08. Mai 2019, 14:00 Uhr

Tiere vermisst

Hasendiebe in der Wetterau unterwegs?

Fünf Zwergkaninchen sind in Bingenheim über Nacht aus ihren Ställen verschwunden. Das ist offenbar kein Einzelfall. Die Polizei ist informiert.
08. Mai 2019, 14:00 Uhr
Nur Zwergkaninchen Löffel ist Heike Müller und ihrer Familie geblieben. Warum Unbekannte offenbar fünf seiner Stallgenossen mitnahmen und nur ihn zurückließen, bleibt ein Rätsel. (Fotos: edg)

Löffel sitzt seit gut einer Woche ganz alleine in seinem Stall in Bingenheim. Verängstigt, scheu, unter Schock. Was das Zwergkaninchen gesehen und erlebt hat, darüber können Halterin Heike Müller und ihre Familie nur spekulieren. Sicher ist dagegen: Über Nacht sind Löffels drei Jungen, deren Mutter und ein weiteres Kaninchen aus dem Stall verschwunden. »Meine Kinder sind am Boden zerstört«, sagt Müller. »Am schlimmsten ist, dass wir nicht wissen, wo die Häschen sind, und was mit ihnen passiert.« Es waren Diebe am Werk, ist die 55-Jährige überzeugt. Dafür spricht einiges.

Drei Kindern haben um ihre Häschen geweint

Heike Müller, Tierhalterin

In der Nacht vom Sonntag, 28. April, zum Montag sind die Tiere aus dem geschlossenen Stall im Garten der Familie verschwunden. Eine der Stalltüren ist am Montagmorgen entriegelt, aber zu. Spuren eines Kampfes mit einem Tier wie Blut, Haare oder Federn sind nicht zu sehen. All das schildert Heike Müller der Polizei und erstattet Anzeige gegen Unbekannt.

»Es waren wunderschöne Hasen mit puscheligem Fell«, sagt Müller. Dennoch könne sie nicht verstehen, warum jemand Tiere stehle (Lesen Sie auch: In Bruchenbrücken verschwinden Katzen spurlos - Schlimme Vermutung). Um die Zwergkaninchen hätten sich vor allem ihre beiden Pflegetöchter Vicky (11) und Jasmin (7) gekümmert, sie ausgemistet, gestreichelt und gefüttert. Eines habe außerdem die zehnjährige Freundin ihrer Tochter betreut, die zu Hause keines halten durfte. »Drei Kindern haben um ihre Häschen geweint«, sagt Müller. Doch wie genau kam es dazu?

 
Fotostrecke: Vermisste Hasen in Bingenheim

 

Hasen vermisst in Bingenheim: Zwei weitere Familien betroffen

Die sechs Zwergkaninchen sind im Garten hinter dem Haus untergebracht, das am Ortsrand liegt. Für sie gibt es einen eingezäunten Auslauf und ein geschlossenes Stallhaus, dessen zwei Türen mir je einem Riegel gesichert sind. Am Sonntag schließt Vater Frank Müller die Tiere im Stall für die Nacht ein – wie jeden Abend. Heike Müller schaut gegen 19 Uhr nochmals nach den Kaninchen.

Als er sie am Montag gegen 6.45 Uhr in den Auslauf lassen will, bekommt er einen Schreck: Nur einer der beiden Riegel ist verschlossen. Als er die Türen öffnet, stellt er fest: Nur noch ein Kaninchen sitzt im Stall. Er eilt ins Haus und alarmiert die Familie. Eltern und Töchtern suchen den Garten ab. Ohne Erfolg. Abends durchkämmt er die Umgebung, kommt aber mit leeren Händen zurück.

 

Hasen vermisst in Bingenheim: Doch entlaufen?

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Aus diesem Stall in einem Bingenheimer Garten sind Kaninchen verschwunden.

Könnten die Kaninchen entlaufen sein? Heike Müller schüttelt den Kopf. »Die Hasen wissen, wo sie Futter bekommen und sitzen abends vor ihrem Haus.« Zudem: Den Garten umgibt ein massiver Metallzaun mit einem Betonsockel. Hasen müssten sich also rausbuddeln. Auch deshalb ist Müller sicher: »Hier kommt kein Raubtier rein.« Das ist wichtig, denn auf dem Gelände hält sie auch Hühner und Schildkröten.

Zwei weitere Bingenheimer Familien vermissen offenbar Hasen, wie Müller im Gespräch mit einer Bekannten erfahren habe. Insgesamt vier Hasen seien im April aus Ställen im Freien verschwunden. Die Betroffenen seien aber nicht zur Polizei gegangen.

 

Hasen vermisst in Bingenheim: Warnung für Tierhalter

Heike Müller hat unterdessen Kontakt mit dem Tierheim Elisabethenhof in Reichelsheim aufgenommen und will auch noch die Tierärzte der Region anrufen, falls die Hasen dort auftauchen. Viel Hoffnung habe sie aber nicht. »Ich will, dass andere Tierhalter gewarnt sind. Vielleicht schauen sie eher in den Garten, wenn sie ein verdächtiges Geräusch hören.« Deshalb habe sie die WZ angerufen.

Löffel hat sich mittlerweile etwas erholt – auch dank der Zuneigung der Töchter. Den Tatort bewohnt er nicht mehr. »Wir konnten den leeren Stall nicht mehr sehen, deshalb hat mein Mann ihn für die Hühner umgebaut«, sagt Müller. Löffel wohnt nun in einem kleineren Stall auf der Terrasse. »Der Stall ist schlechter von außen zu sehen«, sagt sie. Doch Sorgenfalten bleiben auf ihrer Stirn. »Wenn jemand die Tiere will, dann kommt auch er ran. Selbst ein Schloss hält jemanden mit Seitenschneider nicht auf.«

Info

So geht die Polizei vor

»Wir sind fast ausschließlich auf Zeugenaussagen angewiesen, ansonsten ist es fast unmöglich, die Tiere zu finden«, sagt Sylvia Frech, Sprecherin der Polizei Wetterau. Denn für verschwundene Tiere gibt es bei der Polizei keine gesonderte Kartei. Auch wird keine Fahndung eingeleitet wie bei vermissten Menschen. »Wenn es sich nicht um spezielle Rassetiere handelt, die bei Ausstellungen wieder auftauchen, ist es sehr schwierig«, sagt Frech. Tauchten herrenlose Tiere auf, werde geschaut, ob es eine entsprechende Anzeige gibt. »Das kommt nicht häufig vor, und die Sachbearbeiter kennen die Fälle in der Regel.«

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