08. April 2018, 18:57 Uhr

Schuhmacher-Handwerk

Hans Bayer: Glücklich in aussterbendem Beruf

Hans Bayer arbeitet in einem aussterbenden Beruf, dem Schuhmacher-Handwerk. Im Alter von 75 Jahren steht der Rockenberger noch jeden Tag in seiner Werkstatt.
08. April 2018, 18:57 Uhr
Auch im Alter von 75 Jahren ist Hans Joachim Bayer in seiner Schuhmacher-Werkstatt aktiv. Hauptsächlich erledigt er Reparaturen. (Foto: bu)

Vor 85 Jahren hat Schumacher Heinrich Bayer in der Bad Nauheimer Lessingstraße den Grundstein für seinen Handwerksbetrieb gelegt. Seit 1978 leitet Sohn Hans Joachim Bayer, der 1992 nach Rockenberg kam, ein kleines erfolgreiches Unternehmen, in dem qualifizierte Handwerksarbeit selbstverständlich ist.

Der freundliche Schuhmacher erlernte das Handwerk im elterlichen Betrieb und legte 1966 die Meisterprüfung ab. Etwas nachdenklich wird Hans Bayer, wenn er über die Zukunft seines Berufs nachdenkt. Bereits vor 3000 Jahren wurden in Ägypten Riemenschuhe aus Leder, Bast und Holz hergestellt. In Deutschland ist das Schuhmacherhandwerk in den letzten drei Jahrzehnten zu einem aussterbenden Beruf geworden. Gab es in den 60er Jahren in Ost- und Westdeutschland noch 75 000 Schuhmacher, ist deren Zahl inzwischen auf etwa 2700 geschrumpft. Damit einhergegangen ist ein Rückgang an Herstellern der für die Schuhfertigung benötigten Maschinen und Werkzeuge.

Billige Produkte gefragt

Diese Entwicklung ist aus Sicht von Hans Bayer eine Folge des Verbraucherverhaltens der »Turnschuhgeneration«. Schuhe sollen einfach billig sein. Ordentliches Handwerk erscheine auf den ersten Blick als zu teuer, da der Verbraucher die Langlebigkeit eines guten Produkts bei ordentlicher Pflege nicht berücksichtige. Heute stehen Reparaturen im Fokus. Bayer hat damit genug zu tun.

Unter Einsatz einer Zange und mit einem kräftigen Ruck verlieren Schuhe alte Absätze, die erneuert werden. Hierbei wird geprüft, ob der Schuh nicht etwa schief abgelaufen wurde. Mithilfe der Schleifmaschine bringt Hans Bayer alles wieder ins Lot. Jeden Vormittag öffnet der 75-jährige Schuhmacher seine Werkstatt und freut sich über die unterschiedlichen Kunden und Schuhe, die den Weg zu ihm finden. An den Ruhestand denkt er noch nicht, auch wenn er das Rentenalter längst erreicht hat. Er ist mit seiner Arbeit und Werkstatt so verbunden, dass er von Kunden und Mitbürgern aller Altersschichten geschätzt wird. Das Jubiläum des Betriebs verbringt er auf der Insel Kreta, um dort etwas ausspannen zu können.

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