem mittlerweile 28-jährigen Angeklagten die Vorwürfe auf Arabisch vor. Innerhalb weniger Minuten wurde eine Nacht im Januar 2018 zusammengefasst. Sollte sich alles so zugetragen haben, dann ist das Leid des Opfers kaum zu ermessen. Das Opfer, eine zierliche Frau, saß am Mittwoch im Saal 227 des Gießener Landgerichts dem Mann aus Syrien gegenüber, der sie in der Nacht auf den 8. Januar 2018 in einer Nieder-Mörlener Wohnung vergewaltigt haben soll. Die Frau trat als Nebenklägerin auf. Laut Anklageschrift wurde sie zudem gefesselt, geknebelt, geschlagen und bedroht.

Die Qualen begannen gegen 22 oder 23 Uhr am 7. Januar 2018 in der Wohnung in Nieder-Mörlen. Der Angeklagte, zugleich der Ehemann, soll seine Frau verdächtigt haben, mit einem Freund fremdgegangen zu sein. Laut Anklageschrift schloss der 28-Jährige das Opfer im Bad ein, fesselte es mit Kabelbindern an der Heizung, knebelte die Frau mit Stoff beziehungsweise mit einer Socke, drehte mehrere Wasserhähne auf, bedrohte die Frau mit einem Rasiermesser und sprach davon, sie zu töten. Mit diesem Messer hatte sie ihm auf seinen Wunsch hin zuvor noch den Nacken rasiert.

 

»Aussage« mit Handy aufgenommen?

Dann soll der Syrer seine Frau aufgefordert haben, auf den Koran zu schwören, nicht mit dem anderen Mann geschlafen zu haben. Die Frau gehorchte, beteuerte, nicht fremdgegangen zu sein. Der 28-Jährige nahm diese Aussage mit dem Handy auf und forderte laut Staatsanwältin Zahrt seine Frau dazu auf, Unterlagen mit unbekanntem Inhalt zu unterschreiben. Später in der Nacht soll der Mann sein Opfer geküsst, ihr die Schlafanzughose runtergezogen, ihr Shirt und ihren BH zerrissen und sie vergewaltigt haben. Danach habe der Syrer seine Frau erneut auf den Koran schwören lassen. Diesmal forderte er von ihr, ihm zu versprechen, ihn niemals zu verlassen. Auch dieser Aufforderung kam die Frau nach.

 

Gegen Wand gestoßen und geschlagen?

Damit allerdings waren die Qualen nicht beendet, denn am nächsten Morgen wollte die Frau zwecks Schulbesuch die Wohnung verlassen. Auch diesmal soll der Angeklagte den Koran herangezogen haben. Seine Frau habe auf das Buch schwören sollen, dass sie wirklich nur zur Schule gehen werde. Mit der flachen Hand soll der Mann sie gegen Kopf, Hals und Brust geschlagen, zudem gegen die Wand gestoßen haben. Bei diesem Stoß soll sich das Opfer an der Schulter verletzt haben. Dann wollte der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft seine Ehefrau erneut einschließen und fesseln, sie habe ihm ihre Liebe geschworen und dass sie wirklich nur zur Schule gehen wolle. Daraufhin soll der Syrer seiner Frau erlaubt haben, die Wohnung zu verlassen.

Alexander Hauer, Verteidiger des 28-Jährigen, kündigte an, sein Mandant werde sich zu den Vorwürfen nicht äußern, bestreite diese aber pauschal. Das Verfahren soll am Dienstag, 2. April, fortgesetzt werden. Vielleicht gibt es dann auch Aufklärung zu der Frage, in welchem Verhältnis Opfer und Angeklagter zueinander stehen oder standen, denn Rechtsanwalt Moritz Müller, juristischer Beistand der Nebenklägerin, sprach nach der ersten Sitzung von der »vermeintlichen Ehefrau«. 

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