25. Oktober 2019, 18:32 Uhr

Grüne: Neues Baugebiet zu groß

25. Oktober 2019, 18:32 Uhr

Eine kontroverse Debatte hatte die Stadtverwaltung bei der Vorlage zum Thema Baulandentwicklung in Nieder-Florstadt für die jüngste Stadtverordnetenversammlung wohl nicht erwartet. Im Februar hatten die Parlamentarier einstimmig beschlossen, ein neues Baugebiet im Norden von Nieder-Florstadt zwischen den Ausfallstraßen nach Friedberg und Reichelsheim auszuweisen. Jetzt sollte mit dem Beschluss der Bodenbevorratung durch die Hessische Landgesellschaft (HLG) der nächste Schritt getätigt werden. Ein Tagesordnungspunkt, der - so könnte man angesichts der Vorgeschichte meinen - ohne Aussprache hätte durchgewunken werden können.

Unger spricht von »Umfallerpolitik«

Doch da hatte man die Rechnung ohne die Grünen gemacht. Gerhard Salz sagte im Namen der Fraktion, dass man sich von der Ankündigung einer Plus-Energie-Siedlung habe blenden lassen. Die Versiegelung sei zu groß, man zweifle am Umfang des mit 16,8 Hektar viel zu großen Areals, man solle Flächen sparen und den Wohnraum stattdessen durch eine höhere Verdichtung erwirken. Salz kündigte die Ablehnung seiner Fraktion an, sollte die SPD als stärkste Fraktion nicht einen entsprechenden Vorschlag anbringen.

Bürgermeister Herbert Unger antwortete, dass man ohnehin eine höhere Dichte erwarte, vier- oder sechsstöckige Hochhäuser aber kategorisch ablehne. Man arbeite eng mit dem Regionalverband zusammen und werde sich an die gesetzlichen Vorgaben halten, die aber noch gar nicht festgelegt worden seien.

Heute solle, so Unger, nur beschlossen werden, den Weg weiter zu gehen und die HLG als Partner ins Boot zu holen, wie es seit 1983 in Florstadt üblich und erfolgreich sei. Die Forderung der Grünen in Richtung SPD nannte er »mysteriös«. Später wurde er deutlicher: »Die Grünen halten das Stöckchen hin, und die SPD soll drüberspringen.« Die Grünen würden eine »Umfallerpolitik« betreiben. Vor Greta habe man das Bauvorhaben mitgetragen, jetzt ziehe man sich aus der Verantwortung. Die Debatte solle nur vom Kurswechsel der Grünen ablenken. Schließlich trage jeder im Parlament Verantwortung für seine Kinder und Enkel, aber auch für die Stadt, die es weiterzuentwickeln gelte. »Wenn die Grünen eine Plus-Energie-Siedlung ablehnen, ist das keine gradlinige Politik, sondern irgendwelchen Leuten nach dem Mund geredet«, kritisierte Unger.

Christel Schmidt (CDU) mahnte die schrittweise Entwicklung des Gebietes an und meinte: »Man kann nur gewinnen, wenn man etwas wagt.« Für die SPD empfahl Torsten Trupp, die Vorgaben zur verdichteten Bebauung abzuwarten und mit Weitsicht vorzuplanen, um ordentliche Baulandpreise zu erzielen. Gudrun Neher (Grüne) sprach sich für ein »radikales Denken« beim Bodenverbrauch aus und brachte den Abriss alter Gebäude ins Gespräch.

Die Bodenbevorratung wurde schließlich mit den Stimmen von SPD und CDU auf den Weg gebracht. Der Quadratmeterpreis liegt bei 30 Euro. Ein Parlamentarier, der als Landbesitzer im betroffenen Areal nicht mit abstimmen durfte, hatte während der aufgeheizten Debatte den Saal verlassen müssen.

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